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Hochtaunuskreis : Windräder stoßen überall auf Ablehnung

Umstritten: Nahe Heidenrod stehen Windräder schon - im Usinger Land gibt es aber Gegenwind Bild: Rosenkranz, Henner

In diesem Jahr sollen im Usinger Land zwölf Windkraftanlagen errichtet werden. Hektarweise müssen Bäume fallen. Das hat die Bürgerinitiative „Naturpark ohne Windräder in Neu-Anspach“ auf den Plan gerufen.

          Die Zeit drängt. Bevor im Frühjahr die Bäume ausschlagen und der Wald aus der Winterruhe erwacht, soll im Usinger Land Platz für Windkraftanlagen geschaffen werden. Fünf sind bei Neu-Anspach geplant, sieben in der Nähe der Weilroder Ortsteile Riedelbach und Cratzenbach. Alle sollen noch in diesem Jahr in Betrieb gehen. Das Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz läuft in beiden Fällen, ist aber vom Regierungspräsidium Darmstadt noch nicht entschieden. Für den Neu-Anspacher Wald will die Stadt der Bietergemeinschaft aus der Juwi Erneuerbare-Energie-Projekte GmbH und dem Energieversorger Süwag daher eine vorzeitige Rodung gestatten.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Auf 6,7 Hektar müssen Bäume fallen. Die Fläche verteilt sich auf die fünf Standorte, neu angelegte Wege und Kranstellflächen sowie die Verbreiterung bestehender Wege. Dauerhaft bleiben davon 3,7 Hektar mit Schotter befestigt, der Rest wird wiederaufgeforstet. Dass sich der Neu-Anspacher Magistrat und die Ausschüsse in dieser Woche und die Stadtverordneten am 18. Februar nochmals mit dem Thema befassen müssen, hat die Bürgerinitiative „Naturpark ohne Windräder in Neu-Anspach“ auf den Plan gerufen. Anders als von den Verantwortlichen der Stadt behauptet, seien eben doch noch nicht alle Entscheidungen in Zusammenhang mit den Windrädern gefallen, heißt es einer gestern veröffentlichten Erklärung.

          Vorgezogene Rodung

          Der Neu-Anspacher Bürgermeister Klaus Hoffmann (CDU) versteht die Aufregung nicht. Die Grundsatzentscheidung zur Verpachtung der Flächen an die Bietergemeinschaft liege lange zurück. Der jetzt fällige Beschluss sei Teil der Anhörung im Genehmigungsverfahren. Tatsächlich muss die Stadt dem Regierungspräsidium unter anderem bestätigen, dass aus ihrer Sicht die Antragsunterlagen vollständig sind und sie dem Betrieb zustimmt. Spielraum sieht Hoffmann für die Gremien nicht: „Wir können nicht erst die Verpachtung beschließen und uns jetzt gegen das Vorhaben stellen.“ Außer bei einem Verfahrensmangel würde sich die Stadt sonst rechtlich angreifbar machen.

          Für die von Juwi und Süwag beantragte vorgezogene Rodung habe man sich allerdings rückversichert. Voraussetzung dafür sei, dass das Regierungspräsidium zustimme und auch die Genehmigung der Behörde für die Windräder zu erwarten sei. Zudem lasse sich die Stadt die Wiederaufforstung garantieren, sollte der Bau der Anlagen nach der Rodung doch nicht genehmigt werden.

          Am Widerstand der Gegner, die auch die Folgerungen aus den vogelkundlichen Gutachten anzweifeln, wird dies wenig ändern. Zumal der Protest über die Grenzen der Kommunen hinweg reicht. In Weilrod kämpft eine weitere Bürgerinitiative gegen Windräder auf umliegenden Höhenzügen. Denn für die Nachbargemarkungen von Bad Camberg sowie Weilmünster und Selters gibt es ebenfalls entsprechende Überlegungen. „Wir liegen eben an der Grenze von Landkreis und Regierungsbezirk“, sagt Bürgermeister Axel Bangert (SPD). Für die von Weilrod verpachteten Flächen wartet der dortige Partner Abo Wind, der mit dem Energieversorger Mainova zusammenarbeitet, auf die Genehmigung der Anlagen, deren Rotorspitzen 200 Meter hoch reichen, um mit den Fällarbeiten beginnen zu können.

          Mindestabstand zur Siedlungsfläche

          Abo-Wind plant auch Anlagen auf dem Pferdskopf bei Treisberg. Wie die Stimmung in dem Schmittener Ortsteil ist, zeigen die zahlreichen Plakate gegen das Vorhaben. Drei Windräder waren zunächst vorgesehen, dann tauchte ein einzeln gelegenes Wohnhaus als Hindernis auf, für das sogar eine Baugenehmigung von 1932 auffindbar war. Das Regierungspräsidium betrachtete das Haus als „Immissionspunkt“, womit sich der Mindestabstand zur Siedlungsfläche nur noch für ein Windrad einhalten ließ.

          Schien es zwischenzeitlich so, als sei damit das gesamte Projekt unwirtschaftlich, hat Abo-Wind nach seinen Angaben inzwischen die Standortplanung überarbeitet. Nun seien doch zwei Windräder auf dem Pferdskopf vorgesehen. Für das zweite werde man einen reduzierten Betrieb akzeptieren. Das könne zum Beispiel heißen, dass es nachts abgeschaltet werde. Die immissionsschutzrechtlichen Grenzwerte ließen sich mit der aktualisierten Planung erfüllen.

          Dass man am Pferdskopf festhalte, liege an den Ergebnissen der Windmessung. Abo-Wind hat dort im Sommer Messinstrumente aufgestellt. Die Auswertung sei zwar noch nicht beendet, sagte die Unternehmenssprecherin. Doch die Werte seien so gut, dass der wirtschaftliche Betrieb beider Anlagen möglich sei.

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