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Mittelstand und EEG-Umlage : Höhere Stromkosten, weniger Wachstum

„Die EEG-Umlage ist eine Wachstumsbremse für uns“: Unternehmer Thomas Kronenberger in seiner Fabrik in Seligenstadt Bild: Rainer Wohlfahrt

Der hessische Mittelständler LKS Kronenberger zahlt nun die volle EEG-Umlage. Das kostet ihn 1900 Euro je Mitarbeiter im Jahr - und Wachstumschancen.

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          Mit seinem Betrieb steht Thomas Kronenberger sinnbildlich für einen Teil des Rückgrats der Wirtschaft hierzulande: den Mittelstand. Doch wenn sich der Unternehmer die Folgen der Förderung der erneuerbaren Energien vor Augen führt, dann verspürt er eher einen Tritt ins Kreuz. Denn der Metallveredler LKS Kronenberger mit Sitz in Seligenstadt, den der Ingenieur für Oberflächentechnik mit seiner Schwester Gabriele Kronenberger-Wolf und seinem Bruder Paul Kronenberger führt, muss seit gut zwei Jahren für diese Förderung kräftig zahlen. Zwar war die 135 Mitarbeiter starke Firma bis Ende 2014 von der sogenannten EEG-Umlage weitgehend befreit. Doch aufgrund einer Gesetzesnovelle muss die LKS Kronenberger GmbH die Umlage nun in vollem Umfang begleichen.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Aus Sicht der Chefetage ist das aus zwei Gründen ärgerlich. Zum einen bedeutet die volle EEG-Umlage eine hohe Kostensteigerung, zumal sie zu Anfang Januar um 0,5 Cent auf 6,88 Cent je Kilowattstunde gestiegen ist. Der Familienbetrieb sieht sich zum Zweiten in seinen Wachstumschancen beschränkt. Die Umlage wird als die Differenz zwischen dem Börsenpreis für Strom einerseits und dem staatlich garantierten Abnahmepreis für Ökostrom andererseits berechnet. Das bedeutet: Je niedriger der Börsenpreis ist, den Stromerzeuger zahlen, desto höher fällt die Umlage aus.

          120 hessische Betriebe teilweise befreit

          Nun müssen nicht alle Unternehmen diese Umlage zahlen. Betriebe, die besonders viel Strom verbrauchen, können mehr oder weniger stark befreit werden. Dazu müssen sie als Industriebetrieb gelten und die Stromkosten einen gewissen Prozentsatz an der Bruttowertschöpfung ausmachen, die sich aus Umsatz abzüglich Vorkosten wie Löhne berechnet.

          Den derzeit geltenden Regeln zufolge können demnach Unternehmen aus dem verarbeitenden und produzierenden Gewerbe, wie die Industrie auch benannt wird, von vier Fünfteln der Umlage befreit werden, wenn Strom 14 bis 17 Prozent der Bruttowertschöpfung ausmacht. Von 17 Prozent an fällt der Abschlag um fünf Prozentpunkte höher aus. In Hessen müssen 120 der 1400 Industriebetriebe die Umlage nur teilweise begleichen, wie es bei der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände heißt. Dabei wird für die erste Million Kilowattstunden aber stets die volle Umlage fällig.

          Ausländische Konkurrenz kennt keine EEG-Umlage

          Nun benötigt auch LKS Kronenberger als Betrieb, der Metallteile verchromt, viel Strom. Auf sechs Millionen Kilowattstunden beziffert der technische Geschäftsführer Thomas Kronenberger den Jahresverbrauch. Doch steht elektrische Energie bei den Seligenstädtern nur für acht Prozent des Jahresumsatzes in Höhe von 11,5 Millionen Euro.

          In der Folge muss die Firma nun Mehrkosten durch die Umlage von 260.000 Euro im Jahr schultern, wie Thomas Kronenberger sagt. Fast 60 Prozent der gesamten Stromkosten seien Steuern, Netzentgelte und Abgaben - davon mache die EEG-Umlage wiederum fast die Hälfte aus. Auf den einzelnen Beschäftigten umgerechnet, macht die EEG-Umlage bei Kronenberger 1900 Euro im Jahr aus. Für die 260.000 Euro Mehrkosten könnte die Firma rechnerisch eine große Wanne zur Verchromung kaufen und jährlich eine halbe Million Euro zusätzlichen Umsatz erzielen, wie Thomas Kronenberger vorrechnet. „Die Umlage ist eine Wachstumsbremse für uns.“

          Das gelte umso mehr, weil er die Mehrkosten nicht auf Kunden abwälzen könne. Und: Konkurrenten im Ausland kennen keine EEG-Umlage, Strom kostet etwa in Frankreich und den Niederlanden nur halb so viel wie hierzulande, und Kunden müssen in der Regel nicht zwingend Kronenberger beauftragen, wie der technische Geschäftsführer zugesteht.

          Etwa zehn Kunden hat der Betrieb angesichts dessen schon verloren. So sagt Thomas Kronenberger: „Wir sind für die Energiewende, wir finden sie gut, aber sie muss anders bezahlt werden - aus Steuern.“

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