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Hessischer Wald : Hessenforst ist gegen die „Stilllegung“ von Wäldern

  • -Aktualisiert am

Bestimmte Hölzer haben bestimmte Eigenschaften und sind daher erhaltenswert: wie das Mondholz im Taunus bei Königstein. Bild: dpa

Der Landesbetrieb will seine Wirtschaftlichkeit bewahren. 210 000 Habitatbäume werden als Lebensräume von Fauna und Flora markiert. Das ergibt ein Netz aus kleinen Schutzgebieten.

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          Der Landesbetrieb Hessenforst wehrt sich gegen Forderungen von Naturschützern, große Waldflächen aus der forstlichen Bewirtschaftung zu nehmen, um die Natur dort sich selbst zu überlassen. Der Landesbetrieb hat nach Überzeugung des Leiters Michael Gerst einen „besseren Ansatz“ zum Schutz der Natur und zum Erhalt der Artenvielfalt. Im Mittelpunkt des Konzepts stehen zwei Strategien: die Ausweisung Tausender sogenannter Habitatbäume und eines Netzes kleinerer Waldflächen, auf denen die Förster künftig keine Bäume mehr fällen wollen.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Im Sinne der Biodiversität sei das wirksamer, als einfach nur größere Waldflächen aus der Bewirtschaftung zu nehmen, sagt Gerst. Nach Angaben des Forstmanns wird Hessenforst bis Ende nächsten Jahres in mehr als 100 Jahre alten Laubwaldgebieten jeweils drei Habitatbäume je Hektar ausweisen. Landesweit werden so im Staatswald rund 210 000 Bäume mit einem großen „H“ gekennzeichnet und als Lebensräume von Fauna und Flora markiert. Das Netz kleinerer und mittlerer Waldflächen, auf denen Hessenforst freiwillig auf die Bewirtschaftung verzichtet, soll am Ende 20 000 Hektar umfassen - maximal.

          Die Gesamtkosten belaufen sich auf mehr als 54 Millionen Euro

          Gerst will mit der Strategie weitergehende Forderungen der Naturschützer abwehren und die Wirtschaftlichkeit auf 342 000 Hektar Staatswald bewahren. Seiner Ansicht nach geht Hessenforst damit über die Forderung der Naturschutzverbände hinaus, den gesamten Staatswald nach den strengen FSC-Richtlinien zu bewirtschaften und zertifizieren zu lassen.

          Aus dem Forstamt Dieburg, wo dieses Bewirtschaftungssystem derzeit erprobt wird, liegt ein erster Zwischenbericht vor, der für Gerst bestätigt, dass Hessenforst grundsätzlich keine Schwierigkeiten hätte, dieses Zertifikat für den gesamten Staatswald zu erlangen. Er warnt allerdings weiterhin vor gravierenden Wirkungen auf das Betriebsergebnis von Hessenforst. Schon vor zwei Jahren hatte er der Landespolitik vorgerechnet, dass der von FSC geforderte Umbau des Waldes 7,8 Millionen Euro kosten werde. Insgesamt veranschlagte Hessenforst Kosten in Höhe von jährlich 10,9 Millionen Euro, dazu den Verlust von rund 450 Arbeitsplätzen. Die Gesamtkosten erreichten unter Berücksichtigung der Arbeitsplatzverluste und der Kohlendioxidbilanz mehr als 54 Millionen Euro.

          Die Zahl der Waldarbeiter wird sich noch halbieren

          Zwölf Jahre nach seiner Gründung hat sich die finanzielle Lage von Hessenforst stabilisiert. Im vergangenen Jahr erzielte der Staatsbetrieb bei einem Umsatz von 234 Millionen Euro ein Jahresergebnis von 24,9 Millionen, das zum größten Teil genutzt wurde, um Rücklagen aufzustocken. Allein aus dem Holzverkauf im Staatswald hat Hessenforst 146 Millionen Euro erlöst. Gerst spricht von einer stabilen Lage und einer positiven Entwicklung des Landesbetriebs, doch das Unternehmen steht wegen einer Pensionierungswelle nach 2018 vor großen Herausforderungen.

          Begonnen hatte Hessenforst 2001 mit mehr als 3000 Mitarbeitern, inzwischen sind es weniger als 2000. Doch nun rächt sich, dass wegen zweier einschneidender Forstreformen zwischen 1995 und 2005 nahezu keine jungen Mitarbeiter mehr eingestellt wurden. Hessenforst ist personell überaltert und wird mit einem absehbaren Fachkräftemangel konfrontiert.

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