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Eintracht Frankfurt : Mit Geduld, ohne Angst

  • -Aktualisiert am

Wieder da: Alexander Meier (links) trainiert, was auch Trainer Armin Veh erfreut. Bild: Jan Huebner

Die Partie gegen den Hamburger SV ist für Bruno Hübner und die Eintracht noch kein Schicksalsspiel, aber die Hanseaten kommen mit breiter Brust an den Main. Anders als die Frankfurter, den es an Selbstvertrauen mangelt.

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          Bruno Hübner spielte den Spion: „Die Jungs trainieren gut, wir gehen dementsprechend optimistisch in das Spiel gegen den HSV“, berichtete der Sportdirektor der Frankfurter Eintracht am Mittwochmittag. Die Öffentlichkeit ist in dieser Woche vom Trainingsplatz ausgeschlossen und deshalb auf Augenzeugenberichte anderer angewiesen. Inwieweit man den Eindrücken des Sportdirektors trauen kann, ist allerdings zweifelhaft. Würde er es zugeben, wenn die Mannschaft schlecht trainiert hätte?

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Wie dem auch sei, eine deutlich höhere Wichtigkeit kommt der Tatsache zu, dass der leicht erkältete Torjäger Alexander Meier nach einem Tag Pause wieder mit trainierte. Und dass der Eintracht-Kapitän während seiner persönlichen Extraschicht, die frei zugänglich war, wieder einmal seine verblüffende Treffsicherheit bewies. Man mag es sich gar nicht vorstellen, wenn die Eintracht an diesem Freitag ohne ihren Spieler auskommen müsste, der fünf ihrer sechs Tore in der Rückrunde erzielt hat. Wie wäre dann Hübners Rat an seine Mannschaft umzusetzen, die guten Dinge in den Vordergrund zu stellen und selbstbewusst in das Spiel gegen den Hamburger SV zu gehen?

          „Der Trainer kriegt das hin.“

          Dass die Eintracht mental angeschlagen ist, gibt sogar Hübner zu. Das 1:3 in Köln am vergangenen Samstag wirkt so stark nach, weil die Eintracht naiv ins Verderben rannte und ein weiteres Spiel verlor, das nicht mit einer Niederlage hätte enden müssen. Deshalb sieht Hübner in der Geduld einen Schlüssel für einen Erfolg gegen den HSV: „Wir wollen zwar unbedingt gewinnen, aber wir können nicht von Anfang an alles oder nichts spielen. Es ist unser Problem, dass wir bei Rückschlägen zu schnell zu viel wollen.“ Hübner sieht den HSV psychologisch im Vorteil, denn die Hanseaten sind genau einen Schritt weiter als die Hessen. Ihnen gelang am vergangenen Wochenende nach einer Phase der Selbstzweifel mit einem 3:2 über Mönchengladbach ein Durchbruch: „Die Hamburger kommen mit breiter Brust zu uns.“ Dennoch seien sie zu schlagen: „Sie sind schwer einzuschätzen, mal spielen sie sehr gut, mal weniger. Sonst hätten sie ja nicht auch diese Problematik, mit hinten drin in der Tabelle zu stehen.“

          Selbstvertrauen holen sich Fußballprofis vor allem über Siege. Wie kann das im Laufe einer Trainingswoche geschehen? „Indem man auf die positiven Dinge hinweist und an den negativen Dingen arbeitet. Der Trainer kriegt das hin“, antwortet Hübner. Positiv in Köln sei gewesen, dass die Eintracht 40, 45 Minuten lang gegen die Kölner wenig zugelassen habe. „Sie waren sogar gezwungen, ihre taktische Ausrichtung zu ändern“, so Hübner. Dann habe sich seine Mannschaft durch eine Standardsituation aus dem Spiel genommen und den Gegner durch unkontrolliertes Nach-vorne-Laufen ins Spiel gebracht. „Wir dürfen nicht so viele Räume öffnen“, sagt er.

          Der Mannschaft fehlt es an Führungsspielern

          Diese unkontrollierten Offensivaktionen sind ein Zeichen von mangelnder Spielintelligenz, Disziplinlosigkeit und Führungsschwäche. In der derzeitigen Eintracht-Elf gibt es zumindest in Stress-Situationen niemanden, der mit Vernunft den Taktstock führt. Von Stendera ist es mit seinen 20 Jahren kaum zu verlangen. Vom japanischen Nationalmannschaftskapitän Hasebe schon, aber der 32 Jahre alte Routinier ruht derzeit nicht in sich. Sein ständiges Gemeckere auf dem Platz und seine vielen Fouls drücken aus, dass er sich überfordert fühlt oder er überfordert ist. Der neue Mexikaner Fabian hat genug damit zu tun, sich selbst zurechtzufinden, und der neue Ungar Huszti muss sich auch erst das Standing in der Mannschaft erarbeiten, um als Führer anerkannt zu werden. Linksverteidiger Oczipka ist ob seiner eigenen Formschwäche zu verzagt, und Rechtsverteidiger Regäsel ist erst 20 Jahre alt. Bliebe noch – wie bei allen Fragen – Alex Meier. Doch so groß dessen Qualitäten vor dem Tor sind, so klein sind sie als Kommunikator und mitreißende Führungspersönlichkeit. Dann hat die Eintracht noch einen Trainer an der Seitenlinie: Doch in der Hitze des Gefechtes scheint der Einfluss von Armin Veh an der Seitenlinie begrenzt.

          Allerdings waren die Fehler gegen Köln so groß, dass gegen den HSV so oder so ein Lerneffekt zu erwarten ist. Die Begegnung mit den Hanseaten wurde schon Schicksalsspiel genannt. Für Hübner ist das eine übertriebene Bezeichnung: „ Das ist eine Nummer zu groß. Wir haben noch so viele wichtige Spiele: Hannover, Hoffenheim, Darmstadt, Ingolstadt. Gegner, die du besiegen musst, um hinten rauszukommen. Das Spiel gegen Hamburg ist wichtig, aber das alles entscheidende Spiel ist es nicht.“

          Deshalb gehe er auch nicht mit Angst in die Partie, und auch für die Spieler wäre sie der falsche Ansatzpunkt: „Wenn wir jetzt schon Angst hätten, was soll dann erst passieren, wenn wir gegen den HSV verloren haben?“

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