https://www.faz.net/-gzg-7uzwz

Hessischer Filmpreis : Törtchen und Trophäen

Ausgezeichnet: Iris Berben erhielt den Ehrenpreis Bild: dpa

Festlich, ohne steif zu sein: Zum 25. Mal wird der Hessische Film- und Kinopreis verliehen. Dabei war nicht immer alles so glamourös wie heute in der Frankfurter Alten Oper.

          3 Min.

          Da war sie dann doch, die Träne, die sie sich aus dem Augenwinkel wischen musste. Rasch und beiläufig, das Strahlen überwog. „Es tut so gut“, sagte Iris Berben, die gerade den Ehrenpreis zum Hessischen Filmpreis erhalten hatte. Für ein Lebenswerk, das noch lange nicht abgeschlossen sei, wie der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sich beeilte zu versichern. Er hatte Berben, eine „ganz außergewöhnliche Künstlerin“, wie er sie nannte, ausgewählt wegen ihrer Karriere als Film- und Fernsehschauspielerin und wegen ihres sozialen Engagements.

          Eva-Maria Magel
          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Den Ehrenpreis, der undotiert ist, sucht der amtierende Landesvater stets persönlich aus, Berben kann sich also sicher sein, dass Bouffiers warme Worte auch so gemeint sind. Noch gerührter aber war sie von der warmherzigen Laudatio auf die „tolle Kollegin, Ulknudel und feine Dame“, die ihre 35 Jahre jüngere Kollegin Anna Maria Mühe hielt, mit der Berben im vergangenen Jahr „Sternstunden ihres Lebens“, einen Film über die Wiesbadener Verfassungspionierin Elisabeth Selbert, gedreht hatte.

          Wer beim Preis zu Gast war

          In Momenten wie diesen am Freitagabend freut sich die Politik sicher besonders, den Hessischen Film- und Kinopreis von einer Scheckübergabe in den Wiesbadener Studios der Taunusfilm zu einem „Event“ in der Frankfurter Alten Oper aufgestylt zu haben, bei dem 185.000 Euro Preisgeld vergeben werden und bis in die Morgenstunden gefeiert wird. Nicht nur, weil zu Beginn ein paar Fotos aus den Anfängen 1990 eingeblendet wurden: leere graue Stuhlreihen in einer Art Seminarraum. Damals, so flachsten die Moderatoren Carsten Strauch und Rainer Ewerrien, gab es nichts. Kein Publikum. Kein Handy, kein Facebook.

          Das hat sich gründlich geändert: Iris Berben, angetan in signalroter, ärmelloser Escada-Robe, hatte im Zeitlupentempo die Honneurs auf dem roten Teppich gemacht, gutgelaunt trotz anhaltenden Regens. Passanten und Fans harrten am Rande aus, um Schauspieler und Filmleute zu sehen; Nominierte wie Franziska Walser, die mit ihrem Mann Edgar Selge gekommen war, und Jasna Fritzi Bauer, Golo Euler und Francis Fulton-Smith, Kollegen und Laudatoren wie Bibiana Beglau, Helene Hegemann oder Claudia Michelsen, Fernsehmoderatorinnen wie Jennifer Knäble, Dunja Hayali oder Franziska Reichenbacher. Und Stars, die alles zugleich waren, wie Matthias Brandt, der erst andere lobte, um dann zum besten Darsteller gekürt zu werden: Das nennt man Ressourceneffizienz. Nicht nur Berlinale-Direktor Dieter Kosslick fand das erstaunlich. Der frischgekürte Intendant der Bad Hersfelder Festspiele, Dieter Wedel, war gekommen, um schon mal potentielle Sponsoren anzusprechen. Ob er da, wie Buchmesse-Direktor Juergen Boos mit Blick auf die oft klagende Buchbranche fragte, die durch Verleger und Autoren vertreten war, fündig würde?

          Locker und festlich

          Zum 25. Filmpreis gab es nicht nur Törtchen mit einer goldenen 25 am Buffet, sondern vor allem eine gülden glänzende neue Trophäe, der zwar ihr Gestalter, Ottmar Hörl, keinen Namen gegeben hatte, die aber längst ihren Spitznamen weghat: „Hessen-Oscar“. Er soll von nun an stets den Filmemachern und Kinos überreicht werden. Der Hessische Fernsehpreis für die besten Darsteller hingegen blieb auch diesmal eine seltsame Spirale in Silber. Preisträgerin Alwara Höfels entglitt sie, so wie bisweilen den Moderatoren Strauch und Ewerrien das Vokabular.

