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Hollywood-Komponist Howard : Eine Frage der Technik

Hollywood-Komponist: James Newton Howard, ein Freund von Hans Zimmer Bild: EPA

Von „Pretty Woman“ bis „Harry Potter“: Hollywood-Komponist James Newton Howard geht mit Orchester auf Tournee. Er ist ein Freund von Hans Zimmer, Frankfurts Mann in der Filmmetropole.

          3 Min.

          „Filmmusik ist die klassische Musik des 20. Jahrhunderts“, hat der mit beiden Genres gut vertraute Dirigent Frank Strobel einmal geschwärmt. Er meint damit die Komplexität etlicher Kompositionen, die dem vom Geschehen auf der Leinwand gebannten Zuschauer vielleicht gar nicht auffallen, ihn aber im Idealfall in seinem Empfinden geradezu steuern. Für diesen Idealfall muss der Komponist sehr viel Arbeit aufwenden, für die er aber bei Hollywood-Produktionen meist nur wenige Wochen Zeit hat. „Acht bis zwölf Wochen habe ich normalerweise für einen Score zur Verfügung“, sagt der amerikanische Komponist James Newton Howard und grinst: „Manchmal aber auch nur sechs.“ Der 66 Jahre alte Musiker aus Los Angeles spielt damit auf seinen Noteinsatz im Jahr 2005 an, als Regisseur Peter Jackson für sein Remake des Abenteuerfilmklassikers „King Kong“ wegen „unterschiedlicher kreativer Auffassungen“ den ursprünglich verpflichteten Komponisten feuerte und durch Howard ersetzte.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dem half seine immense Erfahrung, aber auch sein Einfühlungsvermögen, wie er sagt: „Ich glaube, ich bin in dieser Hinsicht ein guter Student. Schildert mir jemand lebhaft eine Szene, könnte ich dazu die Musik schreiben, obwohl ich keine Bilder oder Sequenzen aus dem Film gesehen habe.“ Mit diesem Talent, sich in Geschichten und ihre Protagonisten einfühlen zu können, hat Howard in den vergangenen dreißig Jahren für mehr als 120 Filme die Musik komponiert, darunter zahlreiche Blockbuster wie „Pretty Woman“, „Auf der Flucht“, „Batman Begins“, „The Dark Knight“, „Blood Diamond“ „Die Tribute von Panem“ und zuletzt das Harry-Potter-Sequel „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“. Für diesen Film hatte er zwar geradezu luxuriöse sieben Monate Kompositionszeit, doch waren auch die für den Komponisten mehr als arbeitsreich. Die 37 Sekunden dauernde Eingangsmelodie habe er nicht weniger als 43 Mal umgeschrieben, erinnert sich der bisher achtmal für einen Oscar nominierte Komponist.

          Ein Freund von Hans Zimmer

          Wichtigstes Arbeitsmittel ist ihm ein Keyboard, sagt Howard. Sein Klavier nutze er, um musikalische Motive auszuprobieren, doch dann wechsle er zur digitalen Technik, die ihm vor allem Zugriff auf eine sogenannte Sound-Bibliothek erlaubt, die er gemeinsam mit seinem Freund Hans Zimmer, Frankfurts Mann in Hollywood, in den vergangenen Jahren aufgebaut hat: „Hans hat einige Millionen Dollar in diese Datenbank investiert. Ich nicht ganz so viel. Einige hunderttausend vielleicht. Dank dieser Technik kann ich sehr gute Demoaufnahmen herstellen, die dem endgültigen Score schon sehr nahekommen.“

          Die Orchestrierung erfolgt dabei datenbankgestützt, wie auch die Notation, die ein Softwareprogramm erstellt. Und erst wenn die Demoaufnahme das Gefallen von Regisseur und Produzent gefunden hat, kommen andere Menschen zur Umsetzung ins Spiel. Ein Mitarbeiter Howards kontrolliert die Notation und schreibt diese ins Reine, was der Komponist in der ihm zur Verfügung stehenden Zeit sonst gar nicht erledigen könnte, muss er doch ins Studio, um dort dann mit einem richtigen Orchester die Musik einzuspielen. Die Leitung übernimmt ein dafür verpflichteter Dirigent, um dem Komponisten wiederum die Zeit zu lassen, die Aufnahmen zu überwachen und dabei gegebenenfalls noch Änderungen vorzunehmen.

          Diese Arbeitsteilung im Studio hat Howard in jungen Jahren gelernt. „Ich habe Hunderte, wenn nicht gar Tausende Stunden in Aufnahmestudios verbracht“, erinnert er sich und ist dafür vor allem einem weltberühmten Popmusiker dankbar: Elton John. Den hatte Howard kurz nach seinem Musikstudium kennengelernt, als er in einer Band namens Mama Lion Orgel spielte. Howard wurde Elton Johns Tour-Keyboarder, war bei einigen Plattenaufnahmen dabei und sorgte schließlich für die Orchestrierung bei Hits wie „Don’t Go Breaking My Heart“oder „Sorry Seems To Be The Hardest Word“. Nachdem Howard die Elton-John-Band verlassen hatte, arbeitete er als Studiomusiker für Künstler wie Barbra Streisand, Neil Diamond und Rod Stewart. Gut mit den Musikern der Band Toto befreundet, sorgte er für die Orchestrierung von deren Hitalbum „Toto IV“.

          An diese Phase seiner musikalischen Karriere hat Howard nun wieder angeschlossen und geht auf Tournee. Nicht mit einer Band, sondern gleich mit einem Sinfonieorchester und einem großen Chor. Mehr als hundert Musiker werden jeweils auf der Bühne stehen, wenn Howard Melodien und Motive aus seinen erfolgreichen Filmmusiken dirigiert und zwischendurch Anekdoten aus seinem Schaffen erzählt. Auf einer Leinwand werden zudem Ausschnitte aus den jeweiligen Filmen zu sehen sein, aber auch Leinwand-Beiträge langjähriger Weggefährten Howards aus Hollywood.

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