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Hessen : Hoffen auf Rekordumsatz im Weihnachtsgeschäft

Beliebt auch und gerade im Weihnachtsgeschäft: Die Zeil in Frankfurt Bild: Maximilian von Lachner

Der hessische Handels-Verband zeigt sich mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft optimistisch, Händler in Frankfurt sind vorsichtiger. Kaufhäuser liefern sich eine „Rabattschlacht“, heißt es.

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          Die Geschäfte im Einzelhandel sind schon bisher laut einer Umfrage so gut gelaufen, dass der Handelsverband Deutschland mit einem Umsatzrekord für das gesamte Weihnachtsgeschäft rechnet. Darauf hofft auch Jochen Ruths, Präsident des Handelsverbandes Hessen und Geschäftsführer des Bekleidungshauses Peter Ruths OHG in Friedberg. Man könne spüren, dass die Kunden bereit seien, zu diesem Weihnachtsfest mehr Geld auszugeben, sagt er. In seinem Metier, dem Textileinzelhandel, sei es dann schon einmal ein zweiter neuer Schal, ein Pullover oder auch ein Wintermantel, den man sich leiste, obwohl er vielleicht nicht unbedingt nötig sei.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Es sei vor allem die stabile Konjunktur, die die Leute so beherzt zugreifen lasse. Auch hätten so viele Frauen und Männer Arbeit wie seit langer Zeit nicht mehr. Der Niedrigzins befeuere die Kauflust zusätzlich, meint Ruths.

          Der Handelsverband Deutschland geht für November und Dezember von einem Umsatzplus von 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus. In absoluten Zahlen wäre das dann ein Umsatz von deutschlandweit mehr als 90 Milliarden Euro. Das ist ziemlich genau der Wert aller Waren, die die deutsche Wirtschaft 2015 in Großbritannien abgesetzt hat.

          Erfreuliche gesamtwirtschaftliche Lage

          Dass der „black friday“ oder anders titulierte neue Rabattaktionen die besonders gute Kauflaune erzeugt haben, glaubt Ruths nicht. Reduzierungen gebe es schließlich in der Vorweihnachtszeit seit jeher. Entscheidend sei die gute Stimmung, hervorgerufen durch die erfreuliche gesamtwirtschaftliche Lage.

          Von einem besonderen Weihnachtsansturm auf die Juweliere und Uhrmacher, von denen der Handelsverband berichtet, scheint man in der Branche selbst nicht viel zu spüren. Da ist vielmehr schon einmal von „ruhigen Tagen“ und „fehlender Weihnachtsstimmung“ die Rede. Marc Stabernack, Geschäftsführer von Juwelier Friedrich an der Frankfurter Goethestraße, traut dem adventlichen Frohlocken des Verbands auch nicht recht. Gerade von der Zeil höre er aus seiner Branche eher verhaltene Kommentare. Was das eigene Geschäft an der Goethestraße betrifft, klagt Stabernack nicht. Im Weihnachtsgeschäft würden allerdings eher die kleineren, schon fertig gearbeiteten Stücke verkauft, die dann womöglich als Überraschung dienten. Individuelle Anfertigungen, auf die sein Haus spezialisiert sei, bräuchten vom Entwurf bis zur Fertigstellung naturgemäß ihre Zeit. Solchen Schmuck könnten die Goldschmiede des Hauses trotz aller Überstunden in der Vorweihnachtszeit nicht einmal eben rasch herstellen.

          Joachim Stoll, Vizepräsident des Handelsverbands Hessen-Süd und Eigentümer eines Koffer- und Taschengeschäftes in Frankfurt sowie des Online-Handels Koffer24, hat zwar auch ein im Vergleich zum Vorjahr geringeres Kundenaufkommen beobachtet. Er ist sich aber trotzdem ziemlich sicher, dass der Handelsverbands am Ende recht behält. In diesem Jahr habe man schließlich fast eine Woche mehr für das Weihnachtsgeschäft, sagt er. Deshalb seien die Leute im Moment auch noch nicht so sehr in der üblichen Hektik, die sich einstelle, wenn das Weihnachtsfest aus Sicht der Händler ungünstiger liege.

          Der Kampf um die Kundschaft spiele sich derzeit nicht nur zwischen stationären Händlern auf der einen Seite und dem Internet auf der anderen ab, glaubt Stoll. Diesmal werde auch die große Rabattschlacht zwischen Karstadt und der von der kanadischen Hudson’s Bay Company übernommenen Galeria Kaufhof eine große Rolle spielen.

          Dass es in diesem Weihnachtsgeschäft einen Rekordumsatz gibt, hält Stoll durchaus für möglich. Wie sich aber die Anteile am prognostizierten Umsatz von 90 Milliarden Euro Umsatz letztlich auf die großen Handelsunternehmen, den Online-Handel und die vielen kleinen Familienunternehmen im stationären Handel verteilen würden, sei eine ganz andere Frage.

          Ähnlich urteilt Georg-Hubertus Lackner, Geschäftsführer des Frankfurter Nordwestzentrums. Am vergangenen Samstag beispielsweise seien viele Kunden in das Einkaufszentrum im Nordwesten Frankfurts gekommen. Das Weihnachtsgeschäft laufe alles in allem recht gut. Die Euphorie, die der Handelsverband derzeit an den Tag legt, ist nach Lackners Ansicht allerdings übertrieben, mindestens jedenfalls verfrüht. Selbst wenn die 90 Milliarden Euro erzielt würden, müsse man erst einmal genau hinschauen, wie viel der Online-Handel, der nach wie vor zweistellig zulege, dem stationären Handel übrig lasse. Und das sei erst um den 10. Januar herum solide zu beurteilen. Dann lägen die harten Zahlen vor.

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