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Neues Hochhaus : Dreimal Maria im Bankenviertel

„Ein zeitlos elegantes Gebäude“: geplanter Marienturm in FRankfurt Bild: Simulation Müller Reimann/Pecan Development

An einer sehr exponierten Stelle mitten in Frankfurt entsteht der Marienturm. „Ein zeitlos elegantes Gebäude“, schwärmt der Projektentwickler. Ein Marienforum und der Marienplatz kommen hinzu.

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          Markus Brod kann man sich statt im schwarzen Anzug hinter einem Schreibtisch auch gut mit Schutzhelm und Gummistiefeln auf der Baustelle vorstellen. Der Projektentwickler ist in der Frankfurter Immobilienbranche ein „alter Hase“. Zunächst war er bei der OFB tätig, dann bei Hochtief Projektentwicklung. Nun hat er seine eigene Gesellschaft gegründet, die Pecan Development GmbH, und das gesamte Projektteam von Hochtief gleich mitgenommen. Gemeinsam realisieren sie den Marienturm, ein 155 Meter hohes Bürohochhaus im Bankenviertel.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Von der Marienstraße umschlossen liegt das Grundstück mit der Adresse Taunusanlage 9-10 wie auf einer Insel direkt gegenüber den Zwillingstürmen der Deutschen Bank. Der Hochhausrahmenplan der Stadt betont die Scharnierfunktion dieses gut sichtbaren Grundstücks: Zwei stadträumlich prägende Hochhaus-Achsen schneiden sich an dieser Stelle, die Mainzer Landstraße und die Taunusanlage. Die Stadtplaner empfehlen, einen „prägenden gestalterischen Gelenkpunkt“ zu schaffen, der das Hochhauscluster Bankenviertel mit der Achse Mainzer Landstraße verknüpfen kann. Das Bürohochhaus hätte laut Hochhausrahmenplan sogar 210 Meter messen dürfen.

          „Ein zeitlos elegantes Gebäude“

          Ganz so hoch wollten Brod und seine Mannschaft aber nicht hinaus. Der Bebauungsplan wurde entsprechend angepasst, nun soll bei 155 Metern Schluss sein. Gestalterisch will Brod die ihm gestellte Aufgabe erfüllen. Das Büro Müller Reimann aus Berlin hatte schon vor zwei Jahren einen Architekturwettbewerb für das Hochhaus gewonnen. Geplant sind zwei Baukörper: Mit der Breitseite zur Taunusanlage steht der Marienturm mit etwa 42.500 Quadratmeter Mietfläche, er soll Anfang 2019 fertig sein. „Ein zeitlos elegantes Gebäude“, meint Brod.

          Hinzu kommt das Marienforum, zehn Geschosse hoch und mit 11 500 Quadratmetern, das sich zur Mainzer Landstraße orientiert und schon Anfang 2018 fertig sein soll. Vor dem Gebäude entsteht an der westlichen Marienstraße ein öffentlicher Platz mit Bäumen, der durch ein Café oder einen anderen Gastronomiebetrieb im Erdgeschoss belebt werden und den Namen Marienplatz tragen soll. Insgesamt sollen 2500 Arbeitsplätze entstehen. Unter dem Baukomplex wird eine Tiefgarage mit rund 300 Stellplätzen angelegt. Außerdem soll es fast 400 Plätze für Fahrräder geben.

          Zu dem Projekt gehört auch eine Kita. Der Investor hat sich in einem städtebaulichen Vertrag zudem verpflichtet, 10 000 Quadratmeter frei finanzierten und 5000 Quadratmeter geförderten Wohnraum zu errichten. Das entspricht der Regelung im Hochhausrahmenplan, bei Bürovorhaben einen Wohnanteil von mindestens 30 Prozent der Bruttogeschossfläche oberhalb der Hochhausgrenze zu verlangen. Zwei Drittel der Wohnungen sind im Bahnhofsviertel schon im Bau. Vor dem neuen Hochhaus ist auch ein Fußgängerüberweg zur Taunusanlage geplant.

          Normalerweise wird ein Bürohochhaus nur mit einer entsprechend hohen Vorvermietung begonnen. In der jüngsten Vergangenheit häufen sich aber die Beispiele, dass es sich lohnen kann, ins Risiko zu gehen. Der amerikanische Entwickler Tishman Speyer etwa entschied sich bei zwei Hochhäusern im Bankenviertel für diesen Weg. Auch Brod baut ohne Vorvermietung. Er hat einen kapitalstarken Partner gefunden, der den Bau finanziert. Ein zum Finanzinvestor Perella Weinberg gehörender Immobilienfonds hat die Anteile an dem Projekt von Hochtief erworben. Immobilienmakler glauben, dass sich das Modell trotz der Flaute auf dem Büromarkt lohnt. „Es gibt zu wenig zentrale, hochmoderne Flächen. Das sorgt für frischen Wind auf dem Markt“, sagt Oliver Barth von BNP Paribas Real Estate.

          Brod will jetzt loslegen. Der Bauantrag wird vorbereitet, in den nächsten Tagen soll der Abriss der Bestandsgebäude beginnen. „Dann geht es mit Dampf weiter.“ Die Baugenehmigung für die Hochbauten wird im Frühjahr 2016 erwartet. Im Sommer soll der Baubeginn gefeiert werden. Helm und Stiefel hat Brod schon.

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