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Heute in Rhein-Main : Heute in Rhein-Main: Mal eben das Doppelte

Das Papier für die Zeitungsherstellung wird infolge der drohenden Energiekrise knapp. Ein gut gefülltes Lager ist daher geboten. Bild: dpa

Die drohende Energiekrise macht sich bemerkbar: In Wiesbaden wird Erdgas richtig teuer. Und das Papier für die Zeitungsherstellung wird knapp. Die F.A.Z.-Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

          3 Min.

          Guten Abend,
          über diese Post wird sich wohl kaum jemand freuen: Die ESWE Versorgungs AG informiert gerade die Kunden über zu erwartende Tarifanpassungen. In den Schreiben werden Steigerungen von mehr als 100 Prozent angekündigt. Auch das Papier, auf dem die Zeitung gedruckt wird, droht knapp zu werden, weshalb die F.A.Z. schon jetzt Vorbereitungen trifft, um gut durch den Winter zu kommen. Wäre doch schade, wenn Geschichten wie die um Frankfurts ehemaligen Oberbürgermeister Walter Wallmann (CDU), der einst versuchte, ein „städtisches Bordell“ aufzubauen, nicht mehr auf gedrucktem Zeitungspapier gelesen werden könnten.

          Marie Lisa Kehler
          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Der Tag im Überblick:

          Mehr als doppelt so teuer: Dass Gas teurer wird, damit haben viele Kunden gerechnet. Bisher blieb es bei der Ankündigung aber meist bei vagen Prognosen. In den nächsten Tagen werden die ersten Kunden des Versorgers ESWE Post erhalten. In dem Umschlag befindet sich die konkrete Information über eine kräftige Tariferhöhung. Und die fällt heftiger aus als gedacht. Das kommunale Energieversorgungsunternehmen gibt zum 1. Oktober die stark gestiegenen Bezugspreise für Erdgas an seine Kunden weiter. Ein Beispiel: Wurden in einem Singlehaushalt bisher für 8000 Kilowattstunden 788 Euro verlangt, sind es bei gleichem Verbrauch nun 1720 Euro. Eine Steigerung von mehr als 100 Prozent. Wiesbaden-Korrespondent Oliver Bock erklärt, warum ein Wechsel zu einem anderen Anbieter sich wohl kaum auszahlen dürfte; wie sich Kunden verhalten sollten, die fürchten, die Forderungen nicht begleichen zu können, und was es mit einem beigelegten Faltblatt auf sich hat.

          Tonnenweise Papier eingelagert: Die Rechnung ist einfach: ohne Papier keine Tageszeitung. Weil auch der Papiermarkt von der drohenden Energiekrise betroffen ist, laufen bei der F.A.Z. die Vorbereitungen für die kommenden Monate schon auf Hochtouren. Die F.A.Z. GmbH hat damit begonnen, Zeitungspapier einzulagern. Weil die angekauften Rollen riesig sind und der Lagerplatz nicht ausreicht, wurde an der Societäts-Druckerei in Mörfelden-Walldorf ein Zelt aufgestellt, in das nach und nach zusätzlich 1400 Tonnen Zeitungspapier-Rollen gestapelt werden sollen. Auch an den Druckstandorten Potsdam und München werden die Vorräte aufgestockt. So soll der Papierbedarf für drei Monate sichergestellt werden. Schon während der Corona-Pandemie war der Papiermarkt angespannt. Weil an den Kiosken weniger Zeitschriften verkauft und weniger Werbeprospekte gedruckt wurden, ging auch das Aufkommen an Altpapier zurück. Um jedoch Zeitungspapier herstellen zu können, ist Altpapier erforderlich. Die Situation am Altpapiermarkt hatte sich eigentlich wieder entspannt. Nun warten neue Herausforderungen. Denn um Zeitungspapier herstellen zu können, wird Erdgas benötigt. Der Brei aus Fasern, die aus Holz und Altpapier gewonnen werden, muss schließlich getrocknet werden.

          Geschichte eines Problemviertels: Es gibt Geschichten, die gehören eher in ein Buch als in einen Newsletter. Weil sie zu komplex und manchmal auch zu wunderlich sind, um sie in ein paar Zeilen zu erzählen. Diese hier ist so eine. Aber sie gehört eben auch in die heutige Zeit, in der viel über das Frankfurter Bahnhofsviertel und die dort herrschenden Zustände geredet und geschrieben wird. Unser Autor Helmut Schwan hat das Viertel im Wandel miterlebt. Auch in den achtziger Jahren drohte die Lage außer Kontrolle zu geraten. Drogen, Kriminalität, Prostitution – eine eigene, kleine Parallelwelt war entstanden. Dem damals amtierenden Oberbürgermeister Walter Wallmann (CDU) reichte es Mitte der achtziger Jahre. Mit einem abenteuerlichen Plan wollte er versuchen, die Lage im Viertel wieder unter Kontrolle zu bringen. Einer seiner Ideen: Die Prostitution sollte aus dem Bahnhofsviertel verbannt werden. Stattdessen sollte an der Kreuzung zur Breiten Gasse ein Großbordell entstehen – mit dem Einverständnis der Stadt. Ein Immobiliendeal, der noch lange Zeit für Unruhen sorgte. War der Plan etwa zustande gekommen, weil sich die Stadtpolitiker mit den Bossen aus dem Milieu eingelassen hatten? Jahre später, längst hatte die Regierung wieder gewechselt, ließ die Justiz Büros und Etablissements im Bahnhofsviertel nach Beweisen für den Verdacht durchsuchen, es bestehe ein Geflecht der Korruption zwischen städtischen Amtsträgern und der Halbwelt. Stoff, aus dem sonst Hollywoodfilme gemacht werden – oder eben ein fünfteiliger Fernsehthriller. Regisseur Dieter Wedel nahm den Fall Mitte der neunziger Jahre zum Anlass, daraus seine Serie „Der Schattenmann“ mit Mario Adorf als Unterweltgröße zu produzieren. Was aus dem städtischen Großbordell geworden ist und ob dort jemals das Geschäft mit dem Sex betrieben wurde, haben wir ausführlich aufgeschrieben.

          Und außerdem ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen einen Polizisten, der vor einigen Tagen einen 23 Jahre alten Mann bei einem Einsatz im Bahnhofsviertel erschossen hat +++ gibt es in Hessen kaum einsatzbereite Schutzräume, von 77 der hessischen Bunker sind schon 62 entwidmet +++ schafft es die Frankfurter Tafel kaum noch, Bedürftige mit Essen zu versorgen.

          Bleiben Sie gesund,

          Marie Lisa Kehler

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          Das Wetter für Dienstag

          Fast den ganzen Tag über intensiver Sonnenschein und ab und zu Schönwetterwolken. Bei Höchsttemperaturen von 31 bis 33 Grad wird es heiß.

          Geburtstag haben am

          Dienstag, 16. August

          Bärbel Grässlin, Galeristin in Frankfurt (68); Hans Nolte, Gründer und Geschäftsführer der Hahn Air Lines GmbH, Dreieich (67); Ulrich Peters, Geschäftsführer der Licher Privatbrauerei (56); Mariana Harder-Kühnel (AfD), Mitglied des Deutschen Bundestags, Gelnhausen (48); Jochen Ruths, Präsident des Handelsverbands Hessen, Wiesbaden (47).

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