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Jacqueline Vogt (jv.)

Hotelbranche in der Krise : Kurz lockern bringt wenig

Übernachtungen über Weihnachten auch für Touristen: Lohnt es sich für Hotels, Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zu holen und dafür anteilig die Lohnkosten zu tragen? Bild: dpa

Die hessische Landesregierung hat Hotelbetreibern in Aussicht gestellt, über Weihnachten auch Touristen beherbergen zu können. Doch die Regeln dafür sind unklar – und ein unausgesprochener Mobilitätsaufruf ist das falsche Signal.

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          Das haben viele befürchtet, andere vielleicht ersehnt: dass sich früher als gedacht die Ministerpräsidenten der Länder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über eine mögliche Verlängerung des Teil-Lockdowns über den 20. Dezember hinaus verständigen und ihn womöglich beschließen. So ist es nun am Mittwochabend geschehen. Und nimmt man die Fallzahlen und Sieben-Tages-Inzidenzen, die Belegung der Kliniken und die Belastung ihres Personals so wichtig, wie es in den vergangenen Wochen genommen wurde, ist das richtig: Die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus muss sinken.

          Für Restaurants und Gaststätten ist bitter, dass sie bis weit in den Januar hinein geschlossen bleiben müssen, mindestens. Doch während die Wirte so wenigstens wissen, woran sie in den nächsten Wochen sind, haben Hotelbetreiber eine so klare Sicht noch nicht. Ihnen hat die hessische Landesregierung, bislang noch informell, in Aussicht gestellt, dass sie über Weihnachten nicht nur Geschäftsreisende, sondern auch Touristen beherbergen können: damit die Verwandten, mit denen man sich zum Fest trifft, eine Übernachtungsmöglichkeit haben, falls sie aus anderen Orten anreisen.

          Rund 60 Prozent der Hotels in Hessen sind nach Schätzungen des Hotel-und Gaststättenverbands momentan geöffnet, viele mit winzigen Belegungsraten – vielleicht wären sie froh, ein paar mehr Zimmer vermieten zu dürfen. Unklar ist allerdings, wie die Regularien dafür aussehen könnten. Müsste bei einem Buchungswunsch das Hotel nachfragen, bei wem der potentielle Gast Weihnachten feiert und in welchem Verhältnis er zu demjenigen steht? Muss der Übernachtungswillige das nachweisen? Oder wird es keine Nachweispflicht geben? Und lohnt es sich, Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zu holen und dafür anteilig die Lohnkosten zu tragen?

          Eine Lockerung für ein paar Tage, so steht zu befürchten, brächte dem Hotelgewerbe wirtschaftlich wenig, aber setzte als ein unausgesprochener Mobilitätsaufruf im Land ein falsches Signal. Wir alle werden, im Gedenken an die Opfer, die Corona schon gefordert hat, und auch angesichts dessen, was Ärzte, Krankenschwestern und Pflegekräfte leisten und noch leisten müssen, ein Weihnachten ohne die gewohnten Reisen und Rituale wohl verschmerzen.

          Jacqueline Vogt
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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