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Zuhause in der Schule : Viel zu lernen

Keine Schule: Niemand weiß, ob der reguläre Unterricht nach den Osterferien wieder beginnen kann. (Symbolbild) Bild: dpa

Wegen der Corona-Pandemie findet kein regulärer Unterricht mehr statt. Jetzt müssen sich die Schulkinder den Stoff zuhause selbst erarbeiten. Dabei sind sie nicht die einzigen, die noch viel zu lernen haben.

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          Nach zwei Wochen ohne regulären Unterricht steht immerhin fest, dass wir alle viel zu lernen haben: die Lehrer, wie sie ohne direkten Kontakt mit den Schülern den Lehrstoff vermitteln, die Schüler, wie sie sich ohne schulischen Kontext Wissen aneignen, und die Eltern, wie sie es trotz beruflicher Verpflichtungen und einer insgesamt beanspruchenden Situation schaffen können, für ihre Kinder einen halbwegs geordneten Alltag zu organisieren und sie insbesondere beim Lernen zu unterstützen.

          Manches klappt schon erstaunlich gut, anderes aber nicht. An vielen Schulen gibt es nicht einmal einen Mail-Verteiler, so dass die Kommunikation mehr schlecht als recht über die Elternbeiräte laufen muss. Es gibt Lehrkräfte, die tagelang keine Aufgaben stellen und auch sonst nicht erreichbar sind. Dank der Fotos vom Motorradausflug, die sie auf Facebook posten, weiß man immerhin, dass es ihnen gutgeht.

          Andere Lehrer feuern E-Mails aus allen Rohren, so dass am Ende niemand mehr weiß, was eine relevante Information ist und was nur der x-te Hinweis auf irgendein Lernportal oder ein angeblich sehenswertes Youtube-Tutorial. Darüber kann man sich ärgern, aber man muss nicht in Panik geraten. Gerechnet auf eine Schullaufbahn sind drei Wochen Unterrichtsausfall zu verkraften.

          Neue Lernansätze durch Corona

          Zumal die Corona-Krise neue Lernansätze schafft: Welcher berufstätige Vater hätte vor ein paar Monaten gedacht, dass er mit seinen Teenagersöhnen täglich am Mittagstisch sitzt und sich über den neuen Podcast eines Berliner Virologen oder die ethischen Probleme einer Zwangsquarantäne unterhält? Auch von der Erfahrung einer gesamtgesellschaftlichen Ausnahmesituation werden die Schüler womöglich mehr profitieren als vom Lesen eines Sozialkundebuchs.

          Auf Dauer den Unterricht ersetzen kann all das allerdings nicht. Besonders angewiesen darauf sind Familien, in denen die Eltern alleinerziehend oder doppelt berufstätig sind, die durch andere Umstände ohnehin belastet sind oder denen das Wissen und die sprachlichen Voraussetzungen fehlen, ihre Kinder zu fördern.

          Niemand weiß, ob der reguläre Unterricht nach den Osterferien wieder beginnen kann. Deshalb müssen die Schulen die Zeit bis dahin nutzen. Sie müssen aus den bisherigen Erfahrungen lernen und tragfähige Konzepte für einen Unterricht erstellen, der die Schüler zu Hause erreicht und die Familien nicht über Gebühr belastet.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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