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Homeoffice mit Kleinkindern : Zwischen Arbeiten und Kinderbetreuung

Kochen mit Kind im Arm - Alltag im Lockdown Bild: dpa

Während der Corona-Krise arbeiten viele von Zuhause aus. Für berufstätige Eltern mit kleinen Kindern kann das Homeoffice zur Herausforderung werden.

          2 Min.

          Däne müsste man sein. Unter den Eltern, die kleine Kinder im Kita-Alter haben, gibt es nicht wenige, die gerade am liebsten nach Kopenhagen auswandern würden. Die Dänen nämlich machen es andersherum: Weil ältere Kinder sich schon gut selbständig beschäftigen und auch zu Hause lernen können, beginnen die nördlichen Nachbarn ihre Lockerungsübungen mit Kitas und Grundschulen. Um die berufstätigen Eltern zu entlasten.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Hierzulande aber droht eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Was wurde zuletzt alles über die Entschleunigung durch die Corona-Krise geschrieben! Aber Eltern mit zwei Jobs haben nicht mehr Zeit, sondern weniger. Sie brauchen keine Tipps für superspannende Serien auf Netflix und andere Angebote gegen die Langeweile, sondern Entlastung. Sie zerreiben sich zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung und fallen abends todmüde ins Bett. Peu à peu soll in Schulen jetzt wieder der Unterricht beginnen. Aber wenn „da draußen“ die Geschäfte wieder öffnen und das Leben so langsam neu in Schwung kommt, sitzen Eltern mit ihren Kleinkindern weiterhin zu Hause und versuchen, der Arbeit und dem Nachwuchs so gut es geht gerecht zu werden.

          „Papa, wann bist du fertig?“

          Und das ohne Perspektive: Kitas müssten noch „sehr lange“ geschlossen bleiben, sagte der Ministerpräsident am Mittwochabend und verwies auf die hohe Ansteckungsgefahr unter Kleinkindern. Die Wahrheit ist aber auch: Es geht einfach nicht monatelang so weiter. Die Arbeit wird immer lauter rufen, die Kollegen werden weniger nachsichtig sein, die Chefs auch, der Jahresurlaub ist aufgebraucht, die Stimmung sinkt.

          Entschuldigung, erste Unterbrechung. Gerade ging die Tür auf: „Papa, wann bist du fertig?“, fragt ein geschminktes Indianermädchen (dreieinhalb Jahre), die Schlafanzughose noch an. Die Antwort „Bis zum Mittagessen“ wird widerstrebend akzeptiert. Eigentlich kümmert sich die ebenfalls berufstätige Frau vormittags um die Kinder, nachmittags wird getauscht. Aber sie kocht gerade das Essen und kann die Kinder nicht festbinden. Wo waren wir? Richtig, bei der Ansteckungsgefahr. Bouffier sprach von „Infektionsbrücken“ in der Kita. Hat ein Kind Magen-Darm, hat es bald die ganze Kita. Mundschutztragen und Abstandhalten ist in dem Alter nicht so einfach. Ergo: Hat ein Kind Corona, ist bald die ganze Einrichtung durchseucht. Herdenimmunität lässt sich kaum schneller herstellen.

          Homeoffice ist keine schöne Familienzeit

          Zweite Unterbrechung. Kurz auf der Toilette gewesen. Auf dem Rückweg hat sich das Indianermädchen am Schreibtischstuhl festgekrallt. „Papa muss arbeiten.“ – „Ich will aber nicht raus!“ Okay, die Tür bleibt offen. Das Kind sitzt jetzt auf dem Boden, schaut sich Bücher an. Der kleine Bruder (eineinhalb Jahre) findet das leider auch interessant – und die Bücher der Schwester sind am spannendsten. Sie streiten. So geht das nicht. CD angemacht, die Große hört jetzt „Monika Häuschen“, der Kleine spielt vor sich hin.

          Wo waren wir? Ach ja, bei der Herdenimmunität. Das wäre wohl die andere Strategie: Risikogruppen konsequent abschotten. Die Großeltern erst wiedersehen, wenn der Impfstoff da ist. Es ist nicht so einfach. Aber kann man von großen Gruppen der Gesellschaft wirklich verlangen, dass sie monatelang die Arbeit hintanstellen? Was macht das mit den Familien? Was macht das mit den Kindern? Gewiss, die Kinder genießen es, die Eltern mehr für sich zu haben. Aber sie vermissen auch ihre Freunde. Homeoffice ist kein Urlaub und nur sehr begrenzt eine „schöne Familienzeit“. Und wenn dann endlich die Kitas wieder öffnen, kann man mit der Eingewöhnung der Kleinen auch gleich wieder von vorne beginnen.

          Die Tür geht auf: „Papa, ich brauche einen Mixer!“ Sie hat den kleinen Bruder im Schlepptau, der sowieso nicht versteht, warum der Vater immer im Schlaf- und Arbeitszimmer verschwindet, und dann an die Tür donnert. Aber das Essen kocht nun vor sich hin, die Ehefrau ist wieder an der Reihe. Jetzt bleibt noch eine Stunde, um zu telefonieren, Reaktionen auf die Worte des Ministerpräsidenten einzuholen und zu einem halbwegs lesbaren Artikel zu verarbeiten. Avanti! Italiener möchte man übrigens gerade eher auch nicht sein.

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