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Heusenstamm : Erster türkischstämmiger Bürgermeister Hessens

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Freundliche Übergabe: Peter Jakoby überreicht seinem Nachfolger Öztas den symbolischen Rathausschlüssel. Bild: Rainer Wohlfahrt

Halil Öztas heißt der neue Chef im Rathaus von Heusenstamm. Als SPD-Mann führt er nun die CDU-dominierte Koalition. Bei der Amtseinführung verrät er, wie man seinen Nachnamen richtig ausspricht.

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          Der künftige Bürgermeister von Heusenstamm Halil Öztas (SPD) hat am Freitagabend bekräftigt, dass er sich im Amt neutral und überparteilich verhalten werde. Dies habe er immer angekündigt, und „das waren keine Lippenbekenntnisse“. In einer feierlichen Stadtverordnetensitzung im Kultur- und Sportzentrum Martinsee wurde Öztas von Stadtverordnetenvorsteherin Ingrid Hennighausen (CDU) und dem scheidenden Bürgermeister Peter Jakoby (CDU) ins Amt eingeführt. Eine Woche zuvor war Jakoby an gleicher Stelle verabschiedet worden. Am 1. Januar tritt Öztas seine Nachfolge an.

          Bewährtes wolle er nicht verändern, denn er kenne Heusenstamm und die Bedürfnisse der hier lebenden Menschen, machte der 38 Jahre alte Rechtsanwalt deutlich, der als Sohn türkischer Eltern in Frankfurt geboren wurde. Allerdings müsse man Bewährtes „vielleicht auch anpassen“, wenn dies nötig sei. Seinen Amtseid legte Öztas vor rund 600 Zuhörern mit religiöser Beteuerung („so wahr mir Gott helfe“) ab.

          Wahlausgang war für viele Bürger eine Überraschung

          Der 65 Jahre alte Jakoby war zwölf Jahre Bürgermeister von Heusenstamm. Er hatte darauf verzichtet, noch einmal zu kandidieren. Bei der Stichwahl im Oktober setzte sich Öztas mit 55 Prozent gegen den CDU-Kandidaten Uwe Giebl durch, der auf 45 Prozent kam. In der Stadtverordnetenversammlung arbeiten CDU und SPD in einer Koalition zusammen. Die CDU stellt 17 der 37 Stadtverordneten und damit mehr als doppelt so viele wie die SPD, deren Fraktion sieben Mandatsträger angehören. Heusenstamm gilt als CDU-Hochburg. Öztas sprach von einer „historischen Entscheidung“: Er wird erster SPD-Bürgermeister in Heusenstamm seit 1948. Gleichzeitig ist er der erste türkischstämmige Bürgermeister in Hessen und wohl der zweite in ganz Deutschland.

          Dass er einen „Migrationshintergrund“ habe, treffe aber nicht zu, hob Öztas hervor: Frankfurt sei schließlich nur wenige Kilometer von Heusenstamm entfernt. Nach seiner Einschätzung dürfte Bundeskanzlerin Merkel einen größeren Migrationshintergrund haben, „weil sie aus Mecklenburg-Vorpommern kommt“. Öztas sagte, er habe türkische Wurzeln, „aber ich bin doch Deutscher“. Er dankte seinen ursprünglich drei Konkurrenten, die zu einer spannenden Wahl beigetragen hätten, und würdigte Jakoby, der deutliche Spuren hinterlassen habe. Er werde sich anstrengen müssen, um die gleiche Anerkennung wie sein Amtsvorgänger zu erhalten. Dann verriet er, wie sein Nachname richtig ausgesprochen wird („Ößtasch“) und dass dies „echter Stein“ bedeute. Als Bürgermeister wolle er ein „Stein in der Brandung“ für alle Bedürftigen sein.

          Vorsteherin Hennighausen erinnerte daran, dass der Wahlausgang für viele Bürger eine Überraschung gewesen sei. In der Stadtverordnetenversammlung herrsche ein „guter politischer Ton“, obwohl auch kontroverse Diskussionen geführt würden. Jakoby übergab Öztas einen symbolischen Rathausschlüssel und wünschte ihm „viel Mut und Entscheidungsfreude“. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Rolf Lang gab sich überzeugt, dass Öztas eine lange und erfolgreiche Zeit als Bürgermeister vor sich habe. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Lothar Fella bot Zusammenarbeit an. Der Wahlausgang bedeute eine Zäsur für Heusenstamm, machte Heinrich Wilke-Zimmermann (Die Grünen) deutlich. Willi Seidewitz (Freie Wähler Heusenstamm) ließ erkennen, seine Fraktion könne mit der Wahlentscheidung „ganz gut umgehen“. Uwe Klein (FDP) äußerte den Wunsch, Öztas möge sich nicht von einer oder zwei Parteien vereinnahmen lassen.

          Öztas sei „der beste Mann für Heusenstamm“

          Der hauptamtliche Kreisbeigeordnete Carsten Müller (SPD), der einen Flugschein besitzt, lud Öztas zum Rundflug über den Kreis Offenbach ein. Öztas nahm das Angebot an, ließ aber wissen, er werde das Steuer über Heusenstamm selbst in die Hand nehmen. Auch die Geschäftsführenden Direktoren des Hessischen Städtetags, Stephan Gieseler (CDU), und des Hessischen Städte- und Gemeindebunds, Karl-Christian Schelzke (SPD), wünschten Öztas alles Gute. Nach Gieselers Worten ist Öztas „der beste Mann für Heusenstamm“. Der Hainburger Bürgermeister Bernhard Bessel (CDU), der für die Bürgermeister im Kreis sprach, sagte, Öztas trete „in große Fußstapfen“.

          Der Vizepräsident des Hessischen Fußball-Verbands Torsten Becker würdigte Öztas’ Tätigkeit als Schiedsrichter und ehrenamtlicher Vorsitzender des Verbandsgerichts. Öztas habe nun „einen Vertrag bei einem neuen Verein unterschrieben“.

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