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Überregionales Hilfsprogramm : Hessen fehlen 367.000 Wohnungen

Neue Mitte: Karben hat bislang kein richtiges Zentrum, doch das Brunnenquartier, das im Zuge des Programms entsteht, soll das ändern. Bild: Axel Häsler

Der Mangel an Wohnungen ist vor allem in Südhessen groß. Das Hilfsprogramm „Großer Frankfurter Bogen“ stößt trotzdem nicht überall auf Interesse.

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          Karben hat zehn Stadtteile, aber kein Zentrum. Das Brunnenquartier soll diese Lücke nun schließen. Als „Glücksfall“ betrachtet Bürgermeister Guido Rahn (CDU) darum das Programm „Großer Frankfurter Bogen“, ein überregional angelegtes Programm, um Wohnraum zu schaffen. Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir hat im Oktober 55 Städte und Gemeinden, die innerhalb von höchstens 30 Minuten mit der Bahn vom Frankfurter Hauptbahnhof erreichbar sind, eingeladen, dabei zu sein.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Karben zählt zu den 30 Kommunen, die mitmachen. Der Bürgermeister hofft auf Zuschüsse von rund acht Millionen Euro. „Ohne diese Fördermittel wäre das Projekt in dieser Qualität nicht machbar“, sagt Rahn. Davon profitierten sowohl die Stadt als auch das Umland. Die entstehenden Wohnungen seien hochwertig, aber auch bezahlbar, so dass viele Einheimische sich das Leben in dem urbanen Quartier leisten könnten, meint Rahn. Angestrebt wird eine gemischte Nutzung. Familien und Senioren sind besonders erwünscht. Die S-Bahn liegt 400 Meter vom Brunnenquartier entfernt und bietet im Viertelstundentakt eine Anbindung an die Zentren der Region. Wie viel Geld der „Große Frankfurter Bogen“ den Steuerzahler insgesamt kostet, lässt sich vorläufig nicht genau sagen, denn das Programm besteht aus vielen einzelnen Bestandteilen. Zum Teil werden damit nur Fördermittel des Bundes weitergeleitet, die es immer schon gab. Bestimmte Hilfen des Landes werden fortgesetzt oder erhöht.

          „Die Bauprojekte sind keine zusätzlichen Vorhaben“

          Bei den Machbarkeitsstudien der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte übernimmt das Land den Eigenanteil der Kommune. Al-Wazir spricht von einem „Gesamtkunstwerk“. 25 Kommunen beteiligen sich allerdings nicht daran, darunter auch die Landeshauptstadt Wiesbaden. Die Frage nach den Gründen müsse man nicht ihm, sondern den Kommunalpolitikern stellen, sagt Al-Wazir. Man sei in Gesprächen. „Ich gehe davon aus, dass sich da in den nächsten Monaten vielleicht durchaus etwas verändert.“ Das Land sei mit dem Programm hier und dort etwas zu spät gekommen, heißt es aus der Fachabteilung des Ministeriums. Die Stadt Bad Vilbel zum Beispiel sei „einen Schritt voraus gewesen“.

          Die Opposition übt Kritik. „Die Bauprojekte, die als Teil des Großen Frankfurter Bogens vermarktet werden, sind keine zusätzlichen Vorhaben und in der Regel schon längst bekannt“, meint die FDP-Landtagsfraktion. Das sei „ein hübsches Werbeprojekt“. Aber damit allein schaffe man keine Wohnungen, so der liberale Abgeordnete Jürgen Lenders.

          Wohnungsbedarf ist in Darmstadt am größten

          Wer zusätzlichen Wohnraum fördern wolle, müsse bürokratische Hürden beseitigen und niedrigere Kosten ermöglichen. Im Übrigen reiche es nicht aus, auf die Erreichbarkeit neuer Wohnprojekte mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu setzen. „Wo die Bevölkerung wächst, müssen auch Straßen gebaut werden“, so Lenders. Unstrittig bleibt, dass es in Hessen insgesamt viel zu wenig Wohnraum gibt. Allerdings sind die regionalen Unterschiede enorm. Nach einer aktuellen Bedarfsprognose des Darmstädter Instituts Wohnen und Umwelt nimmt die Bevölkerung in Nord- und Mittelhessen ab. Im Süden des Bundeslandes steigen die Zahlen, wenn auch nicht mehr so schnell wie bisher. Am größten ist der Bedarf in Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt, Offenbach und Kassel. 83 Prozent der Wohnungen, die in Hessen bis 2040 nötig sind, fehlen im Regierungsbezirk Darmstadt.

          In Hessen werden bis zum Jahr 2040 insgesamt 367.000 zusätzliche Einheiten gebraucht. Ihre volle Aussagekraft gewinnt die Zahl durch den Vergleich mit der Prognose aus dem Jahr 2016. Sie ermittelte einen Bedarf, der um 50.000 Wohnungen höher lag. In der Zwischenzeit sei einiges geschehen, meinte Al-Wazir. So sei mehr gebaut worden, als prognostiziert.

          Die Zuwanderung sei nicht mehr so stark außerdem ziehe sich das Wachstum der Bevölkerung über einen längeren Zeitraum hin, sodass sich auch der Bedarf an Neubauten zeitlich verschiebe. Es würden zwar mehr Kinder geboren, aber die lebten nicht allein, sondern in Familien, die ohnehin Wohnungen benötigten. Die Größe der Haushalte gehe zwar zurück, weil viele Menschen allein oder zu zweit lebten. Aber dieser Trend habe sich verlangsamt. Nur mit Bauen allein ließen sich „Mietenwahnsinn“ und Verdrängung nicht bekämpfen, konstatierte Jan Schalauske, Parteichef und Landtagsabgeordneter der Linken. Notwendig seien entschlossene Eingriffe in den Wohnungsmarkt und eine echte Offensive für bezahlbaren Wohnraum. Dazu müsse auch ein Sofortprogramm für 10.000 neue Sozialwohnungen pro Jahr gehören.

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