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HSK-Kinderklinik : Kinderärzte schlagen Alarm

Versorgt: Eine Pflegerin besucht einen Jungen an seinem Krankenhausbett (Symbolbild). Bild: obs

Erfüllt die Helios Horst Schmidt Kinderklinik noch ihren Versorgungsauftrag? Für Mediziner in der Rhein-Main-Region fällt die Antwort negativ aus.

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          In einem ungewöhnlichen Schritt haben sich mehr als 30 Kinder- und Jugendmediziner der Region mit einer Zeitungsanzeige an die Öffentlichkeit gewandt und der Kinderklinik an den Helios Horst Schmidt Kliniken vorgeworfen, ihren Versorgungsauftrag nicht mehr zu erfüllen. Die Gründe sehen die Ärzte in „wirtschaftlichen Optimierungsprozessen“ von Helios und in einem „massiven Bettenabbau“. Die Pflege und zunehmend auch die ärztliche Betreuung der Kinder sei „nicht mehr angemessen leistbar“, trotz des Engagements vieler Mitarbeiter.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Nach Darstellung der Kinderärzte in ihrer Annonce standen 2019 durchschnittlich weniger als 50 Betten für die Versorgung kranker Kinder zur Verfügung gegenüber 106 Betten vier Jahre zuvor. Damals seien noch 5000 Kinder stationär betreut worden, im Jahr 2019 nur noch rund 3000. Das bedeute, dass in Wiesbaden behandlungsbedürftige Kinder an andere, weiter entfernte Kliniken verwiesen werden müssen.

          Die Ärzte fordern eine ganzjährig ausreichend zur Verfügung stehende Zahl an Betten, die „nicht nur auf dem Papier steht“. Der „seit langem befürchtete“ Weggang des Kinderklinik-Leiters Manfred Knuf bedeute einen herben Verlust nicht nur für die Klinik selbst, sondern für alle Praxen und Institutionen, die sich für das Wohl von Kindern in der Region einsetzten.

          „Menschlich ein Trauerspiel“

          Die Ärzteorganisation Marburger Bund Hessen hat sich hinter die Forderung der Kinderärzte gestellt. „Wir sind schockiert darüber, und es ist nicht hinnehmbar, dass für die Kinder in Wiesbaden nicht genügend stationäre Versorgungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen und auch deren Grundversorgung als nicht gesichert bezeichnet wird“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Andreas Scholz. Dass in den zurückliegenden fünf Jahren die Zahl der tatsächlich für die Versorgung zur Verfügung stehenden Betten halbiert worden sei, könne angesichts des Bedarfs nicht nachvollzogen werden.

          Die Verlegung von Kindern in entfernte Kliniken sei „menschlich ein Trauerspiel und medizinisch nicht sinnvoll. Die Grundversorgung von Kindern scheint nur eine untergeordnete Rolle zu spielen“, kritisiert Scholz weiter. Es sei ein politisches Armutszeugnis, wenn der Landeshauptstadt wegen ihrer vertraglichen Vereinbarungen mit Helios die Hände gebunden seien. Helios, die Stadt und die Landesregierung müssten nun schnell reagieren, fordert der Marburger Bund.

          Linke und Piraten für Rekommunalisierung der Kliniken

          Im Wiesbadener Rathaus halten sich die Fraktionen im Rathaus bislang noch weitgehend bedeckt. Dem Vernehmen nach sind aber ein oder mehrere Dringlichkeitsanträge in Vorbereitung, um am Donnerstag die Stadtverordnetenversammlung mit dem Thema zu befassen. Aus dem Gesundheitsdezernat von Bürgermeister Oliver Franz (CDU) wird auf äußerst beschränkte Einflussmöglichkeiten der Stadt hingewiesen.

          Seit der Teilprivatisierung der HSK im Jahr 2012 liegt das operative Klinikmanagement ausschließlich beim Minderheitsgesellschafter Helios. Franz sieht für das Sozialministerium einen Anlass, sich abermals mit der Situation in Wiesbaden zu beschäftigen. Über die Überwachung der Einhaltung des Versorgungsauftrags ist allein das Haus von Minister Kai Klose (Die Grünen) verantwortlich. Vor dort hat die Stadt bislang nur die Nachricht erhalten, dass es keine Anhaltspunkte dafür gibt, dass die HSK ihren Versorgungsauftrag nicht erfüllt.

          Für die Landtagsfraktion der Linken hat die Abgeordnete Elisabeth Kula angekündigt, den Landtag durch eine kleine Anfrage mit dem Thema zu beschäftigen. Dass sich Kinderärzte über die Presse an die Öffentlichkeit wenden müssten, sei ein Skandal. „In einer städtischen Klinik wäre das undenkbar gewesen“, meint Kula und fordert das Land auf, die Initiative zu ergreifen, um die Versorgung in der Landeshauptstadt sicherzustellen und landesweit weitere Privatisierungen von Kliniken zu verhindern. Ingo von Seemen, gesundheitspolitischer Sprecher der Rathausfraktion von Linken & Piraten, sieht die Notwendigkeit, das System der Fallpauschalen abzuschaffen und die Finanzierung der Krankenhäuser umzustellen. Die Gesundheit dürfe „kein Spielball des Kapitals“ sein, meint von Seemen und unterstützt die Arbeit der Bürgerinitiative HSK Pro Kommunal, die sich für die Rekommunalisierung der HSK engagiert.

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