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Hochschule für Gestaltung : Für die nächsten 100 Jahre

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HfG-Campus mit Isenburger Schloss: Im Vordergrund die diesjährigen Rundgang-Banner Bild: Wolfgang Eilmes

Die Finanzierung des HfG-Neubaus ist gesichert. Im neuen Hafenviertel in Offenbach soll die Zukunft der Hochschule liegen.

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          Bernd Kracke ist nicht nur von Amts wegen optimistisch. Der Präsident der Hochschule für Gestaltung hat seit langem eine Vision: „Wir wollen unsere Hochschule im Kleinen neu gründen, eine Kunsthochschule des 21. Jahrhunderts schaffen. Dieser Neubau soll für die nächsten hundert Jahre Bestand haben.“ Das ist für die seit 1970 landeseigene Hochschule, die auf die Gründung einer privaten Handwerkerschule 1832 zurückgeht und seither an wechselnden Standorten in Offenbach etliche Metamorphosen durchlebt hat, ein kühnes Unterfangen.

          Kühn war es seinerzeit auch, diese Bildungseinrichtung kurz vor dem Ersten Weltkrieg genau an jenem Ort zu errichten, von dem Offenbachs Entwicklung zur Stadt seinen Ausgang nahm: an der Schlossstraße gegenüber dem 1559 erbauten Isenburger Schloss. Mit diesem Renaissancebau als Mittelpunkt entstand zwischen 1910 und 1913 nach einem Entwurf des Architekten Hugo Eberhardt der damalige Neubau der Technischen Lehranstalten, die Eberhardt seit 1907 leitete.

          Offenbach erfindet sich neu

          Krackes jetziges Bauvorhaben passt zu Offenbach, dem einstigen Industriezentrum des Großherzogtums Hessen-Darmstadt. Seit geraumer Zeit ist Offenbach dabei, sich neu zu erfinden. Frühere Industrieareale werden umgestaltet und anders genutzt. Nach dem Niedergang ihrer Kernindustrien - Maschinenbau, Lederwaren, Chemie, Druck - setzt die Stadt auf vormals bewährte Tugenden: Pfiffigkeit, Kreativität und Tempo.

          HfG-Präsident Kracke stellte 2008 erstmals öffentlich die Idee eines Neubaus für die Hochschule im ehemaligen Offenbacher Hafen vor, ein 34 Hektar großes Areal, das die Stadt seit geraumer Zeit zu einem Viertel umgestaltet, in dem Arbeiten, Wohnen und Freizeit am Main verbunden werden sollen. Seinerzeit schlug Kracke die Hafeninsel vis-à-vis der Frankfurter Skyline als Standort für den Neubau vor. Das jedoch erwies sich als zu ambitioniert. Der in puncto Marketing kundige Hochschulpräsident warb dennoch weiterhin für das Neubauprojekt, leidenschaftlich und hartnäckig, beim Land ebenso wie der Stadt und in seiner Hochschule. Unter den Professoren, Dozenten und Studenten an der HfG gab es nicht wenige, die den Ausbau der Hochschule am heutigen Ort bevorzugten.

          „Heureka II“ soll nicht vor 2021 starten

          Doch durch Kritik und Rückschläge, das jahrelange Ringen mit dem Land Hessen um den Umfang und die Finanzierung des HfG-Neubaus hat sich Kracke nicht entmutigen lassen. Seit der Ankündigung des hessischen Wissenschaftsministers Boris Rhein (CDU) im vorigen Herbst, den HfG-Neubau in das Hochschulbauprogramm „Heureka II“ aufzunehmen, ist nach Ansicht Krackes auf diesem Projekt endlich „der Deckel drauf“. Kracke sagt: „Rheins Entscheidung war das Signal zum Aufbruch.“

          Jedoch wird das Land Hessen mit dem Programm „Heureka II“ nicht vor 2021 starten. Dann erst kann laut Kracke mit dem Neubau begonnen werden. Bauherr ist das Land. Frühestens 2025 sei mit dem Umzug der Hochschule vom angestammten Standort an der Offenbacher Schlossstraße in den ehemaligen Hafen zu rechnen, sagt der Hochschulpräsident. 100 Millionen Euro soll der Neubau kosten, der 13 500 Quadratmeter Hauptnutzfläche bieten wird, 5500 Quadratmeter mehr, als der Hochschule auf dem Campus an der Schlossstraße jetzt zur Verfügung stehen. Nach Ansicht von Mark Kohlbecher, Pressesprecher des hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, bietet die Aufnahme des HfG-Neubaus in das Bauprogramm „Heureka II“ für die hiesige Kunsthochschule Planungssicherheit. Das Budget für diesen Neubau sei in Übereinstimmung mit dem Finanzministerium „langfristig gesichert“.

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