https://www.faz.net/-gzg-7spid

Hessischer Rundfunk : Mit der Wahrheit nimmt man es nicht so genau

  • -Aktualisiert am

3 von 16 Zuschauer-Votings sollen auch beim Hessischen Rundfunk manipuliert worden sein. Bild: Wolfgang Eilmes

Der Hessische Rundfunk bedauert, in mehreren Sendungen Rankings manipuliert zu haben. Doch seien gewisse Manipulationen im Prinzip in Ordnung, solange es für die Zuschauer transparent gemacht werde.

          In der Leitung des Hessischen Rundfunks (HR) ist man verärgert über die Manipulation von Zuschauer-Ranglisten. Fernsehdirektor Manfred Krupp sei über die Unregelmäßigkeiten erbost, sagte ein Sprecher der öffentlich-rechtlichen Anstalt. Sobald Intendant Helmut Reitze seinen Urlaub beendet habe, wolle man festlegen, wie künftig mit sogenannten Online-Votings verfahren werde, bei denen die Zuschauer im Internet eine Stimme abgeben können.

          Solche Transparenzregeln sollten nach Möglichkeit aber auch mit anderen ARD-Anstalten abgesprochen werden. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hat inzwischen entschieden, bei künftigen Ranking-Sendungen auf Online-Abstimmungen zu verzichten.

          Manipulationen

          Beim WDR waren zehn von 111 Sendungen manipuliert worden, beim HR waren es drei von 16. Die Untersuchung in Frankfurt war veranlasst worden, nachdem der Norddeutsche Rundfunk (NDR) und Radio Berlin Brandenburg (RBB) Manipulationen zugeben mussten. Der Ursprungsfall hatte sich beim Zweiten Deutschen Fernsehen in Mainz ergeben, dort waren vor vier Wochen bei der Sendung „Deutschlands Beste“ sogar repräsentative Umfragen manipuliert worden.

          So war etwa Außenminister Frank-Walter Steinmeier in der angeblichen Gunst der Befragten von Platz zehn auf Platz sechs, der frühere Fußballspieler Franz Beckenbauer gar von Platz 31 auf Platz neun aufgestiegen. ZDF-Programmchef Norbert Himmler hatte die Manipulation streng verurteilt, Unterhaltungschef Oliver Fuchs musste zurücktreten. Beim Hessischen Rundfunk sind in der Sendung „Die beliebtesten Klassiker des Kinderfernsehens“ nach Angaben des Senders zwei Plätze getauscht worden, weil „aus dramaturgischen Gründen“ nicht zwei Zeichentrickfilme aufeinander folgen sollten.

          Transparenz gefragt

          In der Folge „Die beliebtesten Stimmungslieder“ sei die Reihenfolge verändert worden, weil für einzelne Kompositionen die Senderechte nicht rechtzeitig vorgelegen hätten. Schließlich habe man bei „Geniale Verbindungen – Hessens spannendste Brücken“ die Positionen verändert, weil sich der Eindruck ergeben habe, Interessenten hätten durch gezielte Abgabe von Stimmen das Ergebnis verfälscht.

          Hierzu hieß es beim HR, ein solches Eingreifen bei Manipulationsversuchen sei im Prinzip in Ordnung, solange es für die Zuschauer transparent gemacht werde. In der Tat kommt es bei Online-Abstimmungen häufig vor, dass Fanclubs oder Interessengemeinschaften in ihrem Sinne vor Ende des Votings ihre Stimmen geballt abgeben.

          Weitere Themen

          Merck stockt Arzneilager auf

          Sorge vor Brexit : Merck stockt Arzneilager auf

          Merck bereitet sich auf einen ungeordneten Brexit vor. Das Chemie- und Pharmaunternehmen hat sein Arzneilager aufgestockt, um trotz langwieriger Grenzkontrollen wichtige Medikamente bereitstellen zu können.

          Topmeldungen

          Zu häufiges Nutzen des Smartphones kann krank machen. Aber ganz darauf verzichten geht heutzutage auch nicht.

          Data Detox : Wie man mit wenigen Schritten seine Datenflut eindämmt

          Unsere Datenflut kommt Konzernen wie Facebook und Google zugute, wobei alles andere als klar ist, was genau mit den Informationen geschieht. Mit einigen Tipps kann man sein Handy vor Zugriffen schützen.
          Erkennt Widersprüche und artikuliert sie auch: Snowdens Buch ist keine rührselige Beichte.

          Snowdens „Permanent Record“ : Die Erschaffung eines Monsters

          Nicht die Rebellion, die Regierungstreue steht am Anfang dieser Biographie: Edward Snowden erzählt glänzend, wie er erwachsen wurde, während die digitale Welt ihre Unschuld verlor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.