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Nach Fernsehbericht : Höchster Psychiatrie weiterhin von Personalnot geplagt

Gutachten: Konnte Klinik die Mängel abstellen? Bild: dpa

Seit der Aufdeckung gravierender Mängel durch den Sender RTL hat das Klinikum Frankfurt-Höchst Besserung versprochen. Was hat sich seitdem getan?

          2 Min.

          Die personelle Ausstattung der Psychiatrie im Klinikum Frankfurt-Höchst ist seit der Aufdeckung gravierender Mängel durch den Sender RTL im März nicht verbessert worden. „Wir schließen auch mal Betten“, berichtete die Geschäftsführerin des Klinikums, Dorothea Dreizehnter, gestern in einer Pressekonferenz, zu der der hessische Gesundheitsminister Kai Klose (Die Grünen) eingeladen hatte.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Der Mangel an Personal spielte auch eine wichtige Rolle in dem „Zwischenbericht“, den der beauftragte externe Gutachter Hans-Joachim Kirschenbauer gab. Er verglich den Fernsehbericht mit dem Bild, das er sich in den zurückliegenden Monaten selbst von den Zuständen in der Klinik gemacht hat. Vorwürfe, die Stationen seien nicht sauber, fand er ebenso wenig bestätigt wie Berichte über Diebstahl und Vandalismus.

          Besorgt zeigte er sich aber angesichts der Überbelegung. Weil es zu wenig Personal gebe, bleibe beispielsweise ein schöner großer Garten in der Klinik allzu oft ungenutzt. Denn es sei niemand da, der die Patienten dort beaufsichtigen könne. So würden die schwierigen Verhältnisse in der Klinik noch verschärft. Weil es keine separaten Therapieräume gebe, komme es vor, dass die Patienten die geschlossene Station verlassen müssten, um etwa in den Aufenthalts- oder den Speiseraum umzuziehen. Angesichts dieser Realitäten fehle es an schriftlichen Therapiekonzepten, die als Handlungsleitlinie dienen könnten.

          Kritik am Datenschutz

          Ausführlich widmete Kirschenbauer sich dem Thema Chefarztvisite. Er monierte, dass es den Anforderungen des Datenschutzes nicht entspreche, wenn die Gespräche mit Patienten auf dem Flur geführt würden. Er empfahl einen „kooperativen, partizipativen Umgang“ mit den Schutzbefohlenen, wie er heute im Allgemeinen üblich sei. Der Arzt dürfe nicht allein von oben herab über die Therapie entscheiden, sondern müsse mit dem Patienten darüber reden. In „unzähligen Gesprächen mit Mitarbeitern“ nahm Kirschenbauer nach eigenem Bekunden „großes Engagement und viel Herzblut“ wahr, aber auch Angst vor unausweichlichen Veränderungen.

          Dreizehnter, die im März „erhebliche Mängel“ zugegeben hatte, sprach von einer „modernen, den Menschen zugewandten Psychiatrie“ in Höchst. „Allerdings hat sich an der einen oder anderen Stelle ein Stillstand eingeschlichen, den es nicht geben darf.“ Dreizehnter sprach sich für „nachhaltige Veränderungen ohne Tabus“ aus. Einiges habe man schon verändert. So sei die Aufnahme von Patienten inzwischen so organisiert, dass sie für alle Beteiligten ruhiger ablaufe.

          Angesichts der Debatte über die Fixierung von Patienten erinnerte der Frankfurter Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) daran, dass die Polizei an Wochenenden bis zu 16Patienten mit Psychosen und Suchtkrankheiten bringe. Die Klinik habe einen regionalen Versorgungsauftrag und müsse sie unabhängig von ihrer Auslastung aufnehmen. Andererseits habe sie die Pflicht, die Gefährdung von Beschäftigten und anderen Patienten zu verhindern.

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