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Historischer Comic : Mädchen, macht den Mund auf!

Solidarität unter Frauen: Vier Mädchen kämpfen 1918 für ihre Rechte. Bild: Zwerchfell Verlag

Ein Comic erzählt davon, wie vier junge Mädchen 1918 in Frankfurt für ihre Rechte kämpfen. Im Jungen Museum stellen die Macher es vor.

          2 Min.

          Es herrscht Aufbruchstimmung. Die Nachricht, dass der Kieler Matrosenaufstand geglückt ist und das Töten auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs damit ein Ende hat, macht die Runde. Die Frauen marschieren durch die Straßen, demonstrieren für gleiche Rechte und Anerkennung. Aber es herrscht auch Not. Die Lebensmittel sind rationiert, für einen Laib Brot muss man lange in der Schlange stehen. Und die Frauen, die in den Fabriken Arbeit gefunden haben oder sich in der Kriegszeit anderswo unentbehrlich gemacht haben, sind in Sorge, dass sie nun wieder arbeitslos werden könnten, wenn die Kriegsheimkehrer zurück sind. Die Zukunft ist greifbar – aber wie sie aussehen wird, das weiß im November 1918 niemand so recht.

          Alexander Jürgs
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Und dann sind da noch die fürchterlichen Jungenbanden. Die Woschtfettbande mit ihrem Anführer Paul, die Affentor-Bande, die Rauscher-Bande, die Klapperbande und wie sie alle heißen. Sie machen den Mädchen das Leben schwer. Ziehen Jenny auf, die allein mit ihrer Mutter lebt, seit der Vater im Krieg gefallen ist. Klauen ihnen die Klicker, verteidigen ihre Reviere, lassen den Mädchen keine Freiräume. Doch angesteckt vom kämpferischen Zeitgeist, wollen die sich das nicht mehr gefallen lassen. Und so tut sich eine ungleiche Viererbande aus den Arbeiterkindern Jenny und Käthe, aus der kunstinteressierten Franzi, die im wohlhabenden Westend wohnt, und der aufbrausenden Jossi, deren Eltern ein Wasserhäuschen betreiben, zusammen, um es mit den Jungs aufzunehmen.

          Eine Ikone der Emanzipation

          Bald merken sie, dass es ihnen wenig hilft, auf Schläge und Hiebe zu setzen, sondern dass sie mit Worten und Mut für ihre Rechte kämpfen müssen. „Mädchen, macht den Mund auf!“, schreiben sie auf ein Flugblatt, mit dem sie Gleichgesinnte in der Stadt für ihre Sache begeistern wollen. Beim Vervielfältigen der Handzettel hilft ihnen eine Frau, die später in die Geschichte eingehen wird: Tony Sender, die mit 22 Jahren in die Sozialdemokratische Partei eintrat und 1919 eine der ersten Parlamentarierinnen im Frankfurter Stadtparlament wird, eine Ikone der Emanzipation.

          „Frankfurt 1918 – Heraus aus der Finsternis“ heißt der Comic, der diese Geschichte um vier fiktive Mädchen erzählt. Entstanden ist er für eine Museumsausstellung. Das Historische Museum Frankfurt hat die Graphic Novel in Auftrag gegeben. Der Comic ergänzt die Ausstellung „Dagegen! Dafür? – Revolution. Macht. Geschichte“, die noch bis Ende März im Jungen Museum, einer Abteilung des Historischen Museums für Besucher im Kinder- und Jugendalter, zu sehen ist.

          Der Phantasie Raum lassen

          Christoph Tauber hat den Comic erdacht. Nicht nur die Tony Sender, sondern auch Figuren wie Meta Quarck-Hammerschlag, die als erste Frau in den Magistrat der Stadt Frankfurt einzog, oder die Frauenrechtlerin Johanna Tesch haben ihn beim Schreiben inspiriert, sagt der Comic-Künstler. Es ist ihm wichtig, dass er seine Leser mit dem Comic „nicht zubetoniert mit Erklärungen“, die Geschichte soll der Phantasie Raum lassen, so Christoph Tauber.

          Für seine Illustrationen zu den „Drei Fragezeichen“-Comics wurde der Frankfurter im vergangenen Jahr beim Comic-Salon“ in Erlangen mit dem renommierten Max-und-Moritz-Preis ausgezeichnet, doch für „Heraus aus der Finsternis“ lieferte er nun ausschließlich den Text. Die wunderbar lebendigen Zeichnungen des Bandes stammen von der Illustratorin Annelie Wagner, die ebenfalls in Frankfurt lebt.

          Am Samstag stellen die beiden ihre Emanzipations-Geschichte gemeinsam vor: bei einer Comic-Lesung im Jungen Museum. Dabei lesen Autor und Zeichnerin nicht nur aus dem Buch, das für Kinder von acht Jahren an geeignet ist, sondern berichten auch vom Entstehungsprozess und der Zusammenarbeit mit den Historikern am Museum. Im Anschluss an die Lesung kann man sich den Comic von den beiden signieren lassen. Der Eintritt zur Lesung und zum Museum ist frei, da die Veranstaltung auf den „Satourday“ fällt. Am letzten Samstag jedes Monats ist in einer Vielzahl der Frankfurter Ausstellungshäuser der Eintritt für Familien frei.

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