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Hoffnung zum Jahreswechsel : Mehr Zivilcourage wagen

  • -Aktualisiert am

Aufruf an die Gemeinschaft: Im Rahmen einer Kampagne trägt eine Straßenbahn die Aufschrift „Zivilcourage“. Bild: dpa

Beurteilt man es nach dem, was an Unfassbarem geschah, war 2019 für Hessen ein traumatisches Jahr. Es gibt aber positive Zeichen, dass sich nun etwas zum Guten wendet.

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          Die Kriminalitätsrate sinkt landauf, landab, aber das Gefühl, die Gefahr lauere um die Ecke, verharrt weiter auf hohem Niveau. Dieses vermeintlichen Widerspruch zu erklären, daran versuchen sich Soziologen wie Kriminologen gleichermaßen erfolglos. Vermutlich hat die Diskrepanz etwas mit der in Deutschland derzeit besonders ausgeprägten Stimmung zu tun, in dieser schnelllebigen Zeit könne man die Momente, in denen man glücklich sein dürfe oder zumindest entspannt, nicht festhalten.

          Wie jede Zeitenwende ist auch dieser Jahreswechsel geprägt von tiefgehenden Erfahrungen. Für Hessen war es, beurteilt man es nach dem, was an Unfassbarem geschah, ein traumatisches Jahr. Das Verbrechen an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, mutmaßlich der erste Mord an einem Politiker aus rassistischen Gründen seit Kriegsende, löste zunächst eine Schockstarre aus. Es machte mit einem Mal bewusst, dass Hass und Hetze, wie sie täglich tausendfach durch „das Netz“ wabern, eine reale, ja sogar tödliche Gefahr sind.

          Friedliches Miteinander gesetzlich regeln?

          Ob diese unsägliche Flut so schnell gestoppt werden kann, wie nun in Gesetzesinitiativen und mit neuen Stellen in den Sicherheitsbehörden in Aussicht gestellt wird, bleibt abzuwarten. Zu viele Tabus wurden geschleift, zu viele Regeln des friedfertigen Miteinanders gebrochen, als dass es nur etwas mehr staatlicher Strenge und Aufmerksamkeit bedürfte, um wieder zu einem von Respekt geprägten Miteinander zurückkehren zu können.

          Ein Jahreswechsel ist aber auch stets verbunden mit der Hoffnung, zumindest einiges werde sich zum Guten wenden. Ein positives Zeichen ist die wachsende Zahl der Gruppen, die eine Verrohung in den sogenannten sozialen Medien nicht hinnehmen wollen und Druck auf jene ausüben, die glauben, aus der Deckung der Anonymität heraus folgenlos andere angreifen und denunzieren können.

          Sich gegen Gewalt in welcher Form auch immer zu wenden, ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Dass jeder im Kleinen etwas mehr Zivilcourage wagt, das könnte ein gutes Motto für 2020 sein.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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