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Spiegelverkehrte Karte : Kiew liegt doch nicht im Westen

  • -Aktualisiert am

Verdrehte Welt: Auf dem Schild liegt Osten links und Westen rechts. Bild: Wiesinger, Ricardo

Im Frankfurter Stadtteil Dornbusch erinnert ein Schild an die „Hohe Straße“ – mit spiegelverkehrter Karte. Auf dem Schild liegt Osten links und Westen rechts.

          Wo der Marbachweg von Osten kommend auf die Eschersheimer Landstraße trifft, um hinter der Kreuzung seinen Lauf als Straße Am Dornbusch fortzusetzen, schneiden sich Tag für Tag unzählige Routen. U-Bahnen folgen ihrem Schienenweg, Busse ziehen an Autoschlangen vorbei, Radfahrer schlängeln sich durchs Gewühl, Fußgänger warten, dass die Ampel endlich auf Grün springt. An der nordöstlichen Ecke der Kreuzung sucht vielleicht gerade jemand im öffentlichen Anne-Frank-Bücherschrank nach spannender Lektüre oder legt im Angesicht eines mosaikverzierten Betonsauriers, der an den spanischen Architekten Antoni Gaudí denken lässt, eine Pause ein.

          „Das kommt mir spanisch vor“, sagt denn auch ein älterer Herr, der gerade links der Ampel vor einer silbernen Hinweistafel mit Text und Landkarte steht. Flankiert von Sträuchern aller Art und neben einer Litfaßsäule, erinnert das niedrige, 60 mal 36 Zentimeter große Edelstahlschild daran, dass der Marbachweg einst Teil einer alten Fernstraßenverbindung zwischen West- und Osteuropa war: „Jahrhundertelang verkehrten hier Pilger auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela.“ Auf diesem „Hohe Straße“ genannten Abschnitt des europaweiten Routennetzes „Via Regia“, das in Frankfurt über die Ginnheimer Höhe, den Diebsgrund- und Marbachweg sowie den Lohrberg bis Bergen verläuft, standen Händler und Heerscharen unter königlichem Schutz. Der Senior schüttelt den Kopf und deutet auf den rechten Kartenrand: „Seit wann liegt denn hier die Krim?“

          „Städte sind irgendwie komisch notiert“

          Von der Gymnasiastin („Die Städte sind irgendwie komisch notiert“) über eine Anwohnerin („Kiew ist ja hier ganz im Westen“) bis zur langjährigen Mitarbeiterin des nahen Kinder- und Jugendhauses Dornbusch („Das kann ja nicht stimmen“) – die Landkarte auf der Hinweistafel stiftet Verwirrung. Weil hier Osten und Westen vertauscht wurden, ist sie von eingenordeten Menschen nur schwer zu verstehen.

          „Das kommt mir spanisch vor“: die Hinweistafel stiftet Verwirrung.

          Die Idee, am Marbachweg mit einem Schild an die „Hohe Straße“ zu erinnern, stammt von Friedrich Hesse. „Sie kam mir“, erzählt der Ortsvorsteher, „als ich mich bei der Vorbereitung zum 100. Jahrestag der Eingemeindung von Eschersheim und Ginnheim mit der Geschichte des Dornbuschs beschäftigte.“ Die daraufhin vom Ortsbeirat 9 initiierte und finanzierte und in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt und dem Institut für Stadtgeschichte entwickelte Hinweistafel wurde im November 2013 aufgestellt. Darüber, ob die Karte spiegelverkehrt gedruckt werden müsse, wurde heftig diskutiert, erinnert sich Ortsbeiratsmitglied Lothar Stapf. Schließlich habe man sich für die Spiegelung entschieden, denn „wenn der Betrachter davorsteht, liegt links von ihm Osten und rechts Westen“.

          Der Mensch wird hier also zum Zentrum der Welt; seine Blickrichtung bestimmt die Himmelsrichtungen auf der Tafel. Die meisten Betrachter können angesichts dieser Eulenspiegelei nur ungläubig den Kopf schütteln. „Wir haben versucht, ändernd einzugreifen“, sagt der Vorsitzende des Via Regia Landesverbands Hessen, Gunther Haarstark, „aber da war das Schild schon gesetzt.“ Eine Zusammenarbeit mit der Regionalpark Ballungsraum RheinMain GmbH, die die Regionalparkroute „Hohe Straße“ nach Worten von Mitarbeiterin Jutta Wippermann entwickelt hat, gab es dabei nicht. „Wir kümmern uns“, sagt sie, „vor allem um die Landschaft im Ballungsraum.“ Auf städtischem Gebiet darf der Welt dann ruhig der Spiegel vorgehalten werden. Das verstehe, wer will.

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