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Hessisches Umweltministerium : Entwarnung für Trinkwasser aus dem Ried

Spurensuche: Ein Mitarbeiter der Kläranlage Büttelborn entnimmt eine Probe. Bild: dpa

Das Trinkwasser aus dem Ried, das ein großer Teil des Rhein-Main-Gebietes bezieht, ist unbedenklich. Das ergeben Untersuchungen des Umweltministeriums. Doch der BUND hält die Tests für zu wenig umfangreich.

          Das Grundwasser im Ried ist unbedenklich. Das ergaben jedenfalls Untersuchungen, die das hessische Umweltministerium veranlasst hatte. Die Entwarnung betrifft den großen Teil des Rhein-Main-Gebietes, der sein Trinkwasser aus dem Ried bezieht.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Dikegulac heißt der Wirkstoff, der seit den sechziger Jahren als Abfallprodukt des Darmstädter Unternehmens Merck in das Abwasser gelangte. Die Herstellung wurde 1999 eingestellt. Doch gegen Ende des vergangenen Jahres tauchte das Mittel, das auch das Wachstum von Gräsern und anderen Pflanzen hemmt, wieder auf.

          Nach dem trockenen Sommer hatte ein Betrieb im Kreis Groß-Gerau seinen Spinat besonders intensiv beregnet. Weil das dafür von ihm genutzte Grundwasser den Stoff enthielt, war auch der Spinat entsprechend belastet. Dass er im Beregnungswasser mit einer Konzentration auftreten könnte, die den Verkauf von Feldfrüchten verhinderte, war überraschend und lenkte den Blick auf die bis dahin in der Öffentlichkeit kaum beachtete Altlastenproblematik.

          In keinem Fall überschritten

          „Eine hierzu erstellte Gefährdungsbeurteilung ergab, dass von der Belastung dieses Spinats keine akute Gesundheitsgefährdung ausgeht“, stellt Hinz fest. Es sei ihr aber wichtig gewesen, weitere Erkenntnisse über die Dikegulac-Konzentrationen zu ermitteln. Darum habe ihr Haus das Regierungspräsidium Darmstadt mit einer repräsentativen Untersuchung beauftragt.

          In Zusammenarbeit mit dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie wurden im Februar und März an sämtlichen Messstellen, den Stationen eines Wasserversorgers und den Beregnungsbrunnen 48 Proben genommen. Der Trinkwasserleitwert wurde nach den Angaben der Ministerin in keinem Fall überschritten. Er gibt die Höchstkonzentration im Trinkwasser an, die ein Leben lang ohne Gesundheitsschädigung aufgenommen werden kann.

          Ströme genau betrachten

          In allen Grundwassermessstellen sei die Dikegulac-Konzentration rückläufig. Im Sediment des Baches Landgraben sei der Stoff überhaupt nicht mehr nachgewiesen worden. Von den untersuchten Beregnungsbrunnen überschritt nur eine Probe den Zielwert für Trinkwasser von 50 Mikrogramm pro Liter. Er stellt den tolerierbaren Wert für Trinkwasser unter Beachtung des Minimierungsgebotes der Trinkwasserverordnung dar. Die untersuchten Messstellen lieferten insgesamt eine repräsentative Übersicht zur Belastungssituation, sagte Hinz.

          Im Einzelnen habe sich gezeigt, dass die Schwerpunkte der Konzentration sich am Landgraben entlang mit der Fließrichtung des Grundwassers zum Rhein hin bewegten. Hinz will die Konzentrationen im Grundwasser nun modellieren lassen. Dabei sollen die Ströme so genau betrachtet werden, dass sich die weitere Entwicklung der Konzentration abschätzen lässt. Mit diesem Wissen könne man die Beregnungsbetriebe frühzeitig auf möglicherweise erhöhte Werte im Einzugsgebiet ihrer Brunnen hinweisen, so die Ministerin.

          Noch nicht identifiziert worden

          Sie kündigte eine Studie zu der Frage an, ob eine Sanierung des Landgrabens notwendig und machbar sei. Der Bach führt vor allem geklärtes Abwasser und zählt zu den schmutzigsten in Deutschland. Auch die in der Vergangenheit schon erstellten einschlägigen Gutachten und die aktuelle Belastungssituation sollen berücksichtigt werden.

          Der hessische Bund für Umwelt und Naturschutz zeigt sich kritisch. Die Umweltministerin dürfe nicht nur nach schädlichen Vorkommen von Dikegulac suchen, sondern müsse die Untersuchung auf zahlreiche weitere Schadstoffe ausdehnen, sagte Hans-Joachim Grommelt, der Sprecher des Arbeitskreises Wasser, gestern. 114 organische Mikroschadstoffe seien grundsätzlich nachgewiesen. Dazu gehörten Rückstände von Arzneimitteln, Pestiziden und Süßstoffen sowie Industrie- und Haushaltschemikalien. Eine Vielzahl von Substanzen sei noch nicht identifiziert worden, darunter auch bis zu 235 Stoffe aus dem Abwasser der Firma Merck.

          Grommelt hält die strikte Anwendung des Vorsorgegrundsatzes für erforderlich, damit verschmutzte Grundwasserkörper möglichst schnell identifiziert würden. „Die Altlasten der Vergangenheit sind größer, als wir bisher angenommen haben.“ Im Übrigen komme es nicht nur auf die Auswirkungen von Dikegulag auf Mensch und Tier an, sondern auch auf die Gefährdung der Pflanzen. Die dafür geltenden Grenzwerte lägen viel niedriger.

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