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Franchise mit Hundefrisuren : Bisse gehören zum Berufsrisiko

Geduldig: Nicht jeder Hund hält bei der Fellpflege so still wie Goldendoodle-Hündin Ilvy. Bild: Marcus Kaufhold

Eine Frisur ist kein Luxus für verwöhnte Schoßhündchen, sondern hält das Tier gesund. Diese Einstellung veranlasst eine Hundefriseurin aus Hessen, ihre Methode als Franchise anzubieten.

          Ilvy wedelt freudig mit dem Schwanz und holt sich zur Begrüßung von Franziska Knabenreich-Kratz erst mal eine ausgiebige Streicheleinheit. Das gehört zum Service der Hunde-Friseurin. Denn die dreieinhalb Jahre alte Goldendoodle-Hündin ist die erste Kundin an diesem Tag. Kämmen, schneiden, pflegen steht im Eltviller Hundesalon auf dem Programm. Hundehalter Robert Maron hat dazu eigens den Weg aus Kronberg in den Rheingau auf sich genommen, um Ilvy eine fachgerechte Pflege zu spendieren. Meistens aber sind es Frauen, die ihren vierbeinigen Liebling vorbeibringen.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Alle acht bis zehn Wochen hat Ilvy einen Termin bei Knabenreich-Kratz. Zwar gibt es auch im Hochtaunuskreis Hundefriseure, aber keinen, mit dem Maron so zufrieden ist wie mit dem in Eltville: „Das ist dort alles ganz anders.“ Auf Knabenreich-Kratz war er über eine Haustiersendung des Privatsenders Vox aufmerksam geworfen, seither ist er mit Ilvy Stammgast. Das sind auch rund 600 andere Hunde, deren Herrchen und Frauchen teils noch deutlich weitere Anfahrtswege als Maron auf sich nehmen.

          Deutlich mehr Anlaufstellen

          Für Neukunden hat Knabenreich-Kratz derzeit fast keine Termine mehr frei. Doch wenn sich ihr Traum als Unternehmerin erfüllt, dann wird es in absehbarer Zeit Franchisenehmer in Deutschland, Österreich und der Schweiz geben, die nach dem von ihr entwickelten „Feingemacht“-Prinzip arbeiten. Das wären für ihre Fans deutlich mehr Anlaufstellen.

          Knabenreich-Kratz hat ihre berufliche Laufbahn beim Bodenpersonal der Lufthansa begonnen. Ihr Leben änderte sich mit Leo, dem Mops ihres erkrankten Vaters, den sie in ihre Obhut nahm und der damals übermäßig gehaart hatte. Sie ging mit Leo zum Hundefriseur, war erstaunt und interessiert und begann später in einem Hundesalon in Wiesbaden zu arbeiten. Learning by doing heißt es in diesem Beruf, der keine geregelte Ausbildung und keine offizielle Anerkennung genießt, obwohl die Nachfrage in einer Nation groß ist, in der geschätzt knapp zehn Millionen Hunde leben. Fast jeder fünfte Haushalt hat ein vierbeiniges Familienmitglied, Tendenz steigend.

          Eine Art Filter für Umweltpartikel

          Vor dreieinhalb Jahren wagte Knabenreich-Kratz in einem altehrwürdigen Fachwerkhaus in der Eltviller Altstadt den lange angestrebten Schritt in die Selbständigkeit. „Ich habe es keinen Tag bereut“, sagt die selbstbewusste Achtunddreißigjährige. Je nach Rasse sollte ein Hund etwa alle drei Monate zum Hundefriseur, meint sie und erinnert daran, dass Hunde schließlich ein Dasein „auf Auspuffhöhe“ fristeten und ihr Fell eine Art Filter für Umweltpartikel aller Art sei.

          Ein gesundes Fell ist ihrer Ansicht nach der Schlüssel zur Hundegesundheit. Eine Standardbehandlung gibt es nicht. Dafür sind die Rassen zu unterschiedlich. Manche werden vor dem Schnitt gewaschen, andere nicht. Bisse zählen für Hundefriseure zum Berufsrisiko, denn nicht jeder Hund lässt sich so stoisch pflegen wie Ilvy. Nervöse Tiere müssen deshalb einen Maulkorb tragen.

          „Wenn er nicht haart, dann verfilzt er“

          Wer einen Hundefriseur für überflüssig hält, der hat nach Ansicht von Knabenreich-Kratz nicht verstanden, dass Hunde heute in erster Linie Familienmitglied und Kinderersatz seien und nicht mehr Schutz-, Jagd- und Hütehunde, bei denen das Fell jeweils spezifische Aufgaben erfülle. Hunde einfach nur zu scheren wie Schafe, sei jedenfalls die falsche Methode, meint Knabenreich-Kratz. Der moderne Hund brauche sorgfältige Pflege, denn „wenn er nicht haart, dann verfilzt er“. Gerade Hunde mit Unterwolle seien anfällig für Milben und andere Insekten oder Infektionen.

          Eine Hundefrisur sei daher kein „Chi-chi“, sondern Ausdruck einer artgerechten Pflege. Und die hat ihren Preis. Zwischen 60 und 90 Minuten dauert eine Behandlung bei Knabenreich-Kratz, und dafür werden zwischen 75 und 150 Euro fällig. Ihre Erfahrungen und Tipps hat Knabenreich-Kratz nicht nur im Fernsehen und als Buchautorin weitergegeben, sondern auch bei von ihr geleiteten Seminaren. „Mein Konzept funktioniert“, sagt sie mit Stolz.

          Das will sie nun über ein Franchise-System weitergeben. Dazu gehören theoretische und praktische Ausbildungseinheiten ebenso wie ein „Style Guide“ für die Einrichtung eines Hundesalons, der die Anmutung eines gemütlichen Wohnzimmers haben soll. Auch ein Coaching für die Dauer von fünf Jahren gehört zum Paket, mit dem die Unternehmerin nach einem Jahr Vorbereitung jetzt beginnt. Sie will damit auch zur Professionalisierung ihrer Zunft beitragen. Zumal nicht nur die Hunde davon profitierten: „Ich erziehe die Frauchen und Herrchen gleich mit.“

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