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Ausstellung über Lebenslauf : Wachstum, Metamorphose und Alter

  • -Aktualisiert am

Augenblick: Nahaufnahme eines gepunkteten Laubfrosches aus Bolivien Bild: Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Wachstum, Metamorphose, Alter: Die Ausstellung „Stages“ im Hessischen Landesmuseum thematisiert den Lebenslauf unterschiedlicher Organismen.

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          Hohläugige Gesichter starren den Besucher an. Die Galerie der Schädel nimmt eine ganze Wand ein, einer neben dem anderen, Reihe über Reihe. Wer davorsteht, weiß gar nicht, wohin er schauen soll, der Blick springt von einem Totenkopf zum nächsten. Doch nicht um menschliche Schädel handelt es sich, sondern um Köpfe von Affen. 300 Exemplare hat das Landesmuseum Darmstadt für seine Ausstellung „Stages“ aufgebaut. Die Schädel von Schimpansen stammen aus Liberia, von wo sie die Ethnologen Ulrike und Hans Himmelheber in den fünfziger Jahren mitgebracht hatten. Die Forscher hatten die Knochen von zwei Stämmen erhalten, zu deren Lebensweise es gehört, sich von Affen zu ernähren und dabei auch das Gehirn zu verspeisen. Die Schädel werden als Trophäen aufgehoben.

          Die Parade der Totenköpfe ist mehr als ein Gruselkabinett. Wer genau hinsieht, erkennt Unterschiede bei den Schädelformen, obwohl alle Stücke von Schimpansen stammen. Die Unterschiede deuten auf das Alter der Affen hin. Ganz junge Tiere haben einen eher runden Kopf. Bei der Entwicklung bis zum ausgewachsenen Tier wird der Schädel flach, und die Schnauze mit dem kräftigen Gebiss schiebt sich nach vorne, die Knochenwülste über den Augen entstehen.

          In dreißigfacher Vergrößerung

          So werden die Köpfe zu Anschauungsobjekten, welche die Veränderungen während des Alterns augenfällig machen. Die 300 Affenschädel, die der Frankfurter und der Gießener Universität gehören, sind zum ersten Mal als komplette Sammlung ausgestellt. Eine Grafik an der Wand macht deutlich: In einem frühen Stadium der Embryonen ähneln sich die Köpfe von Schimpansen und Menschen sehr, die unterschiedliche Kopfform entsteht erst später, beim Affen flach, beim Menschen rund, um genug Platz für das größere Gehirn zu schaffen.

          Eine andere Abteilung der Schau widmet sich dem Thema Metamorphosen. Lebewesen wie Insekten und Frösche machen, bevor sie zum ausgewachsenen Tier werden, ein Larvenstadium durch, in dem sie eine gänzlich andere Gestalt haben. Ausgestellt sind Kaulquappen und Frösche als Präparate, die zu vier unterschiedlich großen Arten aus Europa, Afrika, Asien und Südamerika gehören. Die Kaulquappen, also die Körper im Larvenstadium, sind auch dreißigfach vergrößert als Modelle aus Kunstharz zu sehen. Ihre teils durchsichtigen Leiber ähneln in der Form denen von Fischen – schließlich leben die Larven im Wasser, bevor sie als ausgewachsene Amphibien zu Landlebewesen werden. Auch Insekten machen ein Larvenstadium und eine Umwandlung durch, wie das Modell einer Schmetterlingslarve in zwanzigfacher Vergrößerung zeigt.

          Noch im schützenden Mutterleib: Embryo einer Maus Bilderstrecke

          Das dritte große Thema von „Stages“ ist das Alter. Durch einen Vergleich wird deutlich, wie unterschiedlich alt Lebewesen werden können. Nach und nach werden verschiedene präparierte Tiere angestrahlt, deren Lebenserwartung auf einer Leinwand erklärt wird. Der Mensch, symbolisiert durch ein Skelett, wird im Durchschnitt 71 Jahre alt, als Maximalalter sind 122 Jahre angegeben. Damit bleibt dem Menschen mehr Zeit als vielen Wirbeltieren: Dem Feldhasen sind zwölf Jahre beschieden, dem Bison immerhin 40 Jahre. Das Wirbeltier, das am ältesten werden kann, ist der Eishai, auch Grönlandhai genannt, der bis zu 600 Jahre auf dem Buckel haben kann. Doch auch das wird weit übertroffen von einem anderen Lebewesen, das im Meer lebt. Der antarktische Riesenschwamm, der bis zu zwei Meter lang wird, hat die Chance, bis zu 15.000 Jahre lang zu leben.

          „Stages - Episoden des Lebens“

          bis 27. Januar 2019. Darmstadt, Landesmuseum, Friedensplatz. Öffnungszeiten: dienstags, donnerstags und freitags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs von 10 bis 20 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr.

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