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Hessischer Rundfunk : Nur die Selbsthilfegruppe Führerscheinentzug fehlt

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Alle ganz Ohr: Die Rundfunkräte lauschen dem Intendanten (rechts außen). Bild: Eilmes, Wolfgang

Diese Drombuschs: Einmal im Jahr tagt das oberste Kontrollgremium des Hessischen Rundfunks öffentlich - der Rundfunkrat. Von einem Ausschuss, der einen Querschnitt der gesamten hessischen Bevölkerung nachbilden will.

          Der Versuch, ein ganzes Bundesland sich in einem einzigen Gremium spiegeln zu lassen (und dessen Besetzung auch noch so zu steuern, dass sie der seinerzeitigen CDU/FDP-Landesregierung helfen sollte), hat etwas so Absurdes, dass man es nicht oft genug in Augenschein nehmen kann. Gelegenheit dazu bot wieder die alljährliche öffentliche Sitzung des Rundfunkrates des Hessischen Rundfunks. Die katholische Kirche, die freien Berufe, der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte, der Bund der Vertriebenen sind vertreten, auch das Freie Deutsche Hochstift, nicht dagegen Städel oder Senckenberg. Die Lehrer dürfen in dem Gremium ihre Stimmen erheben, die Gewerkschafter, die Handwerker, die Unternehmer, die Sportler. Es fehlen unter den 30 Räten eigentlich nur die nicht niedergelassenen Anwälte und Wirtschaftsprüfer, die Interessengemeinschaft der Übergewichtigen und die Selbsthilfegruppe Führerscheinentzug.

          Welch ein Glück, dass Ministerin (wofür nochmal?) Lucia Puttrich nicht für die CDU hier unbeteiligt in den Sitzungssaal K1 schaut, sondern für die Landesregierung. Auch Thorsten Schäfer-Gümbel und Andrea Ypsilanti vertreten hier keine sozialdemokratischen Interessen, sondern den Landtag. Und für wen meldet sich die frühere Bad Homburger Oberbürgermeisterin Ursula Jungherr (CDU) zu Wort? Für Bad Homburg und die CDU? Nein, für den Landesmusikrat. Aber auch der Landesfrauenrat, der sich neckisch LandesFrauenRat schreibt und von dem man wirklich noch nie gehört hat, ist vertreten und ebenso der Hessische Volkshochschulverband, der gewiss genau so unersetzlich ist für die Kontrolle des Hessischen Rundfunks wie die Gewerkschaft GEW.

          Ein Minus besser als geplant

          Doch nun hat der Intendant das Wort. Wie gut, dass Helmut Reitze von Haus aus Journalist und nicht Jurist ist, denn er schildert die Lage seines Senders verständlich und beinahe unterhaltsam. Die Lage – das ist immer das Geld, und das Geld ist immer knapp. Drei Faktoren sind es, sagt Reitze, die die finanzielle Lage bestimmen: ein Plus im operativen Geschäft, also bei den laufenden Ausgaben und im Programm; ein fettes Minus bei den Rückstellungen für die Pensionen infolge der niedrigen Zinsen; und schließlich hat der Sender Mehreinnahmen durch die Umstellung der Rundfunkgebühren, darf an diese Gelder aber vorerst nicht heran, sondern muss sie zurückstellen. Unter dem Strich, sagt der Intendant mit der ewigen Fliege, ergibt sich ein Minus von knapp 6,3 Millionen Euro, das aber wiederum um 8,4 Millionen besser ist als geplant.

          Da macht es Reitze doch sichtlich mehr Spaß, über das Programm zu reden. Der Hessische Rundfunk hat unter seiner Ägide deutlich an Zuspruch gewonnen. Mit 7,2 Prozent Marktanteil erzielte das Hessen-Fernsehen den höchsten Marktanteil, seit 1989 die private Konkurrenz ins Fernsehgeschäft kam. Zwar verschweigt Reitze, dass der Privatsender RadioFFH vor 25 Jahren aus dem Nichts dem HR im Radioprogramm die Marktführerschaft abnahm und sie bis heute hält, aber er kann doch darauf verweisen, dass die sechs HR-Radioprogramme je Werktag von insgesamt 2,4 Millionen Hörern eingeschaltet werden. Solche Erfolge verkündet Reitze in Gegenwart des Radiodirektors Heinz Sommer vielleicht nicht so gern, weil sich die beiden nicht besonders gut verstehen. Im Jahr 2002 waren sie als Nachfolger von Klaus Berg bei der Wahl zum Intendanten gegeneinander angetreten; Reitze kam auf 15, Sommer auf 14 Stimmen. In der Zwischenzeit hat Sommer sogar darauf verzichtet, stellvertretender Intendant zu sein, diese Aufgabe nimmt nun Fernsehdirektor Manfred Krupp wahr.

          Finanzielle Langzeitprognose ungewiss

          Am Ende, da sind Lucia Puttrich, Andrea Ypsilanti und Michael Boddenberg längst gegangen, genehmigen die verbleibenden Rundfunkräte den Jahresbericht und die Jahresrechnung, Intendant und Verwaltungsrat werden entlastet. Doch zuvor eröffnet der Rundfunkratsvorsitzende, Pfarrer Jörn Dulige, die Aussprache. Nach anfänglichem Zögern meldet sich Harald Freiling als Vertreter der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft im Deutschen Gewerkschaftsbund. Er finde es erfreulich, dass im Jahresbericht das Wort „Modernität“ auftauche. Doch bis zu diesem Ziel sei der Weg noch weit, da die Sendung „Kein schöner Land“ ausgerechnet durch die Serie „Diese Drombuschs“ ersetzt worden sei. Reitze antwortet, Modernität sei nicht zu jeder Uhrzeit erreichbar.

          Professor Joachim Valentin vom Haus am Dom, der Vertreter der katholischen Kirche, würde gern noch eine finanzielle Langzeitprognose hören. Doch der Intendant lehnt das ab, er weiß nicht, wie die KEF entscheiden wird, die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten. Auch der Wunsch von Armin Clauss (SPD), Urgestein der HR-Gremien, die Wahrnehmung der Öffentlichkeit in den eigenen Programmen stärker auf die Finanzsorgen des Senders zu lenken, stößt nicht auf die ungeteilte Zustimmung des Intendanten. Er habe das in der Sendung „Service: Trends“ einmal gemacht. Hinterher sei „zwar kein Shitstorm“ auf ihn niedergegangen, aber es habe doch Proteste gehagelt, wie man den eigenen Sender so für seine Zwecke instrumentalisieren könne. Man sieht: gar nicht so leicht, Intendant zu sein.

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