https://www.faz.net/-gzg-8dh1w

Horst-Schmidt-Klinik Wiesbaden : Übertragung beim Putzen

Gefährlicher Keim: Mitte Januar wurde auf der Haut von neun Frühgeborenen der MRSA-Keim bei Routinetests entdeckt. (Symbolbild) Bild: dpa

Die wahrscheinliche Ursache der Besiedelung von Frühgeborenen in den Wiesbadener HSK ist gefunden. Jetzt soll die Vorbeugung verbessert werden.

          2 Min.

          Eine Mitarbeiterin des Reinigungsdienstes soll den Erreger MRSA in die Station für Frühgeborene der Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) eingeschleppt haben. Dies sei die wahrscheinlichste Ursache, sagte der Chefarzt der Kinderklinik, Markus Knuf, gestern vor der Presse. Mit Sicherheit beweisen lasse sich dies allerdings nicht.

          Ewald Hetrodt
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Wie berichtet, war der Keim Mitte Januar auf der Haut von neun Frühgeborenen bei Routinetests entdeckt worden. Krankheitssymptome sind bis heute nicht aufgetreten. Alle Säuglinge seien stabil, berichtete Knuf. Drei könnten wohl in absehbarer Zeit entlassen werden. Sechs seien noch so jung und unreif, dass sie deswegen noch viele Wochen auf der Station behandelt werden müssten.

          Keim auch „Rhein-Hessen-Epidemie“ genannt

          Sie ist noch geschlossen. Ärzte, Pfleger und Eltern tragen einen Vollschutz, um für eine konsequente Isolierung zu sorgen. Mit dem kommunalen Gesundheitsamt ist die HSK im Gespräch, um bald wenigstens einen Teil der Station wieder zu öffnen. MRSA ist ein Hautkeim, der im Fall einer Infektion schwer zu behandeln ist, weil er auf viele Antibiotika nicht reagiert. Er wird im Wesentlichen über Hände und Flächen übertragen.

          Der identifizierte Erreger zählt nach den Angaben der HSK zu den in deutschen Kliniken am stärksten verbreiteten MRSA-Stämmen. Im Fachjargon ist auch von der „Rhein-Hessen-Epidemie“ die Rede. Übertragen wurde der Keim von einer Stillliege und einem Wagen für medizinischen Bedarf. Vor allem die Liege, auf der die Eltern mit ihren Kindern zusammenkämen, sei als „Sollbruchstelle in der Übertragungskette“ unterschätzt worden, erläuterte Knuf. Sie sei in der Vergangenheit einmal täglich professionell desinfiziert worden. Darüber hinaus hätten die Eltern sie nach jeder Benutzung gereinigt. Weil das Verfahren offensichtlich nicht gründlich genug gewesen sei, habe man es jetzt verbessert.

          Externer Hygiene-Gutachter hat keine Einwände

          Wie berichtet, war der Keim ausgebrochen, als die HSK ohnehin schon im Mittelpunkt der öffentlichen Kritik stand. So hatte der von dem Helios-Konzern entsandte Geschäftsführer Kristian Gäbler zugegeben, dass der im Zuge eines massiven Abbaus von Stellen engagierte externe Reinigungsdienst bislang nicht die erwünschten Leistungen erbringe.

          Es gebe keinen Zusammenhang zum aktuellen Fall, äußerte Gäbler. Die langjährige Mitarbeiterin habe sich nichts vorzuwerfen. Jeder Mensch werde von solchen Keimen besiedelt. Entscheidend sei es, die Übertragung zu verhindern.

          Die HSK hat die Station für Frühgeborene nach dem Ausbruch des Erregers von einem externen Gutachter beurteilen lassen. Arne Simon von der Kommission für Krankenhaushygiene beim Robert-Koch-Institut habe der Abteilung anschließend ein einwandfreies Hygienekonzept bescheinigt, teilte die Geschäftsführung mit. Simon habe auf Seiten des Behandlungsteams keine gravierenden Mängel festgestellt, die die Übertragung verursacht hätten.

          Frühgeborene sollen wöchentlich gescreent werden

          In seinem Protokoll zu der Kontrolle heißt es nach den Angaben der HSK: „Die Krankenhaushygiene und die Infektionsprävention sind in der neonatologischen Intensivmedizin der Helios HSK sowohl strukturell-organisatorisch als auch personell gut aufgestellt. Das Behandlungsteam der Neonatologie leistet ausgezeichnete Arbeit.“

          Allerdings empfahl der Gutachter eine „Weiterentwicklung“ des Konzepts der Prävention. So sollen die Frühgeborenen künftig einem wöchentlichen Screening unterzogen werden. Diese Vorgehensweise sei „nicht über jeden Zweifel erhaben und kein Standard, den man mal eben durchwinkt“, meinte Knuf. „Aber wir machen das jetzt.“ Der Gutachter rät außerdem zu Verbesserungen in der Reinigung. So sollen für die besonders sensible Neonatologie spezielle Teams gebildet werden. Außerdem sollen Schulungen angesetzt werden.

          Weitere Themen

          2-G-plus neu definiert

          Heute in Rhein-Main : 2-G-plus neu definiert

          In Hessen gelten nun die Corona-Regeln, die Bundestag und Bundesrat beschlossen haben. Das Hessische Finanzamt braucht 51 Tage für die Bearbeitung der Steuererklärung. Die F.A.Z.-Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

          Topmeldungen

          Foto von einer Zeremonie zum Start von Nord Stream 2 im Jahr 2010 in Russland

          Naftogaz-Chef zu Nord Stream 2 : „Ich glaube, dass Putin blufft“

          Der Chef des ukrainischen Energiekonzerns Naftogaz spricht über Deutschlands Abhängigkeit von russischem Gas und warnt vor der Pipeline Nord Stream 2. Zudem erklärt Yuriy Vitrenko, warum er in dieser Situation auf die Energiewende hofft.

          Einreise-Drama in Australien : Djokovic und der ominöse Covid-Test

          Wurden die Covid-Tests, mit denen Novak Djokovic eine Sondergenehmigung zur Einreise als Ungeimpfter erhalten wollte, vorsätzlich mit falschen Daten versehen? Die Dokumente sind mindestens dubios.
          Fernab des Luxus: Blick vom Armutsviertel Petare auf Caracas

          Wenige Reiche, viele Arme : Ein Kasino namens Venezuela

          Die Zeiten der leeren Supermarktregale sind in Venezuela vorerst vorbei. Für wenige Privilegierte gibt es jetzt wieder alles – für den großen Rest fast nichts.