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Hessische Ditib-Jugend : Hürdenlauf für junge Muslime

„Wir sind hier geboren, ein Teil von Hessen“: Musa Cakill, Vorsitzende des Ditib-Landesjugendverband Hessen Bild: Helmut Fricke

Die Ditib-Jugend möchte in den hessischen Landesjugendring und muss sich mancher Kritik erwehren. Derweil lohnt ein Blick nach Gießen und Wetzlar.

          Viel Zeit hat Musa Çakilli nicht mehr. Zum 1. März muss der Jahresbericht 2016 über die Arbeit seines Jugendverbands dem hessischen Sozialministerium vorliegen. Es ist das erste Mal, dass Çakilli und seine Vorstandskollegen auf diese Weise Rechenschaft ablegen müssen. Im Juli vergangenen Jahres hatte das Ministerium den hessischen Ditib-Landesjugendverband als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt, zunächst bis Ende 2019. Nun ist der erste Sachbericht fällig.

          Stefan Toepfer

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Verstecken muss sich Çakilli nicht, der den muslimischen Jugendverband seit gut eineinhalb Jahren führt. Zwei Essen zum Fastenbrechen in Kassel und Frankfurt mit je 500 Teilnehmern, ein Fastenbrechen für Flüchtlinge, eine Jugendleitertagung, bei der es auch darum ging, die Radikalisierung Jugendlicher zu verhindern, eine Fahrt nach Bosnien, soziale und religiöse Bildungsveranstaltungen, eine Jugendleiterschulung in Kooperation mit dem Landesjugendring: es ist nicht gerade ein kleines Programm, das ausschließlich von ehrenamtlichen Kräften gestemmt worden ist. Auf eigene Hauptamtliche kann der Jugendverband noch nicht zurückgreifen - anders als etablierte Jugendorganisationen.

          „Wir erreichen 5000 Jugendliche“

          Gegründet wurde der Verband im Juni 2013. Zu ihm gehören Çakilli zufolge rund 80 Jugendgruppen in Hessen. „Insgesamt erreichen wir 5000 Jugendliche.“ Die jüngste Veranstaltung war im Januar eine Jugendleitertagung in Fulda mit dem aus Hessen stammenden CDU-Generalsekretär Peter Tauber als Gastredner. Seine Geschäftsstelle hat der Jugendverband in Frankfurt, in den Räumen der Ditib-Moscheegemeinde im Bahnhofsviertel. Dort hat auch der hessische Ditib-Landesverband den Sitz.

          „Ditib“ steht für Diyanet Işleri Türk Islam Birligi, zu Deutsch: Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion. Der Verband, vor allem seine Bundeszentrale in Köln, ist jüngst stark unter Druck geraten. Es gibt Imame, die für die staatliche Religionsbehörde in Ankara vermeintliche Staatsfeinde ausgekundschaftet und gemeldet haben, kritisiert wird zudem die Verbindung zum türkischen Staat an sich, die in Zeiten eines rigide durchgreifenden Staatspräsidenten als massives Problem empfunden wird, außerdem finden sich antisemitische Äußerungen von Mitgliedern auf einigen Internetseiten.

          Einige Bundesländer sind daraufhin deutlich auf Distanz zu Ditib gegangen. In Hessen lässt die Regierung den Landesverband, mit dem sie beim Islamischen Religionsunterricht kooperiert, neu begutachten, um jede mögliche Einflussnahme der Türkei auf den Unterricht auszuschließen. Musa Çakilli weiß um all das und ist unglücklich damit, dass der Jugendverband für Dinge in Haftung genommen wird, die er nicht zu verantworten habe. Gerade jetzt, da der 23 Jahre alte Student einiges vorhat. Er arbeitet daran, dass der Verband in den Landesjugendring aufgenommen wird. „Aber durch die derzeitige Kritik rückt das, was wir leisten, völlig in den Hintergrund.“

          Eine Debatte gab es auch jüngst, als er seinen Verband im Hauptausschuss des Landesjugendrings vorstellte. Dessen Vorsitzender Mario Machalett sagt auf Nachfrage, es sei für die Mitgliedsverbände von Bedeutung, „welche Positionen die Ditib-Jugend zu diskriminierenden, demokratiefeindlichen und autoritären Entwicklungen vertritt“.

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