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Hörsaal- und Medienzentrum : Nach 40 Jahren hat die Lichtwiese eine Mitte

Aus zwei mach eins: Auf der Lichtwiese kann der größte Hörsaal der TU Darmstadt mit 1050 Plätzen entstehen. Bild: Kaufhold, Marcus

Die Technische Universität Darmstadt eröffnet ein architektonisch beeindruckendes Hörsaal- und Medienzentrum auf ihrem Außencampus.

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          Nach zwei Jahren Bauzeit hat die Technische Universität Darmstadt am Dienstag das neue Hörsaal- und Medienzentrum auf dem Campus Lichtwiese eröffnet. Das 7500 Quadratmeter große Gebäude, das nach Plänen des Frankfurter Architekten Ferdinand Heide errichtet wurde, hat 33,7 Millionen Euro gekostet. Weitere 1,1 Millionen Euro flossen in die Ausstattung. Den Betrag stellte das Land Hessen aus dem Sonderinvestitionsprogramm Heureka zu Verfügung.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Ähnlich wie bei der erst vor einigen Monaten in Betrieb gegangenen neuen Universitäts- und Landesbibliothek lobte die Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann (CDU), das Baumanagement der Universität. Es habe abermals dafür gesorgt, dass der Kosten- und Zeitrahmen trotz des komplexen Verfahrens mit einem Wettbewerb, an dem sich 118 Bewerber beteiligt hätten, eingehalten worden sei. Die Technische Universität - die seit 2005 Bauprojekte selbständig planen und ausschreiben kann - wirke immer stärker als Vorbild. „Andere Universitäten fordern Bauautonomie inzwischen ebenfalls für sich ein“, sagte die Ministerin.

          „Bessere Lern- und Studienbedingungen“

          Mit dem Hörsaal- und Medienzentrum bekommt der Campus Lichtwiese erstmals seit 40 Jahren eine bauliche Mitte. Dank der vier Hörsäle, von denen zwei zum größten Hörsaal der TU mit 1050 Sitzplätzen verbunden werden können, müssen die rund 8000 Studenten für Vorlesungen nun nicht mehr zum Audimax in die Innenstadt pendeln. Hinzu kommen 20 Seminar- und Lernräume, zwei Multifunktionsräume, rund 300 Lese- und Arbeitsplätze sowie eine Bibliothek, die 400000 Medien aufnehmen kann. Das 1000 Quadratmeter große Foyer bietet außerdem Platz für eine Cafeteria sowie für Empfänge oder Ausstellungen.

          „Mit dem neuen Zentrum verbessern sich die Lern- und Studienbedingungen für die Studierenden auf dem Campus Lichtwiese erheblich“, sagte TU-Präsident Hans Jürgen Prömel, der angesichts steigender Studentenzahlen auf die Notwendigkeit hinwies, weitere Lernzentren zu schaffen. Die Universität werde dazu einen größeren Teil jener 67,5 Millionen Euro verwenden, die das Land aus dem Hochschulpakt zugesagt habe. Möglicherweise kann die TU noch dieses Jahr mit einer weiteren Förderzusage rechnen. Kühne-Hörmann berichtete von bevorstehenden Gesprächen der Länder mit dem Bund über die dritte Phase des Hochschulpaktes 2020 und deutete eine Einigung noch vor der Sommerpause an.

          Nicht das Ende der Veränderungen

          Das neue Hörsaal- und Medienzentrum ist ein funktionales und energieeffizientes Bauwerk. Die Anforderungen der aktuellen Energieeinsparverordnung werden um rund 30 Prozent unterschritten. Außerdem wurde auf dem Dach des Gebäudes auf rund 540 Quadratmetern eine Photovoltaikanlage mit 120 Modulen installiert. Die Außenfassaden werden vor allem durch Sonnenschutzlamellen geprägt, die sich den Tag über verstellen. Architekt Ferdinand Heide hat als TU-Alumnus gleichzeitig auch ein architektonisch beeindruckendes Gebäude entworfen. Das spürt der Besucher schon im überaus weitläufigen und hellen Foyer, wo ihm ein Hauch von Staatstheater entgegenweht. Zwar ist das Bauwerk auf rechteckigem Grundriss als kompakter Solitär konzipiert. Im Inneren ist das Gebäude aber radikal zweigeteilt in die Hörsaal-Zone auf der einen und die Bibliotheksflächen auf der anderen Seite, die beide durch eine Erschließungshalle verbunden sind, deren Charakteristikum ein Geflecht sich überlagender Treppen darstellt. Heide sprach von einem „Canyon“, dessen ausgefeiltes System den raschen Wechsel von der Bibliothek in die Hörsaale und Seminare erlaube und für Transparenz und Kommunikation stehe.

          Die Eröffnung des neuen Zentrums markiert keineswegs das Ende der baulichen Veränderungen auf der Lichtwiese. Die Ministerin konnte schon die Einladung zu nächsten feierlichen Eröffnung mitnehmen, die auf den 5. Juni terminiert ist. Dann soll das Gebäude für den neuen Hochleistungsrechner der Universität übergeben werden. Über kurz oder lang wird der Campus eine Straßenbahnanbindung bekommen, zumindest sieht dies die kürzlich vorgestellte Rahmenplanung vor, in der die Erweiterungsmöglichkeiten festgeschrieben sind, die sich auf der Lichtwiese noch bieten. Seit den sechziger Jahren ist sie als Standort für die Fachbereiche Architektur, Bauingenieurwesen, Chemie, Maschinenbau, Materialwissenschaften und Geodäsie kontinuierlich gewachsen.

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