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Heute in Rhein-Main : In Frankfurt hofft die CDU auf die FDP

Der Magistrat im Römer wird wohl nicht mehr so aussehen wie vor der Wahl. Bild: Lucas Bäuml

Ein unerwartetes Bündnis kündigt sich im Frankfurter Römer an. Die Corona-Zahlen steigen stark an. Vor 500 Jahren lief Martin Luther durch Hessen. Die F.A.Z.-Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

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          Guten Abend,
          schade eigentlich. Auf den ersten Blick sah die Farbkombination der „V-Ampel“ der Flagge von Mauritius ziemlich ähnlich, bei genauerem Hinsehen dann aber doch nicht. Sei’s drum, eine schicke exotische Adaption wird sich bestimmt noch finden lassen, falls dieses Bündnis im Frankfurter Römer tatsächlich zusammenfindet. Denn das ist noch lange nicht ausgemacht, obwohl die Grünen als die neue starke Kraft im Römer Zuversicht verbreiten. Am Freitagabend kommt es bei ihnen zum Schwur, wenn die Kreismitgliederversammlung über die Idee abstimmt, mit SPD, FDP und Volt (daher das „V“ vor der Ampel) in Koalitionsverhandlungen einzutreten. Mechthild Harting schreibt in ihrem Kommentar, gerade die Frankfurter Grünen hätten jahrelange Erfahrung damit, die Basis einzubeziehen und zu Wort kommen zu lassen und dennoch verlässlicher Partner in Koalitionen im Römer zu sein.

          Helmut Schwan
          (hs.), Rhein-Main-Zeitung

          Die CDU, der große Verlierer der Sondierung, weil als langjähriger Partner der Grünen in Frankfurt ausgebootet, schwankt derweil in ihrer Gemütslage zwischen „enttäuscht“ und „angriffslustig“. Die Hoffnung der Union ruht jetzt vor allem auf den bürgerlichen Kreisen der FDP. Dieser Juniorpartner der „Ampel plus“ stellt sich am Montag dem Votum seines Kreisvorstandes, später sollen auch noch die Mitglieder der Liberalen gehört werden. Und die SPD? Schweigen, wohin man fragt. Mitunter gibt es statt Antworten Versuche, über Apfelwein oder den FC St. Pauli zu sprechen. Ansonsten bleiben die Genossen bis ins OB-Büro eisern bei „kein Kommentar“. Kann man ja verstehen. Die SPD war am Wahlabend eigentlich schon draußen, als sich eine Regierungsmehrheit für die vermeintliche Wunschpartnerschaft Schwarz-Grün abzuzeichnen schien. Jetzt soll alles vermieden werden, was mit einer flapsigen Bemerkung die unverhoffte Chance zum Weitermachen noch kaputt machen könnte. 

          All diese Reaktionen, Befindlichkeiten und strategischen Überlegungen hat die Redaktion der Rhein-Main-Zeitung zusammengetragen. Und wir zeigen eine Galerie des bisherigen Magistrats, den es in dieser Zusammensetzung in einigen Wochen nicht mehr geben dürfte. Aber, wie gesagt, vor voreiligen Schlüssen wird gewarnt: Die Fortsetzung der bisherigen Koalition ist längst nicht nur eine theoretische Option.

          So bitter das ist, aber jeder Tag, in dem der politische Betrieb in einer Stadt wie Frankfurt ruht oder zumindest lahmt, kann böse Folgen haben. Corona lässt nicht locker, nimmt keine Rücksicht auf Wahlen und ihre Folgen. Die Inzidenz der Stadt liegt inzwischen wieder über 150, landesweit sind es sogar schon 166 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern binnen einer Woche. Umso wichtiger wird, dass es mit dem  Impfen endlich voran geht. Monika Ganster hat im Innenministerium nachgefragt, wie es auf die große Zahl der nicht wahrgenommenen Termine für den Impfstoff von Astra-Zeneca reagieren will. Mit einem Dreiklang: Nachrückerlisten, Sondertermine und bewusste Überbuchungen in den Zentren sollen dem Missstand abhelfen. Schließlich warten noch Hunderttausende, die nach der Prioritätenliste eigentlich schon an der Reihe wären, auf einen Termin. 

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