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Neues Hochhaus in Frankfurt : Zwei Fehler machen ein Desaster

Molenspitze im Frankfurter Osthafen: Ein Modell für das Hochhaus. Bild: Simulation Barkow Leibinger/B&L

An einem der wichtigsten Bauplätze Frankfurts soll ein neues Hochhaus entstehen. Doch die Vorgaben der Stadt könnten für ein Desaster am Osthafen sorgen. Das Verhältnis von Höhe und Breite stimmt nicht. Ein Kommentar.

          Auf der Molenspitze im Frankfurter Osthafen soll ein Hochhaus entstehen. Dagegen ist nichts einzuwenden, im Gegenteil, in der deutschen Hauptstadt der Türme wäre es begründungsbedürftig, falls an dieser prominenten Stelle ein gewöhnliches Gebäude entstünde. In Hamburg hat man an vergleichbarer Stelle die 110 Meter hohe Elbphilharmonie errichtet.

          Über die Gestalt des neuen Hochhauses ist in einem Wettbewerbsverfahren entschieden worden. Dieses Vorgehen ist vorbildlich, und unter den eingereichten Entwürfen überaus renommierter Büros wurde keineswegs der Falsche ausgewählt.

          Kein Vorwurf an den Architekten

          Alles in Ordnung also? Keineswegs. An einem der wichtigsten Bauplätze im Stadtgebiet wird ein Turm entstehen, dessen Grundfläche für das Grundstück zu groß geraten ist. Und noch dazu stimmt das Verhältnis von Höhe und Breite nicht.

          Den Architekten ist kein Vorwurf zu machen. Die Fassadengestaltung ist nicht das Problem. Die Ursache für das drohende Desaster liegt in den Vorgaben der Stadt. Erst hat sie im Hochhausrahmenplan festgelegt, dass ein Turm an dieser Stelle maximal 60 Meter hoch sein dürfe. Mit dieser Begrenzung wollte man zumindest formal die alte Zusage einhalten, dass der nahe gelegene EZB-Turm nicht der Nukleus eines neuen Hochhauspulks sein werde. Zudem soll seine markante Position als Solitär nicht beeinträchtigt werden.

          Die Proportionen stimmiger gestalten

          Es folgte Fehler Nummer zwei: Bevor es an den Verkauf des städtischen Grundstücks an einen Investor ging, wurde eine Ausnutzung von 26.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche vorgesehen. Es handelt sich um annähernd das Dreifache jener 10.000 Quadratmeter, die laut einem Gutachten in einen schlanken Turm gepasst hätten. Die Folgen sind jetzt anhand der Wettbewerbsentwürfe zu besichtigen: Ein dicker Stummel soll sich zwischen den filigranen Bögen von Honsell- und Osthafenbrücke breitmachen.

          Man muss hoffen, dass Planungsdezernent Mike Josef (SPD) seine Verantwortung für das Stadtbild ernst nimmt und das sich abzeichnende Unheil noch zu verhindern sucht. Eine Reduzierung der Ausnutzung ist angesichts geltender Verträge unrealistisch. Nach Lage der Dinge ist die einzige Lösung, einen höheren Turm zuzulassen. So ließe sich die Baumasse anders verteilen. 100 Meter wären vermutlich genug, um die Proportionen stimmiger zu gestalten, und niedrig genug, um den Status des EZB-Hochhauses nicht in Frage zu stellen. Man muss es wenigstens prüfen.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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