https://www.faz.net/-gzg-7wqz1

Hilferuf zur Politik : Hebammen sehen sich in Existenz bedroht

  • Aktualisiert am

„Massiv in Gefahr“: Die Tendenz zur Zentralisierung in Kliniken schadet aus Sicht der Hebammen die Versorgung der Frauen mit Geburtshilfe Bild: dpa

Nicht nur steigende Haftpflichtprämien setzen die Hebammen in Deutschland unter Druck. Die Arbeitsbedingungen in Kliniken verschlechterten sich allgemein. Der Bundesverband sieht die Geburtshilfe massiv in Gefahr.

          1 Min.

          Die deutschen Hebammen stehen nach Ansicht ihres Verbandes bundesweit vor großen Problemen. Die Situation in Kliniken werde für die Geburtshelferinnen immer schlechter, kritisierte die Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands (DHV), Martina Klenk, zum Auftakt der Bundesdelegiertenversammlung in Fulda.

          „Eine flächendeckende Versorgung bei Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett ist schon jetzt nicht mehr gegeben.“ Die gesetzlich zugesicherte Wahlfreiheit des Geburtsortes gebe es in vielen Regionen nicht mehr, weil die freiberufliche Geburtshilfe weggefallen sei. Außerdem werde sie in wenigen Kliniken zentralisiert.

          Geburtshilfe „massiv in Gefahr“

          Wegen dieser Tendenz zur Zentralisierung sei die Versorgung der Frauen mit Geburtshilfe „massiv in Gefahr“, warnte Klenk. In den Kommunen sollte eine Basisversorgung sichergestellt werden, mit hausärztlicher Hilfe, Pflegedienstleistungen und mit Hebammenhilfe. „Diese drei Säulen müssen wohnortnah angeboten werden und können nicht zentralisiert werden“, forderte die Verbandspräsidentin, die mehr als 18.500 Mitglieder vertritt.

          Der Verband beobachtet mit Sorge: Immer mehr offene Hebammen-Stellen in der klinischen Geburtshilfe würden nicht mehr nachbesetzt. „Die Arbeitsbedingungen der Hebammen in den Kliniken sind mittlerweile so schlecht, dass viele nicht mehr dort arbeiten möchten“, sagte Klenk. Eine Umfrage habe kürzlich ergeben: Massig Überstunden, zunehmende Teilzeitarbeit, hoher Personalmangel und immer mehr berufsfremde Tätigkeiten seien mittlerweile an der Tagesordnung.

          Hohe Prämien betreffen 3000 Hebammen

          Der Verband fordert auch, präventive Leistungen der Hebammen anzuerkennen und Hebammenhilfe in das derzeit diskutierte Präventionsgesetz aufzunehmen. Von der Raucherentwöhnung über die Ernährung bis zur Bewegung helfen Hebammen laut Klenk bereits ab der Frühschwangerschaft, um Erkrankungen vorzubeugen.

          In den vergangenen Jahren hätten immer mehr freiberufliche Hebammen aufgegeben, weil sie steigende Haftpflichtprämien finanziell unter Druck setzten. Zahlten Hebammen im Jahr 2004 noch 1352 Euro für die Versicherung, ist es heute fast das Vierfache. Die hohen Prämien betreffen jene 3000 der gut 17.000 freiberuflichen Hebammen, die auch Geburtshilfe leisten.

          Krankenkassen können sich Behandlungskosten nach einem Geburtsfehler von der Hebammen-Haftpflicht zurückerstatten lassen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte im Oktober angekündigt, die steigenden Haftpflichtprämien bremsen zu wollen.

          Weitere Themen

          Der neue alte Goetheturm Video-Seite öffnen

          Er steht wieder : Der neue alte Goetheturm

          Nach einem Brandanschlag im Jahr 2017 wurde der Goetheturm in Frankfurt nun wieder errichtet. Der neue Turm soll diesmal robuster sein und somit auch Feuer standhalten können.

          Topmeldungen

          Am Tag der Präsidentschaftswahlen bewacht ein Soldat der Sonderpolizei einen Kontrollpunkt an einer Straße am Stadtrand von Minsk.

          Wahl in Belarus : Der Dauerherrscher greift durch

          Bei der Präsidentenwahl in Belarus soll Amtsinhaber Lukaschenka offiziellen Prognosen zufolge 80 Prozent der Stimmen erhalten haben. Inoffizielle Nachwahlbefragungen hat das Regime verboten. Am Abend nach der Wahl geht das Regime mit Härte gegen Demonstranten vor.

          Trump eskaliert gegen China : Umgang mit Schurken

          Der Umgang des amerikanischen Präsidenten mit der chinesischen Videoplattform Tiktok verärgert Peking schwer. Er muss aber auch alte Freunde verunsichern: Was hindert Trump eigentlich daran, Daimler oder VW die Geschäftstätigkeit in den Vereinigten Staaten zu untersagen?
          Einschulungsfeier in Frankfurt an der Oder

          Schulbeginn : Wie geht es in den Klassenzimmern weiter?

          In vier Bundesländern beginnt in dieser Woche das neue Schuljahr. Es gibt genaue Anweisungen, sogar Verhaltenspsychologen wurden bemüht. Kein Land schließt aus, dass es bei steigenden Infektionszahlen auch für den Unterricht die Maskenpflicht verhängt.
          Anders als die anderen? Es führt oft nicht nur der eine Weg ans Ziel.

          Einsteig in fremde Branchen : Quer ins Glück

          Beratung, Vertrieb, Schule oder Pflege: Für Quereinsteiger gibt es Möglichkeiten zuhauf. Sie sollten sich aber keine falschen Hoffnungen machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.