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Heute in Rhein-Main : Flügel am Hahn gestutzt

Insolvent: der Flughafen Hahn. Bild: dpa

Der Flughafen Hahn meldet Insolvenz an. Adventskzerzen haben Konjunktur. Und die Buchmesse öffnet die Hallen. Die F.A.Z.-Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

          3 Min.

          Guten Abend,

          Marie Lisa Kehler
          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          was konnte er einem leidtun, der junge Reisende, der erst in der Bahn zum Frankfurter Flughafen realisierte, dass sein Flug ab Frankfurt Hahn abflog. Ohne ihn, wie er schnell einsehen musste. Da half es auch nicht, dass alle Mitreisenden sofort versuchten, ihm eine Mitfahrgelegenheit zu organisieren. Oder zumindest einen Shuttle-Bus. Der eingeplante Zeitpuffer reichte nicht. Geschichten wie diese gibt es viele rund um den Flughafen Hahn.

          Nun hat die chinesische Geschäftsleitung des Flughafens Hahn im Hunsrück beim Amtsgericht Bad Kreuznach Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Auch der Flughafenbetriebsleiter Christoph Goetzmann hat die Eröffnung des Verfahrens bestätigt. Wie es weitergehen soll, dazu schweigt er. Das Auskunftsrecht liege bei dem vorläufigen Insolvenzverwalter. Diesem obliegt es ebenfalls, das Unternehmen so lange zu betreiben, bis entschieden ist, ob überhaupt ein Insolvenzverfahren eröffnet wird. Er kann aber auch, zumindest theoretisch, eine schnelle Stilllegung des Betriebs befürworten, um zu verhindern, dass weiter Geld „verbrannt“ wird. 

          Dass es schon lange nicht mehr gut um den Flughafen bestellt war, ist kein Geheimnis. Ein Grund lag im Strategiewechsel der Billigfluglinie Ryanair. Diese wollte weg von Regionalflughäfen hin zu den großen Flughäfen wie Frankfurt. Hessen hält noch 17,5 Prozent an dem Flughafen, hat aber keine finanziellen Verpflichtungen, wie Flughafenexperte Jochen Remmert schreibt.

          Die Buchmesse eröffnet

          In Hahn wird auch der ein oder andere Buchmessenbesucher gelandet sein. Immerhin werden bis zu 125.000 Besucher in den nächsten Tagen erwartet. Eine beeindruckende Zahl, so die erste Reaktion. Schließlich ist es kaum ein Jahr her, dass selbst ein Treffen mit den engsten Freunden zu einer illegalen Veranstaltung wurde. Besucherrekorde wird diese Buchmesse aber definitiv nicht brechen. Und doch gibt sie Anlass zur Hoffnung.

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          Sonntags bis donnerstags um 21.00 Uhr

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          2000 Aussteller aus 80 Ländern werden vertreten sein. 2019 waren es noch 7500 Aussteller. „Back to business ist noch lange nicht back to normal“, sagt Buchmessendirektor Juergen Boss. Es sind nicht die nackten Zahlen, die eine Buchmesse zu einem Erfolg machen, sondern die Menschen, die sie besuchen. Menschen, die am Rande des offiziellen Programms in Kontakt kommen und sich vernetzten. Manchmal ist auch das Nicht-Erscheinen einer Autorin das, was für Schlagzeilen sorgt. So hat Aktivistin Jasmina Kuhnke, deren Twitterkonto mehr als 100.000 Follower zählt, erst am Montag mitgeteilt, dass sie ihren Debütroman „Schwarzes Herz“ nicht auf der Messe vorstellen werde. Sie werde regelmäßig von Rechtsradikalen bedroht und fühle ich durch die Präsenz des Verlags Jungeuropa nicht sicher. Das hat eine Debatte ausgelöst: Wo hört Meinungsfreiheit auf? Florian Balke hat die Stimmung auf der Messe eingefangen.

          Wo lesen Sie eigentlich die wirklich dicken Romane? Auf der Couch? Im Bett? Lesen hat etwas mit Genuss zu tun. Mit Zeit. Manch einer mag es, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen. Hier noch eine Kerze angezündet, da noch ein Zusatzkissen für den Rücken organisiert, im Winter sorgt eine Lichterkette für heimelige Stimmung. Dekoartikel haben zwar keine wirkliche Funktion, finden aber trotzdem ihre Abnehmer. Wer sucht, was er eigentlich nicht braucht, wohl aber will, der wäre bei Jürgen Andreas richtig. Er betreibt mit seiner Familie einen Großhandel für Dekorationsartikel. Die Formulierung „wäre richtig“ klingt deshalb so vorsichtig, weil die großen Hallen, in der er die rund 45.000 Artikel anbietet, nur Gewerbetreibenden zugänglich sind. Inga Janovic hat es trotzdem rein geschafft. Sie erklärt anhand des Beispiels von „Deko-Andreas“, wieso sich ausgerechnet in Dietzenbach die ganze wirtschaftliche Weltlage abbildet.

          Messeabsagen in Asien, Lieferschwierigkeiten aus Übersee, Lockdown und der Mangel an Mikrochips – alles, was in der globalen Welt passiert, bekommt der Unternehmer früh zu spüren. Auch den für ihn positiven Trend, lieber in Qualität als in Wegwerfprodukte zu investieren. Übrigens: Jürgen Andreas warnt vor einem Engpass bei Adventskerzen. Denn der Wachs wird unter anderem aus einem Nebenprodukt der Kerosinherstellung gewonnen. Von dem Treibstoff wurde im vergangenen Jahr weniger gebraucht, weshalb es nun auch weniger Wachs gibt. Nur so ein Tipp. Weihnachten steht ja schließlich schon vor der Tür. 

          Und außerdem will die Landesregierung in mehreren hessischen Großstädten die Finanzämter zusammenlegen +++ bremsen Baustellen in der Frankfurter Innenstadt und der Umbau zur fahrradfreundlichen Stadt den Verkehr vor allem am Mainufer häufig aus +++ eröffnete Bundeskanzlerin Angela Merkel vor zehn Jahren die Nordwest-Landebahn des Flughafens.

          Bleiben Sie gesund,

          Marie Lisa Kehler

          Das Wetter für Mittwoch

          Dichte Wolken bestimmen den Tag, böig auffrischender Wind und kräftige Schauer den Tag. Werte bei maximal 19 Grad.

          Geburtstag haben am

          Mittwoch, 20. Oktober

          Peter Eschberg, Ehrenmitglied des Frankfurter Schauspiels und langjähriger Intendant (85); Jürgen Schäfer, Geschäftsführer der Agaplesion Frankfurter Diakonie-Kliniken (61); Bettina Wiesmann (CDU), scheidendes Mitglied des Deutschen Bundestags (Wahlkreis Frankfurt am Main II) (55); Severin Groebner, in Frankfurt lebender Kabarettist (52); Tobias Jäkel, Geschäftsführer der Gastronomiekette MoschMosch, Frankfurt (48).

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