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Hockey : Zwischen Tristesse und Triumph

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Europameister: Eva Frank (links), Viktoria Wiedermann und Karoline Amm. Bild: dpa

Eva Frank wird diese Momente noch lange in Erinnerung behalten. Diese kurze, tiefe Depression, die plötzlich keimende neue Hoffnung und das triumphale Finale.

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          Eva Frank wird diese Momente noch lange in Erinnerung behalten. Diese kurze, tiefe Depression, die plötzlich keimende neue Hoffnung und das triumphale Finale. Wenige Minuten vor dem Ende des Endspiels um die Hallenhockey-Europameisterschaft drohte die Rüsselsheimerin zur tragischen Figur der deutschen Mannschaft zu werden. Hanebüchen weit am Tor vorbei schoss sie beim Stand von 0:2 gegen Weißrussland einen Siebenmeter, auf der Bank vergrub sie lange das Gesicht in den Händen. Fassungslos über den Fehlschuss - schon in der Vorrunde war ihr ein solcher aus sieben Metern unterlaufen - und die möglichen Folgen. Die 5000 begeisterten Zuschauer in der ausverkauften Leipzig Arena stöhnten auf. Kurz darauf stand Eva Frank wieder auf dem Platz, bereitete den Anschlusstreffer zum 1:2 vor, erlebte den Ausgleich zum 2:2, vergab eine Strafecke zum möglichen Siegtreffer - und winkte ab, als sich die Mannschaften zum entscheidenden Siebenmeterschießen um die europäische Hallenkrone präparierten. „Noch einen wollte ich dann doch nicht schießen“, sagte die Angreiferin vom Rüsselsheimer RK, schon über das ganze Gesicht strahlend. Denn die Auswahl des Deutschen Hockey-Bundes setzte sich mit Glück 5:4 durch, und Eva Frank, die auf zwei Turniertore kam, hatte ihren ersten Titel als A-Nationalspielerin gewonnen. Als Teil einer deutschen B-Mannschaft, die dieses Heimturnier bestritt, weil die Besten parallel schon die Olympiavorbereitung in Chile aufgenommen hatten. Ursprünglich hatte sich die Hessin die Teilnahme in London in diesem Sommer zum Ziel gesetzt, doch der Hallentitel vor der größten Kulisse ihrer Karriere war nun ein Trostpflaster erster Güte. Und das Ganze zwei Tage nach ihrem 23. Geburtstag.

          Einen Feiertag erlebte am Sonntag auch die ehemalige RRK-Spielerin Irene Balek, die sich vor kurzem der Frankfurter Eintracht angeschlossen hat. Die Österreicherin sicherte mit neun Toren nicht nur den Klassenverbleib ihrer Mannschaft, sondern holte sich auch die Auszeichnung als beste EM-Torschützin ab. Die Strafeckenspezialistin genoss im Schlussbogen ihrer Karriere sichtlich die Ehrung im ausverkauften Haus. Mit Lena und Nikolas Jacobi sowie Andreas Späck standen drei weitere frühere Rüsselsheimer in den deutschen Aufgeboten, die sich beide den EM-Titel sicherten.

          Voll berufstätig und einen kleinen Sohn

          Hoch zufrieden, auch ohne geglückte Titelverteidigung, war Christian Minar. Der Abwehrmann in Diensten des RRK kam mit seinen Österreichern auf einen starken dritten Platz. „Unsere Arbeit über Jahre hat gefruchtet“, sagt der exzellente Hallenspieler. „Wir sind keine zusammengewürfelte Truppe, sondern zwölf Freunde.“ Diese Zwölf machten im ersten Gruppenspiel am Freitag sogar der deutschen Mannschaft das Leben schwer, unterlagen nach Pausenführung nur 1:2. Dass die Alpenländer sich auf ihre starken Abwehrkräfte verlassen können, ist auch ein Verdienst von Minar, der sich indes mit Gedanken an das Karriereende trägt. Was aber nach zwölf Jahren in Hessen nichts mit der schwierigen Situation des Rüsselsheimer Herrenhockeys zu tun hat.

          Minar wird im Sommer 32 Jahre alt, ist als Physiotherapeut voll berufstätig und hat seit fünf Monaten einen kleinen Sohn. „Dann wird der Sport immer schwieriger zu stemmen“, weiß der Vielflieger. An vielen Wochenenden weilt er zudem auf Lehrgängen mit der österreichischen Auswahl in Wien. Leipzig sei endlich mal wieder ein Ziel gewesen, das er mit der Bahn erreichen konnte, sagt er schmunzelnd. Ein noch größeres Ziel steht aber über dem Schlussbogen seiner Karriere: die Teilnahme an den Olympischen Spielen in London. Im olympischen Feldhockey sind die Österreicher zwar längst nicht so erfolgreich wie Indoor. Im Falle des Gewinns bei einem Qualifikationsturnier in Japan winkt aber die Teilnahme. „Es wäre sensationell, wenn wir das schafften“, sagt Minar. Sensationell gute Laune hatte in Leipzig auch Chris Faust. Der Frankfurter hatte als Trainer der tschechischen Damenmannschaft mit einem Kraftakt den Klassenverbleib im A-Pool geschafft. „Auf uns scheint die Sonne“, jubelte er und freute sich schon auf die Feier am Abend in Prag.

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