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Historisches Museum : An den Wurzeln der Stadt

Im Rententurm steht das alte Zifferblatt. Bild: Fricke, Helmut

Das Historische Museum steht dem Publikum wieder offen. Seine fünf Altbauten sind nach der Renovierung so schön wie nie zuvor.

          Die Mutter aller Frankfurter Museen, wie Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) das Historische Museum nennt, ist aus dem Genesungsurlaub zurückgekehrt. Fast vier Jahre lang hat sich die alte Dame einer Kur unterziehen müssen. Jetzt sieht sie wieder aus wie das blühende Leben. Vor allem aber kann sie wieder ihrer alten Pflicht nachkommen: der Bevölkerung die Stadtgeschichte nahezubringen.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wer in der Vergangenheit von der Mainseite aus auf das Historische Museum geblickt hat, konnte schon immer ohne Mühe an dessen Fassaden erkennen, dass dieses Ensemble aus mehreren Gebäuden besteht: aus dem um 1200 errichteten staufischen Saalhof ganz im Osten, Frankfurts ältestem aufrecht stehenden Bauwerk; aus dem sich anschließenden neoromanischen Burnitz-Bau, als Wohnhaus errichtet in der Mitte des 19.Jahrhunderts; aus dem barocken Bernus-Palais und dem das Ensemble im Westen am Fahrtor vollendenden Rententurm, an den sich nördlich das ebenfalls neoromanische Zollgebäude anschließt.

          Frankfurter Reichsgeschichte

          Im Innern waren die fünf Gebäude vor der 20 Millionen Euro teuren Renovierung indes zu einem undurchschaubaren Labyrinth verschmolzen, ihrer stilistischen Eigenarten weitgehend beraubt. Nach der aufwendigen Sanierung in den vergangenen dreieinhalb Jahren haben die einzelnen Bauwerke nun auch innen wieder ihren historischen Charakter. Die sich über 800 Jahre erstreckende Baugeschichte ist dank des wohldurchdachten Konzepts des Eichstätter Büros Diezinger Architekten wieder deutlich sichtbar geworden. Bürgermeister Olaf Cunitz (Die Grünen) sprach von einer äußerst anspruchsvollen Bauaufgabe.

          „Hier liegen die Wurzeln Frankfurts“, sagte am Donnerstag bei einer ersten Besichtigung Stadtrat Semmelroth. Im Saalhof, in dem die noch von Pfalz zu Pfalz reisenden Stauferkönige sich nachgewiesenermaßen an die sechzigmal aufgehalten haben, ist Frankfurter und Reichsgeschichte geschrieben worden. Unter den Staufern wurden der Stadt der Bau einer Mauer, der Staufenmauer, und die Bildung eines Rats erlaubt. 1240 bestätigte FriedrichII. das Messeprivileg. Durch das Gewölbe des Saalhofs können die Besucher nun auf den Spuren der Staufer wandern und unter anderem einen Blick auf die berühmten Reichskleinodien werfen: die Krone, den Reichsapfel und das Szepter. Allerdings handelt es sich um Kopien, die Originale liegen in Wien und dürfen laut Gesetz nie mehr außer Landes gebracht werden.

          Rententurm soll unentgeltlich besucht werden können

          Eine Entdeckung selbst für die ganz alten Frankfurter dürfte der Rententurm sein, der jetzt endlich begehbar ist. In seinem Gewölbe, das schon häufig von Main-Hochwassern überschwemmt wurde, hat das Museumsteam unter Direktor Jan Gerchow das Thema Fluss und Wasser aufbereitet. Im Raum darüber, wo einst ein Zöllner die Kaufleute abkassierte, sind alte Geldbehälter und die Schlüssel fürs Stadttor ausgestellt. Im ersten Obergeschoss tickt ein altes Uhrwerk und treibt die beiden Turmuhren an der Süd- und Westseite an. Steigt der Besucher noch ein paar Stufen die schmale Wendeltreppe hinauf, wird ihm eine schöne Aussicht auf den realen Main und auf alte Stadtansichten zuteil.

          Wenn 2015 der Neubau auf dem Areal des mittlerweile völlig abgerissenen Betonbaus eröffnet wird und die Umgestaltung des Historischen Museums damit abgeschlossen ist, soll der Rententurm von jedermann unentgeltlich besucht werden können. Vorläufig kostet der Eintritt in den Turm einschließlich der anderen Museumsräume vier Euro. Über Pfingsten freilich können sich alle die frisch herausgeputzten Bauten anschauen, ohne eine Eintrittskarte lösen zu müssen. Geschlossen bleiben bis August allerdings jene Räume im Burnitz- und Staufer-Bau, die künftig die neue Dauerausstellung „Frankfurter Sammler und Stifter“ beherbergen werden.

          Alles neu also im Historischen Museum

          Schon begutachten können die Besucher außer dem Staufer-Gewölbe und dem Rententurm auch den neuen Leopold-Sonnemann-Saal im Bernus-Palais, in dem das Museum künftig seine Veranstaltungen abhalten wird, und den darüber liegenden Raum. Dort sind die beliebten Stadtmodelle der Brüder Treuner aufgestellt sowie zwei weitere Modelle, welche die Altstadt vor dem Abriss des Technischen Rathauses und die künftige Altstadt en miniature zeigen. Zugänglich ist außerdem die Bibliothek unter dem Dach, wo die Bürger auf historische Spurensuche gehen können - sofern sie sich vorher anmelden.

          Alles neu also im Historischen Museum. Auch das Museumskonzept. Aus dem bisherigen historischen Fachmuseum, das sich seit der Errichtung des Betonbaus in den siebziger Jahren einer kritischen Geschichtswissenschaft verpflichtet fühlte, will Gerchow ein Frankfurter Stadtmuseum machen und damit an die Tradition des alten Universalmuseums anschließen. Dieses Stadtmuseum, so der Traum seines Direktors, soll in der „Champions League“ spielen. Möge es ihm und seinem Haus besser ergehen als der Frankfurter Eintracht.

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