https://www.faz.net/-gzg-a2zdb

Hofheimer Stadtwald : „Es geht nur noch darum, die Bäume zu retten“

  • -Aktualisiert am

Alarmiert: Stadtrat Bernhard Köppler, David Kreddig und Karlheinz Kollmannsberger (beide Forstverwaltung) auf einem kahlen Waldstück Bild: Foto: Stadt Hofheim

Wegen der Trockenheit verzichtet die Stadt Hofheim auf die Bewirtschaftung ihres Waldes. Bürgermeister Christian Vogt bezeichnet die Lage als dramatisch.

          2 Min.

          Nach drei Hitzesommern in Folge zieht die Stadt Hofheim drastische Konsequenzen für den rund 15.000 Hektar großen Stadtwald, den ganzen Stolz der Wohnstadt im Grünen. Es gehe nur noch darum, mit aller Kraft die Bäume zu retten, machten Bürgermeister Christian Vogt (CDU) und Stadtrat Bernhard Köppler (SPD) am Mittwoch deutlich.

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Den derzeitigen Zustand des städtischen Forstes nannten die Politiker „dramatisch“: In der aktuellen Lage könne auf wirtschaftliche Erträge durch die Bewirtschaftung keine Rücksicht mehr genommen werden, hob Vogt trotz angespannter Haushaltslage hervor. Der Holzeinschlag werde in diesem und im nächsten Jahr „rapide sinken“.

          Nach den Angaben im Waldbericht, in dem „von einer nie dagewesenen Katastrophe“ die Rede ist, hatte die Stadt Hofheim schon Anfang des Jahres den Forst in städtische Eigenregie übernommen und nicht mehr durch das Forstamt Königstein bewirtschaften lassen. Um die Bürger auf das sensible Thema hinzuweisen, hatten sich alle Magistratsmitglieder im diesjährigen Fastnachtszug als Bäume verkleidet. Denn jeder Hofheimer könne mehr tun, tätige Mithilfe sei geboten. So verbuschten die Waldränder zusehends, hier müsse schnellstens etwas geschehen, sagte Köppler.

          Seit Jahresanfang kümmert sich ein Team um den Stadtwald, Privatpersonen und Unternehmen sind aufgerufen, sich an Baumpflanzaktionen zu beteiligen. War die wirtschaftliche Komponente des Stadtwalds ohnehin schon durch die Neuaufstellung in den Hintergrund gerückt, verstärkt der Klimawandel die Dramatik der Entwicklung.

          Hohe Menge an Holz wegen Trockenheit entnommen

          Die Hitze und die große Trockenheit führten laut Revierförster Karlheinz Kollmannsberger zu einer massenhaften Vermehrung von Schädlingen. Weil es kaum regnete, seien die für Bäume so wichtigen Bodenschichten von 30 Zentimeter Tiefe an derart ausgetrocknet, dass sie kaum Wasser aufnehmen könnten. Waren zunächst in den Ortsteilen Hofheim-Kapellenberg, Marxheim, Langenhain und Wallau auf 25 Hektar vor allem Fichten betroffen, erstrecke sich die Schädigung des Waldbestandes unterdessen über alle Baumarten hinweg, außer den Nadelbäumen seien besonders auch Buchen und Ahorn betroffen. Den schlechten Zustand der Bäume könne jeder Spaziergänger auch daran erkennen, dass sie schon jetzt den Herbst einleiten. „Sie werfen als Überlebensstrategie ihr Laub ab“, erläuterte Kollmannsberger.

          Die Dramatik der Situation lässt sich auch an Zahlen ablesen. In den vergangenen drei Jahren gingen 62 Hektar Fichtenwald verloren – das entspricht einer Fläche von zirka 80 Fußballfeldern. Bis auf Lorsbach und Wildsachsen seien inzwischen alle Hofheimer Stadtteile fichtenfrei. Denn wegen des Befalls durch den Borkenkäfer musste in den vergangenen drei Jahren eine Holzmenge entnommen werden, die sonst in 20 Jahren eingeschlagen wird, wie der Revierförster vorrechnete.

          Große Sorgen macht sich der Förster auch um die Buchen im Stadtwald, von denen mehr als 90 Prozent schon in der Schadstufe 1 klassifiziert werden. Sie lebten zwar noch, ihre Kronen seien aber trocken. Besonders schlecht gehe es den Buchen auf dem Kapellenberg. Es sei damit zu rechnen, dass der Stadtwald bis zum Frühjahr jeden zweiten Baum verlieren könne. Alle Bäume in Stufe zwei haben „schon heute keine Überlebenschance mehr“, sagt Kollmannsberger.

          In einer ersten Reaktion auf diese Entwicklung bleiben abgestorbene Bäume zunächst als Totholz im Wald. Dies soll dem Forst bei der Regeneration helfen. Spaziergänger müssten sich vermehrt auf gesperrte Waldwege einstellen. Viele Bäume seien nicht mehr standsicher und müssten aufwendig gestützt werden.

          Weitere Themen

          Pornos drehen für den Master

          FAZ Plus Artikel: Studentin in Geldnot : Pornos drehen für den Master

          Luisa besucht eine Hochschule im Rhein-Main-Gebiet und verkauft Sexvideos, um ihr Studium zu finanzieren. Sie sagt, das fühle sich dreckig an. Doch der Geldmangel habe sie dazu getrieben, und andere Nebenjobs sind ihr zu zeitaufwendig.

          Topmeldungen

          Bundeskanzlerin Angela Merkel und Generalsekretär Paul Ziemiak beim digitalen Parteitag der CDU am Freitagabend.

          CDU-Parteitag : Die Kanzlerin spart sich das Lob

          Zu Beginn des CDU-Parteitags gibt es viel Schulterklopfen für die scheidende Vorsitzende Kramp-Karrenbauer – nur Angela Merkel spricht lieber über ihre eigenen Leistungen. Und Markus Söder vom spannenden Aufstieg.
          Trauer allerorten: In Brasielien nehmen die Totenzahlen zu.

          Chaos in Manaus : Brasilien von tödlicher Corona-Welle getroffen

          Den Krankenhäusern in Brasiliens Amazonas-Metropole Manaus geht der Sauerstoff aus. Schwerkranke Patienten werden nun per Charter-Maschine ausgeflogen. Und auch landesweit schnellen die Todeszahlen in die Höhe.
          Freundinnen: Luisa und Sophie wohnen zusammen in Frankfurt. Beide verdienen Geld mit Pornovideos, die sie selbst aufnehmen.

          Studentin in Geldnot : Pornos drehen für den Master

          Luisa besucht eine Hochschule im Rhein-Main-Gebiet und verkauft Sexvideos, um ihr Studium zu finanzieren. Sie sagt, das fühle sich dreckig an. Doch der Geldmangel habe sie dazu getrieben, und andere Nebenjobs sind ihr zu zeitaufwendig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.