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Hochbegabtenzentrum : Vulkanologie als intellektueller Ausgleich

]Wie auf Hawaii: Mit einer Zahnpastatube und durchlöcherter Pappe wird erklärt, wie an „Hotspots“ Vulkane entstehen. Bild: Röth, Frank

Manche Kinder brauchen mehr Anregung, als der Schulunterricht bieten kann. Im Hochbegabtenzentrum der Volkshochschule beschäftigen sie sich mit Alchemie oder Suaheli.

          Je komplizierter das Thema ist, desto mehr hilft eine bildhafte Sprache. „Ein Vulkan ist wie ein Pickel auf der Hautkruste der Erde“, erläutert einer der Grundschüler. „Von unten schiebt das Magma, und irgendwann ist dann so viel Hitzedruck, dass es rausspritzt, und dann heißt es Lava.“ Besser als der Junge mit der Zahnlücke und dem Ringelpulli hätte es Christine Kumerics wohl auch nicht erklären können. Die promovierte Geologin leitet den Kurs für Sieben- bis Neunjährige im Hochbegabtenzentrum der Volkshochschule Frankfurt. Das zweistündige Seminar unter dem Titel „Vulkanen auf der Spur“ findet wie die meisten Kurse im Hochbegabtenzentrum an der Karmeliterschule statt.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Magma heißt also Lava, wenn es an der Erdoberfläche austritt - wusste das jeder?“, fragt die Geologin, die wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Mainzer Universität ist. Sie bekommt ein langgezogenes „Jaaaa“ zur Antwort. Die neun Kinder, die an diesem Nachmittag von ihren Eltern zu dem Kurs gebracht wurden, haben einige Vorkenntnisse. Manche können es kaum abwarten, sie auch weiterzugeben. Die zwei schmalen blonden Jungen, die auf ihren Stühlen hin- und herrutschen, haben selbst etwas vom Wesen der Vulkane, um die es hier geht. Neugier und Mitteilungsbedürfnis setzen sie sichtlich unter Druck. Es ist an der Lehrerin, die intellektuelle Energie zu kanalisieren und unkontrollierte Eruptionen zu verhindern.

          Zwei Prozent gelten als hochbegabt

          Schnell tragen die Kinder weitere Informationen zusammen. Vulkane entstünden dort, wo die Erdkruste dünn sei, wo sich Kontinentalplatten einander näherten oder sich entfernten, sagt Philipp. So etwas könne auch unter Wasser passieren, ergänzt der siebenjährige Lejs. Richtig, sagt die Kursleiterin, doch nicht immer werde Vulkanismus unmittelbar durch Plattenverschiebungen ausgelöst. Dann spreche man von „Hotspots“, das seien Zonen, in denen übereinanderliegende Erdschichten sich unterschiedlich schnell bewegten und von Zeit zu Zeit das Aufsteigen von Magma zuließen. So entstünden Vulkanketten wie die Hawaii-Inseln. Dort befinde sich auch der größte aktive Vulkan der Erde. „Der Mauna Loa“, ergänzt die siebenjährige Eldana.

          Zwei Prozent der Kinder einer Jahrgangsstufe gelten als hochbegabt. Wie man eine solche, erheblich über dem Mittelwert liegende Intelligenz feststellen kann, ist allerdings umstritten, genauso wie die Frage, wie sie entsteht. Für Petra Laubenstein, die Leiterin des Hochbegabtenzentrums, sind Kinder hochbegabt, wenn sie über besonders ausgeprägte Merk- und Verknüpfungsfähigkeiten verfügen und deshalb sehr schnell Probleme lösen können.

          „Gleichwertiges Gegenüber“

          Dieser Vorsprung gegenüber Gleichaltrigen könne zu einer Unterforderung in Kindergarten und Schule führen. Mädchen kämen damit oft besser zurecht, sagt Laubenstein, „manche Jungs gehen aber über Tische und Bänke“. Manchmal führe die Sonderstellung auch zum Gefühl, „der Größte zu sein - und daraus können sich unangenehme Charaktereigenschaften entwickeln.“ Grundsätzlich sei Hochbegabung aber keine Krankheit, sondern ein Geschenk.

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