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Ehrenamtliche Helfer : Das Engagement ist weiter groß

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Ehrenamtliche Hilfe: Die Aufgaben der Helfer übersteigen deren Fähigkeiten. Fortbildungen sollen Abhilfe schaffen. Bild: dpa

Ehrenamtliche Helfer bleiben eine wichtige Stütze. Doch deren Aufgaben werden immer anspruchsvoller. Die Sozialverbände helfen mit Fortbildungen.

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          So viel der Staat auch für Flüchtlinge tut, ohne die Hilfe Ehrenamtlicher geht es nicht. Und deren Engagement ist weiter groß, auch gut neun Monate nach dem Herbst vergangenen Jahres, in dem so viele Menschen nach Deutschland kamen. Doch die Aufgaben verändern sich: Konkrete Hilfe bei Asylverfahren und bei der Integration statt reiner Notversorgung, so lautet die Devise. Die Sozialverbände helfen mit Fortbildungen.

          Der Stadt Frankfurt zum Beispiel hat das Land Hessen 4.500 Flüchtlinge zugewiesen, wöchentlich kommen rund 20 hinzu. Von ihnen leben 1.900 noch in Notunterkünften. Sie sollen nach und nach durch andere Unterkünfte ersetzt werden, denn Immobilien wie etwa Sporthallen sollen nicht dauerhaft als Flüchtlingsunterkünfte dienen. Hinzu kommen in Frankfurt 960 Flüchtlinge im Neckermann-Gebäude, das eine Erstaufnahmeeinrichtung des Landes ist, und gut 500 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

          „Die Qualität ehrenamtlicher Arbeit hat sich verändert“

          Ehrenamtliche Helfer bildet die Arbeiterwohlfahrt in Frankfurt zu sogenannten Asylanhörungsbegleitern aus. Dazu wurde ein Konzept aus München übernommen. Wie Pilar Madariaga von der Arbeiterwohlfahrt schildert, unterstützen Ehrenamtliche Flüchtlinge bei der Vorbereitung auf die Anhörung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Wer beim Projekt „Arrival Aid“ mitmachen will, kann an info@awo-ehrenamtsagentur.de schreiben und so mehr erfahren. Bald gibt es eine weitere Informationsveranstaltung. Ziel sei es, für Chancengleichheit bei der Anhörung zu sorgen, so Madariaga, die die Ehrenamtsagentur der Awo leitet.

          „Anspruchsvoll“ nennt sie die neue ehrenamtliche Tätigkeit. Auch andere Sozialverbände weisen auf einen gestiegenen Anspruch an Flüchtlingshelfer hin. Es gebe immer mehr Eins-zu-Eins-Betreuungen, sagen Dilek Akkaya und Anita Heise vom Programm „Frankfurt hilft“, das Freiwillige vermittelt. Wer sich dafür interessiert, für den könnten zum Beispiel Mentorenprogramme der evangelischen Kirche und des Caritasverbands interessant sein, in denen Ehrenamtliche Flüchtlingen zur Seite stehen.

          Ähnlich urteilt Laetitia ten Thije vom Diakonischen Werk: Viele Helfer - Einzelpersonen oder Paare - wollten Flüchtlinge über einen gewissen Zeitraum begleiten. Thije koordiniert die Ehrenamtsarbeit in der Unterkunft am Alten Flugplatz Bonames, in der bisher rund 220 Bewohner leben und die vom Diakonischen Werk betrieben wird. „Die Qualität ehrenamtlicher Arbeit hat sich verändert“, sagt sie. Im Mittelpunkt stehe die mittelfristige Unterstützung der Ankömmlinge, das „Brückenbauen in die Gesellschaft“.

          Auch in der Frankfurter Erstaufnahmeeinrichtung wurde erkannt, wie wichtig das ist. Seit kurzem werden 30 Kinder dort mehr als bisher auf einen regulären Schulunterricht vorbereitet, auch was die mit ihm verbundenen Regeln angeht. In dem Projekt, das von der Landesstiftung „Miteinander in Hessen“ gefördert wird, arbeiten auch Freiwillige mit, wie Melanie Freitag schildert.

          Ehrenamtliche wollen beim Integrationsprozess behilflich sein

          Sie arbeitet beim Arbeiter-Samariter-Bund, der die Unterkunft betreibt, und koordiniert die Ehrenamtsarbeit in dem Neckermann-Gebäude. „Ohne die Ehrenamtlichen wäre relativ wenig möglich“, sagt sie nicht nur mit Blick auf die Mitarbeit beim Unterricht, sondern auch auf die in der Kleiderkammer und bei Ausflügen.

          Verglichen mit der Hoch-Zeit der Flüchtlingsankunft im Herbst und Winter 2015, hat die Nachfrage nach einer ehrenamtlichen Mitarbeit abgenommen. Aber sie ist weiter hoch, wie Freitag sagt. „Ich werbe aber auch dafür.“ Von einem „großen Interesse“ spricht auch ten Thije. „Die Hilfsbereitschaft ist keine Eintagsfliege.“ Wie Akkaya beobachtet, überlegen Interessenten mittlerweile gezielter, wo sie helfen können. Über aktuelle Angebote für Tätigkeiten und Sachspenden informieren sie und ihre Kollegin Heise auf der Seite www.frankfurt-hilft.de.

          Für Träger wie den Arbeiter-Samariter-Bund, die Arbeiterwohlfahrt und das Diakonische Werk bedeutet das anhaltend große Interesse, sich intensiv um die Schulung und die Begleitung der ehrenamtlichen Helfer zu kümmern. Allein die Frankfurter Arbeiterwohlfahrt hat in ihrem Programm „Herzlich ankommen“ mehr als 550 Helfer auf den Einsatz in 30 Unterkünften vorbereitet. Inzwischen hilft Madariaga dabei, das Programm in anderen Städten einzuführen.

          „Für viele ist der Einsatz für Flüchtlinge das erste ehrenamtliche Engagement“

          Für die Tätigkeit in der Unterkunft am Alten Flugplatz in Bonames sind bisher 100 Freiwillige geschult worden. Einige von ihnen waren schon vorher in einer vom Diakonischen Werk betriebenen Notunterkunft im benachbarten Kalbach tätig, die meisten aber sind neu hinzugekommen. Freitag kann im Neckermann-Gebäude auf 100 Helfer zurückgreifen, 30 sind regelmäßig in der Einrichtung. Und auch auf dem Wohnwagenplatz für Flüchtlinge, den die Caritas unterhält, helfen Ehrenamtliche mit.

          „Für viele ist der Einsatz für Flüchtlinge das erste ehrenamtliche Engagement“, weiß Anita Heise von „Frankfurt hilft“. Viele begründeten ihren Willen zur Mitarbeit damit, „mit anpacken zu wollen“, damit die Integration der Flüchtlinge gelinge. Ein Schwerpunkt ehrenamtlicher Arbeit ist für Heise und Akkaya nach wie vor der Deutschunterricht. Immer wichtiger würden aber auch die Integration in den Arbeitsmarkt und die Bildung von Kindern. Langsam kämen die Flüchtlingskinder in die Schule. „Hier gibt es einen massiven Förderbedarf“, sagt Heise. Es ist eine Feststellung, die fast wie ein Appell klingt.

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