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Höchster Pensionsfonds : Seniorenheime statt Staatsanleihen

Sitz und Ursprung: der Peter-Behrens-Bau mit Turm und Brücke, dem Wahrzeichen von Hoechst Bild: Frank Röth

Im Industriepark Höchst werden zwei Pensionskassen mit mehr als zehn Milliarden Euro betreut. Von dieser betrieblichen Altersvorsorge profitieren Mitarbeiter von 500 Betrieben. Auf sichere Staatsanleihen setzen die Manager nicht. Für Rendite sorgen andere Geldquellen.

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          Sie sind hellsichtig und vorbildlich gewesen, die Männer an der Spitze der Hoechst AG im Jahr 1886. Damals riefen sie etwas ins Leben, das als Sinnbild sozialpolitischen Fortschritts galt und nachwirkt: die Pensionskasse der Mitarbeiter der Hoechst-Gruppe. Die sogenannte Penka war eine der ersten ihrer Art in Deutschland. Gut 130 Jahre alt, besteht sie trotz der 1999 abgeschlossenen Aufspaltung der Hoechst AG bis heute weiter. Tausenden jetzigen und künftigen Rentnern aus der Chemie- und der Pharmaindustrie bietet sie mehr als nur ein schönes Zubrot zur jeweiligen gesetzlichen Rente. Sie verfügt über ein Anlagevermögen von 8,5 Milliarden Euro, wie Vorstandsvorsitzender Joachim Schwind sagt.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vor 20 Jahren hat sie eine Schwesterkasse bekommen. Die Höchster Pensionskasse hebt sich nicht nur gemessen an ihrem Namen von der traditionsreichen Frankfurter Institution der betrieblichen Altersvorsorge ab. Sie steht auch Unternehmen aus anderen Wirtschaftszweigen als der chemischen Industrie offen. Das Angebot stößt auf viele offene Ohren. 500 Firmen nutzen ihre Dienste für die betriebliche und die tarifliche Altersvorsorge. Unter ihnen sind Großunternehmen wie der Anlagenbauer ABB, der in Rhein-Main mit vier Standorten vertretene Automobilzulieferer Continental oder auch der Wasserfilterhersteller Brita. 1,9 Milliarden Euro ist die sogenannte PenkaII mittlerweile schwer.

          Staatsanleihen eine feine Sache, aber...

          Die Kasse speist sich nach den Worten von Schwind und des Vorstands für die Verwaltung der Vermögenswerte, Andreas Hilka, aus Beiträgen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer fließen. Außerdem ist sie ein „Riester-Großanwender“ und kann Mittel aus den sogenannten Demografiefonds der chemischen Industrie zur tariflichen Altersvorsorge nutzen.

          Eine Rendite von etwa vier Prozent im Jahr erwirtschaften die Vorstände und ihre Dienstleister, wie Schwind erläutert. Das kann sich sehen lassen angesichts der nach wie vor nicht einmal ein Prozent, die sichere Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit abwerfen. Überhaupt lassen die Manager der Höchster Pensionskasse von Staatsanleihen derzeit die Finger. Zwar seien solche Wertpapiere im Grundsatz eine feine Sache. Schließlich zahlen Staaten in aller Regel brav die in Aussicht gestellten Zinsen. In dieser anhaltenden Niedrigzinsphase ist jedoch der Zins der Haken. „Ich kann Staatsanleihen nicht halten, wenn sie keinen Beitrag zu den Erträgen leisten“, hebt Schwind hervor.

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          Dies zieht aber die Frage nach sich: Wie kommen die Höchster Pensionskasse und ihr Vorläufer dann auf die schöne Rendite? Vorstand Hilka verweist auf das über die Jahre gewachsene Portfolio. Darin kommen langlaufende, verzinste Wertpapiere auf einen Anteil von 50 Prozent. Darunter befinden sich Pfandbriefe, also als besonders sicher geltende Anleihen, die mit Immobilien besichert sind. Dem Portfolio gehören auch dänische Pfandbriefe an. Diese Papiere sind in dänischen Kronen begeben, doch sie werfen zwei Prozent mehr ab als Pfandbriefe in Euro, wie Schwind sagt. Außerdem setzt die Kasse auf Bankanleihen. Die durchschnittliche Verzinsung all dieser Papiere beziffert er auf mehr als vier Prozent.

          Der Anteil an Staatsanleihen tendiert mit der Zeit „gen null“, wie Schwind sagt. „Die Europäische Zentralbank ist der größte Käufer und treibt die Pensionskassen in ein höheres Risiko“, sagt er unter Hinweis an die Käufe von Staatstiteln. Wie andere Großanleger auch investiert die Pensionskasse daher zudem in Anleihen von Unternehmen; zu diesem Zweck lässt sie sich von externen Vermögensverwaltern beraten. Und: Statt Staatsanleihen zu kaufen, vergibt die Pensionskasse selbst Baukredite im Gesamtwert von 100 Millionen Euro an Privatleute. Das ist einträglicher. Nicht zuletzt stecken die Manager auch Geld in Kommunalanleihen aus Amerika. „Da steht noch eine Vier vor dem Komma.“

          Ein großer Block im Portfolio ist das Immobilienvermögen. Etwa ein Fünftel des gesamten Anlagevermögens steckt in Liegenschaften – auf längere Sicht soll es ein Viertel werden, wie Hilka erläutert. Einzelhandels-Immobilien gehören der Pensionskasse ebenso wie Logistikgebäude. Auch in Studentenheime und Seniorenresidenzen investiert sie Gelder für die Altersvorsorge. „Und in Büros machen wir schon immer“, hebt der Vorstandsvorsitzende hervor. Bald wolle die Pensionskasse auch Wohnungen erwerben. „Immobilien sind angesichts der niedrigen Zinsen eine Vermögensklasse von überragender Bedeutung in der Kapitalanlage.“

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