          Ressourcensparender Star: Matthias Brandt - war Laudator und wurde aber auch zum besten Darsteller gekürt.
          Ressourcensparender Star: Matthias Brandt - war Laudator und wurde aber auch zum besten Darsteller gekürt. : Bild: obs

          Was aber wohl auch zum Erfolg der Gala beitrug. Stammgäste waren sich einig: Die Jubiläumsausgabe war gelungen. Festlich, ohne steif zu sein. Mit Helge Schneider und dem Spardosen-Terzett musikalisch anregend. Dass man einiges akustisch kaum verstehen konnte, war zum Beispiel bei dem Chor, den Schauspieler Nikolai Kinski als Überraschung für die ausgezeichneten Kinos auf die Bühne bat, eher hilfreich: Kinski und Kollegen wie Esther Schweins, Daniela Ziegler und Clelia Sarto intonierten eine gut gemeinte Kinohymne. Da konnte auch Herbert Grönemeyer in der ersten Reihe nur gefasst applaudieren.

          Filmfördergesellschaft in Planung

          Grönemeyer nahm für Regisseur Anton Corbijn den Buchmesse-Preis für die beste Literaturverfilmung entgegen. Er hatte in „A Most Wanted Man“ mitgespielt und die Filmmusik komponiert, die Corbijn, der aus Los Angeles grüßte, „herausragend“ nannte. Die Laudatio auf Corbijn hielt Dieter Kosslick. Er erinnerte an Corbijns Hauptdarsteller, den verstorbenen Philip Seymour Hoffman, und an einen weiteren Toten, der auch der hiesigen Filmwelt sehr fehlt: den Frankfurter Produzenten Karl Baumgartner, der Welterfolge wie „Das Piano“ produziert hat.

          Wenn es nach Boris Rhein (CDU) geht, der als Hessischer Minister für Wissenschaft und Kunst zum ersten Mal neben Bouffier und Boos Gastgeber des Preises war, wird international an Hessen nicht nur, wie Bouffier frohlockte, „keiner vorbeikommen“, sondern werden alle regelrecht angezogen werden. „Ins Zentrum meines Schaffens als Minister“ werde er den Film stellen, versprach Rhein, der bekannte, in den ersten Monaten Amtszeit gelernt zu haben, dass auch Film „echte Kultur“ sei. Sein persönliches Engagement gipfelte in dem Versprechen, am 1. Januar 2016 werde die geplante neue Filmfördergesellschaft gegründet, am Tag vor seinem 44. Geburtstag.

          Und wenn dann noch Iris Berben, immerhin Präsidentin der Deutschen Filmakademie, dem Ministerpräsidenten „ein Herz für die Filmkultur“ attestiert und ihn zu ihrem „Komplizen“ im Filmgeschäft macht, dann hat die hiesige Filmszene sich das vermutlich genauso notiert wie Rheins schönes Datum.

          Welche Ehrung für wen

          Ehrenpreis: Iris Berben

          Bester Spielfilm: Sonja Heiss für „Hedi Schneider steckt fest“

          Bester Dokumentarfilm: Nadav Schirman für „The Green Prince“

          Bester Experimentalfilm: Nino Pezella für „Femminielli“

          Bester Hochschulfilm: David Sarno für „Richard & Gilbert“

          Bestes Drehbuch: Numan Acar mit Sinan Akkus und Tim Krause für „Weihnachten unterm Halbmond“

          Beste Literaturverfilmung: Anton Corbijn für „A Most Wanted Man“

          Hessischer Fernsehpreis, Darsteller: Alwara Höfels für „Die Fischerin“ und „Dr. Gressmann zeigt Gefühle“; Matthias Brandt für „Männertreu“

          Alle Kinopreisträger auf www.hessischer-filmpreis.de; zum Jubiläum ist eine Festschrift erschienen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, hier am 16. Dezember 2020 während eines F.A.Z.-Interviews in seinem Berliner Reichstagsbüro

          Schäuble im F.A.Z.-Interview : „Mir macht das Amt Freude“

          Wolfgang Schäuble kann sich eine zweite Amtszeit als Bundestagspräsident vorstellen. Das sagt er im Gespräch mit der F.A.Z. – und spricht über seine Rolle beim Bonn-Berlin-Beschluss vor 30 Jahren, das Ringen um die Kanzlerkandidatur der Union und die Frage, wie viel Charisma der Politik gut tut.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.