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Hundekot : Auch Bußgelder schrecken uneinsichtige Herrchen nicht ab

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Scheinbar interessiert betrachtet Martin Ackermann eine Häuserfassade an der Frankenallee im Frankfurter Gallusviertel. Mit ausschweifenden Gesten erklärt er seinem Begleiter, was an der Wand zu renovieren sei.

          Scheinbar interessiert betrachtet Martin Ackermann eine Häuserfassade an der Frankenallee im Frankfurter Gallusviertel. Mit ausschweifenden Gesten erklärt er seinem Begleiter, was an der Wand zu renovieren sei. Doch das ist alles nur Tarnung: Das tatsächliche Beobachtungsobjekt ist ein kleiner Boxerhund, der sich gerade in verdächtiger Pose auf den Grünstreifen in der Mitte der Straße gesetzt hat - Kotverdacht! Ackermann ist Mitarbeiter des Ordnungsamts und heute auf der Suche nach Hundehaltern, die ihre vierbeinigen Freunde in Parks oder Straßen "abkoten" lassen, ohne den Haufen ordnungsgemäß zu entsorgen. Rund 12 900 Hunde sind in Frankfurt gemeldet, das bedeutet mehrere Tonnen Fäkalien am Tag. Trotz vieler Kampagnen und inzwischen harter Geldstrafen reiht sich in manchen Frankfurter Grünanlagen noch immer Haufen an Haufen.

          Als sich der kleine Boxer wieder erhebt, schlägt Ackermann zu: "Guten Tag, Ordnungsamt ..." Der Hundehalter, ein Mann um die Fünfzig, ist überrascht. Aber er kann sich verteidigen. Ein Mädchen sei der Hund, sie habe sich nur zum Pinkeln hingesetzt. Und tatsächlich: Am vermeintlichen Tatort ist nirgends ein Haufen zu finden. Trotzdem kommt der Mann nicht ohne Bußgeld davon. Am Halsband ist keine Marke mit Name, Adresse und Telefonnummer angebracht, außerdem hätte der Hund nicht ohne Leine herumlaufen dürfen. Macht 75 Euro. "Man kann nicht immer die Augen zudrücken", sagt der Ordnungshüter.

          Seit drei Jahren geht die Stadt verstärkt gegen den sorglosen Umgang mancher Hundebesitzer mit dem "großen Geschäft" ihrer Vierbeiner vor. Spender mit Plastiktüten zur Entsorgung von Hundehaufen wurden in Parks aufgestellt. Zudem machten die Behörden mit Plakaten und Handzetteln auf das Problem aufmerksam. Peter Postleb, Leiter der "Stabstelle Sauberes Frankfurt", hatte kurzzeitig erwogen, eine Art Nummernschild für Hunde einzuführen, damit jeder Spaziergänger sofort erkennen kann, welcher Hundehalter ihnen gerade mit seinem Haustier über den Weg läuft. "Das ging aus juristischen Gründen nicht", erinnert sich Postleb. Dafür wurden saftige Bußgelder eingeführt: 75 Euro für einen nicht entsorgten Haufen, auf Spielplätzen gar 150 Euro. Nach einer "weichen Phase" am Anfang, in der die Herrchen meist mit einer Ermahnung davonkamen, werden die Strafen inzwischen vollstreckt. Von rund 35 Anzeigen in diesem Jahr berichtet ein Mitarbeiter des Ordnungsamts.

          Ein Vorgehen, mit dem sich Postleb unter den Hundehaltern viele Feinde gemacht hat. In Briefen sei er zum Teil wüst beschimpft worden, berichtet er. Einige Herrchen hätten ihm gar gedroht, ihren Hundedreck in seinem Vorgarten abzuladen. "Inzwischen hat sich die Situation verbessert", sagt Postleb. Rund 80 Prozent der Hundebesitzer seien gutwillig. Aber natürlich gebe es einen "Bodensatz" an Herrchen, an denen jede Maßnahme abpralle. Die argumentierten meist mit der Hundesteuer, durch die sie auch das Recht auf kommunale Entsorgung der Haufen erwürben. Postleb schüttelt den Kopf: "Die Steuer hat mit dem Kot doch überhaupt nichts zu tun."

          Uneinsichtige Hundehalter sind auch in anderen Städten ein großes Thema: In Darmstadt seien die Hundehaufen auf Straßen und Parks ein "Dauerbrenner", berichtet die Pressesprecherin der Stadt, Lisette Nichtweis. Zwei Parkbetreuer seien eigens dafür abgestellt, die Situation im Griff zu halten. Zwar werbe man noch immer "mit großer Geduld" um Verständnis bei den Hundehaltern. Doch der Spielraum für Bußgelder sei für die Ordnungskräfte inzwischen groß: Zwischen fünf und 1000 Euro könnten sie verlangen. Auch in Mainz haben die Behörden noch mehr Verständnis für die Hundebesitzer. Anders als in Frankfurt wolle man nicht mit Repressalien vorgehen, sagt Sprecher Ralf Peterhanwahr. Zwei "Huko-Mobile", bunte Säuberungsfahrzeuge mit Saugrüssel, sind ständig im Einsatz, um die Haufen zu entfernen. An "Dreck-weg-Tagen" veranstaltet die Stadt gemeinsam mit den Bürgern Säuberungsaktionen. "Wir wollen die Bürger ins Boot holen und nicht mit dem Ruder draufschlagen", so Peterhanwahr. Trotzdem gibt es im Ernstfall auch in Mainz Bußgelder von bis zu 20 Euro für einen Haufen.

          In Wiesbaden ist die Lage besonders angespannt: Die kommunalen Entsorgungsbetriebe haben jüngst die Aktion "Sauberes Wiesbaden" ins Leben gerufen, bei der jetzt mit Handzetteln und Plakaten für mehr Reinlichkeit geworben wird. Ein Schwerpunkt ist der Hundekot. Doch auch in der Landeshauptstadt verlassen sich die Behörden längst nicht mehr ausschließlich auf den guten Willen der Tierhalter: Wer einen Haufen nicht entsorgt und erwischt wird, muß 35 Euro zahlen.

          Eine Wiesbadener Werbeagentur hat sich der Sache unterdessen auf ungewöhnliche Weise angenommen. Unter dem Motto "If it's shit, kover-it!" haben die Werber eine Kampagne gegen die übelriechenden Haufen ins Leben gerufen: Auf der Internetseite www.k-over-it.de kann man gegen eine kleine Gebühr Karton-Bausätze bestellen, aus denen dann orangefarbene Pyramiden zu basteln sind. Damit soll der aufmerksame Bürger dann so viele Haufen wie möglich kennzeichnen. Astrid Schauerte, bei der Agentur für die Aktion zuständig, ist überzeugt: "Ein witziges Design kann manchmal mehr bewirken als die argumentative Keule." TIL HUBER

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