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Hockey : Auf dem Weg zu einem perfekten Hockeysommer

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Kämpferisch und angestrengt: Nicolas Jacobi (links) gegen Billy Bakker (vorne rechts). Bild: dpa

Der ehemalige Rüsselsheimer Torhüter Nicolas Jacobi steht mit Uhlenhorst im Bundesligafinale. „Diesen Titel hat er fast allein gewonnen“, sagt sein Trainer.

          Der beste Hockeytorwart der Welt? Das sei doch ein bisschen viel, findet Nicolas Jacobi. Viele seiner Kollegen beim Uhlenhorster Hockey-Club (UHC) in Hamburg fanden dieses Prädikat vor einer Woche sehr passend für ihren Keeper. In beiden Spielen der Euro Hockey League (EHL) in Amstelveen überragte Jacobi und verhalf dem UHC zum dritten EHL-Triumph in den vergangenen fünf Jahren. Gleich vier Penaltys wehrte er im Halbfinale gegen den belgischen Topklub KHC Dragons ab, das hielt kaum jemand für wiederholbar. Doch Nicolas Jacobi gelang im Endspiel am Pfingstsonntag gegen Gastgeber Amsterdam H&BC das gleiche Kunststück. „Diesen Titel hat er fast allein gewonnen“, sagt sein Trainer Martin Schultze. Wenn es nach Trainer und Mannschaft geht, soll der 25 Jahre alte Torwart an diesem Wochenende so weitermachen. In der Endrunde um die deutsche Meisterschaft in Berlin tritt der UHC an diesem Samstag im Halbfinale gegen den Vorrundenbesten an, den Berliner HC. Sollte der UHC Hamburg weiterkommen und auch das Finale gegen Uhlenhorst Mülheim oder Rot-Weiss Köln gewinnen, hätte Nicolas Jacobis Mannschaft eine Premiere geschafft - es wäre die erste deutsche Meisterschaft des UHC.

          Für den gebürtigen Mainzer wäre es ein wichtiger Titel und auch ein Fingerzeig für Bundestrainer Markus Weise. Fachleute bestätigen, dass sich Jacobi seit dem Wechsel 2008 von seinem Ausbildungsverein Rüsselsheimer Ruder-Klub im Trikot des UHC stetig verbessert hat. Doch in der Nationalmannschaft hat er in dem Kölner Max Weinhold und Tim Jessulat vom Club an der Alster zwei Kollegen vor sich, die ihm den Weg verbauen. In der Halle gilt Jacobi als deutsche Nummer eins. Im ungleich relevanteren Feldhockey durfte er sich bislang nur bei der Champions Trophy 2011 in Neuseeland beweisen, zuvor war er bei EM und WM nicht nominiert worden. Am 4. Juli wird Weise seinen Olympiakader inklusive zweier Torhüter bekanntgeben, mit ihm oder ohne ihn? Jacobi sagt: „Ich höre öfter, dass ich nach Leistungen dabei sein müsste. Aber ich kann nur mich und meine Leistung anbieten. Alles andere kann ich nicht kontrollieren.“ Bislang konnte Weise ein schlüssiges Argument vortragen, das seiner Meinung nach gegen Jacobi sprach. „Seine Marschroute ist, dass er den Torwart erst wechselt, wenn ich besser als einer der beiden Arrivierten bin“, erzählt Jacobi.

          „Ich bin noch ziemlich heimatverbunden“

          Relevant für Weise dürften die Lehrgänge nach der deutschen Meisterschaft sein. Erst kommt vom 11. Juni an ein Lehrgang mit einem Länderspiel gegen Pakistan in Köln, dann folgt ein Vierländerturnier in Düsseldorf. Bei beiden Veranstaltungen wird sich Nicolas Jacobi im deutschen Trikot beweisen dürfen. Mit Gedanken an einen hockeyfreien Olympia-Sommer will er sich nicht beschäftigen: „Darüber denke ich nicht nach.“ Es wäre eine bittere Enttäuschung. Andere werben indes schon mal für den Vereinskollegen: „Es wäre unverständlich, wenn Nico nicht mit nach London fahren dürfte“, sagte der deutsche Starspieler Moritz Fürste.

          Wie es auch kommt, den Schritt vom Rhein-Main-Gebiet in den Norden hat Nicolas Jacobi nie bereut. 2008 spielte Rüsselsheim nur noch in der zweiten Liga - und Jacobi war klar, dass ihn ein Wechsel voranbringen würde. Der UHC gefiel ihm von den Hamburger Klubs am besten, sein in Frankfurt aufgenommenes BWL-Studium ließ sich in der Hansestadt fortsetzen. Das passte. Den Masterabschluss hat er inzwischen vor Augen, Ende des Jahres soll es so weit sein. 2010 kam seine ältere Schwester Lena nach. Sie spielt inzwischen für den Club an der Alster und trifft am Samstag im Berliner Halbfinale der deutschen Meisterschaft auf Rot-Weiss Köln. Das Geschwisterpaar wurde Anfang 2012 mit den deutschen Auswahlteams in Leipzig Europameister im Hallenhockey, ein Doppelerfolg, der vor allem die große Schwester Lisa Jacobi gefreut haben dürfte - sie brachte ihre Geschwister seinerzeit in Rüsselsheim mit zum Hockey. „Ich bin noch ziemlich heimatverbunden“, sagt Nicolas Jacobi, „ich halte den Kontakt zur Familie und dem alten Verein.“ Dort werden sie ihm am Wochenende die Daumen drücken - für die deutsche Meisterschaft. Und für die Olympischen Spiele.

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