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Historisches Museum : Alte Kaimauer verzögert Museumsbau

Alter Hafen: Links vom Wassertümpel verläuft die staufische Kaimauer, dahinter liegt ein gepflasterter Weg, dann folgen die Mauerreste des Saalhofs. Bild: Wonge Bergmann

Auf dem Bauplatz des Historischen Museums wurden Reste eines Hafens aus staufischer Zeit entdeckt. Der Neubau muss umgeplant werden, der Zeitplan ist nicht zu halten.

          An einem ordinären Holzpfahl wollten der Erzbischof von Mainz und andere hohe Herrschaften ihr Schiff nicht festmachen, wenn sie auf dem Wasserweg zur Königswahl nach Frankfurt kamen. Deshalb hat die Stadt an der Frankenfurt zur Stauferzeit einen repräsentativen Hafen bekommen. Dessen Kaimauer ist jetzt auf der Baustelle hinter den Altbauten des Historischen Museums entdeckt worden - genau dort, wo dessen Neubau errichtet werden soll.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          25 Meter ist sie lang und einen Meter hoch. Hinter ihr verläuft ein gepflasterter Weg. Die Kante der Mauer bilden Eichenbalken, deren Jahresringe belegen, dass sie zwischen 1303 und 1314 verbaut wurden. Der Hafen selbst dürfte sogar noch etwas älter sein. Andrea Hampel, Frankfurts oberste Denkmalschützerin, geht davon aus, dass er irgendwann im 12.Jahrhundert gebaut wurde. Die Kaimauer ist für sie nicht einfach nur eine Mauer, sondern ein für jene Zeit markantes Bauwerk, das von höchst kundigen Ingenieuren errichtet worden ist.

          Semmelroth und Cunitz: Zwischen Entzückung und Betrübtheit

          Frankfurts Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) und Baudezernent Olaf Cunitz (Die Grünen) sind ob dieses für Deutschland wohl einmaligen Fundes entzückt und haben gestern keinen Zweifel daran gelassen, dass sie dieses Relikt aus der frühen Stadtgeschichte erhalten und an Ort und Stelle angemessen präsentieren wollen. Gleichzeitig sind sie aber auch ein wenig betrübt über die Ausgrabung, denn sie bringt das Konzept für den Neubau des Historischen Museums ein wenig durcheinander.

          Der Beginn der Rohbauarbeiten kann nun nicht, wie vorgesehen, im Herbst, sondern erst im Frühjahr 2013 beginnen. Dies bedeutet, so hat gestern Museumsdirektor Jan Gerchow bei der Vorstellung der staufischen Kaimauer vorgerechnet, dass die für das Frühjahr 2015 geplante Eröffnung des Neubaus auf den Herbst verschoben werden muss. Die Zeitverzögerung rührt nicht nur daraus, dass die Kaimauer konserviert werden muss. Vielmehr muss jetzt der ganze Hof des neuen Museums umgeplant werden.

          Architekten müssen Pläne ändern

          Denn dort, wo die alte Kaimauer und der schön gepflasterte mittelalterliche Uferweg verlaufen, sollten eigentlich die Toiletten und andere Funktionsräume des Museums ihren Platz finden. Das geht jetzt nicht mehr, weshalb die Architekten laut Cunitz ihre Pläne für diesen Gebäudeteil in den nächsten Wochen ändern müssen. Billiger wird der Neubau dadurch nicht, im Gegenteil: Cunitz geht von Mehrkosten aus, die aber seinen Angaben zufolge im Moment nicht zu beziffern sind. Die Details will der Bürgermeister in einer Vorlage an die Stadtverordnetenversammlung darlegen.

          Wenn die Besucher des Historischen Museums nach der Eröffnung des Neubaus vom geplanten Hof zwischen Altbauten und Neubau auf die mittelalterliche Kaimauer blicken oder hinuntersteigen zu den staufischen Relikten, wird mancher sich erstaunt fragen, wie sich etwa 100Meter nördlich vom heutigen Mainufer ein Hafen hatte befinden können. Das Rätsel löst sich, wenn man weiß, dass in späteren Zeiten dem Fluss Land abgerungen wurde, das heute bebaut ist. Damals, als die Stadt zum Fluss hin erweitert wurde und genau an der Stelle, wo sich heute die Mainfront des Bernus- und Burnitzbaus erhebt, eine neue, die spätmittelalterliche Stadtmauer errichtet wurde, schütteten die Bauleute den alten Hafen einfach mit Schutt zu. Deshalb ist die staufische Kaimauer so gut erhalten.

          Die Anfänge der Handels- und Messestadt Frankfurt

          Direkt nördlich hinter der Hafenmauer sieht man die Reste der Mauer des Saalhofs, der königlichen Pfalz, die in Stauferzeiten vom Domhügel an das Mainufer verlegt worden war. Bei dem neuen Herrscher-Domizil handelte es sich um eine Art Hafenburg, hier liegen die Anfänge der Handels- und Messestadt Frankfurt. Sie hat diesen Rang erreicht wegen ihres Hafens und wegen der Alten Brücke, der einzigen Steinbrücke über den Main weit und breit. Schließlich diente Frankfurts repräsentativer Hafen nicht nur als Empfangsraum für die Großen des Reichs, sondern auch als Umschlagplatz für Waren. Als Handelsstadt ist Frankfurt im Mittelalter das geworden, was es bis heute ist: eine der internationalsten Städte Europas.

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