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Hitzesommer in Hessen : Die Juliglut tut nicht jedem gut

Abkühlung: Ein Feld in Frankfurt wird beregnet. Bild: dpa

Ernteausfälle, Waldbrandgefahr, mehr Unfälle: Trockenheit und Hitze setzen der Natur zu und machen den Menschen zu schaffen. Doch es gibt auch Profiteure.

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          Landwirte klagen immer. Wenn nicht über das Wetter, dann über die Lieferzeiten für den nächsten Mercedes. Das ist natürlich ein schlechter Stammtischscherz. Denn Grund zur Klage über das Wetter haben die Bauern tatsächlich. Wegen der anhaltenden Hitzewelle rechnen sie bei ihrer wichtigsten Getreideart, dem Winterweizen, mit Ernteeinbußen von bis zu 30 Prozent. Auch beim Winterraps drohen laut Bauernpräsident Karsten Schmal große Einbußen. Das Wehklagen der Landwirte straft die Bauernregeln – wieder einmal – zu überlieferten Fake News ab. Schließlich heißt es „Nur in der Juliglut, gedeihen Wein und Getreide gut“, und darüber hinaus: „Wenn’s im Juli viel regnet, man viel giftigem Mehltau begegnet“. Die Glut ist da, der Mehltau nicht, und dennoch sieht es übel aus auf Hessens Feldern. Nicht wenige sind sogar schon in Brand geraten, die Feuerwehren in Hessen haben deutlich mehr Einsätze.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Das gilt auch für die Wälder, die immerhin fast die Hälfe Hessens bedecken. Die Waldbrandgefahr ist so hoch wie lange nicht mehr, das Umweltministerium warnt vor allem die bisweilen sorglosen Städter, ganz besonders vorsichtig zu sein, wenn sie den schattigen und vergleichsweise kühlen Forst aufsuchen. Wenn dann noch ein kühler Bach plätschert, könnte der Wanderer versucht sein, die Trinkflasche mit dem guten Wasser oder gar einen Kanister für die dürstenden Blumen zu Hause zu füllen. Doch für die Bäche im Taunus hat das Regierungspräsidium ein Verbot der Wasserentnahme ausgesprochen. Es gilt für alle Bäche des Main-Taunus-Kreises, des östlichen Vordertaunus, der Stadt Wiesbaden und des Rheingaus.

          Bei der Lahn in Marburg wurde zwischenzeitlich der niedrigste Pegelstand seit 1976 unterschritten. Auf dem Rhein läuft es bislang noch ordentlich. Wenn das Wasser aber weiter fällt, wird die Schifffahrt zwar nicht verboten, doch unrentabel. Denn die Reedereien können die Schiffe nicht mehr voll beladen, und irgendwann lohnt die Fahrt nicht mehr. Die Nachteile haben nicht nur die Binnenschiffer, sondern auch die Häfen. Fällt das Wasser weiter, könnten auch die vielen Flusskreuzfahrer Schwierigkeiten bekommen, weil sie bestimmte Anlegestellen nicht mehr ansteuern können.

          Süßwasserquallen in Wiesbaden

          Die Wasserarmut kommt nicht von ungefähr. Seit Februar sind nach Angaben des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie nur zwei Drittel der üblichen Regenmenge gefallen. Im Juni war es sogar weniger als die Hälfte.

          Wo noch Wasser steht, wie beispielsweise im Schiersteiner Hafen, wird ein vermehrtes Vorkommen von Süßwasserquallen gemeldet. In anderen Seen begünstigt das warme Wasser das Wachstum von Blaualgen wie beispielsweise im Offenbacher Schultheisweiher. Darüber muss man sich in den Freibädern allerdings keine Sorgen machen, für die es allem Anschein nach eine sehr gute Saison wird. Das gilt auch für die meisten Badeseen im Rhein-Main-Gebiet. Ein erfrischendes Bad fühlt sich für viele Schwimmer allerdings anders an, weil die Wassertemperaturen vieler Seen bei 24 bis 26 Grad liegen.

          Auch für die Mineralwasserbrunnen sieht es nach einer guten Saison aus, nimmt man den Andrang an vielen Getränkemärkten zum Maßstab. Wer dem bestens kontrollierten Wasser aus dem häuslichen Hahn den Vorzug gibt, muss nicht sparen. Hessenwasser, das auf einem guten Wasserpuffer sitzt, beliefert rund ein Drittel aller Hessen, darunter die Bürger von Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt. Von einer Verknappung kann bislang keine Rede sein, und sie ist nach guten Niederschlägen im Winter und Frühjahr auch nicht in Sicht.

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