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Hessischer Filmpreis : Die fühlen sich alle wohl hier

Es soll ja schon glänzen: Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) mit Frau auf dem roten Teppich vor der Alten Oper. Bild: Wonge Bergmann

Der Ministerpräsident und sein Hustenbonbon: Der Hessische Filmpreis ist in der Alten Oper mit Versprechern, aber ohne Glamour verliehen worden.

          3 Min.

          Wann haben Politiker schon mal die Chance, mit einer ernstgemeinten Erklärung Lachsalven zu ernten? Dem hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) dürfte das auch nicht allzu oft unterkommen. Die Lacher im Großen Saal der Alten Oper galten nicht seinem Lob für Heiner Lauterbach, das er geschickt in einer spontanen Laudatio auf seinen einstigen Gießener Mitbürger Til Schweiger versteckte, bevor er „Männer“-Star Lauterbach mit dem undotierten Ehrenpreis des Ministerpräsidenten bedachte. Sie galten Bouffiers Bekenntnis, nicht rasch genug mit dem Lutschen eines Bonbons fertig geworden zu sein, was ihm auf der Bühne Sprachschwierigkeiten und im Publikum erst ungläubiges Staunen, dann ungebremste Heiterkeit verursachte. Wer konnte aber auch ahnen, dass die diesjährige Gala zum Hessischen Film- und Kinopreis in einem derartigen Tempo über die Bühne gebracht würde?

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          In zackigen zwei Stunden den besten Spielfilm („Wer wenn nicht wir“, Andreas Veiel), den besten Dokumentarfilm (Pepe Danquart, „Joschka und Herr Fischer“), den besten Kurzfilm (Eva Becker „n geschichtn“), den besten Hochschulfilm (Enkelejd Lluca, „Frankfurt Coincidences“), das beste Drehbuch (Eva Heldmann), herausragende Darsteller (Lena Lauzemis, Justus von Dohnányi, Jördis Triebel, Devid Striesow, Andreas Schmidt) und ein gutes Dutzend verdienstvoller Kinos auszuzeichnen ist eine Leistung, bei der dann schon mal etwas schiefgehen kann. Was es dann auch tat.

          Volker Schlöndorff, Angelika Gruber und August Zirner (von links).

          Ein wenig Einfalt schadet bei einer Gala nichts

          „Ich sag mal, jeder hat seinen Stil“, sagte Bouffier über die Stellung des Hessischen Filmpreises, im deutschen Vergleich gesehen. Dass es laut Bouffier nicht um Glamour gehen sollte, hier, wo man doch „unter uns“ sei, hätte fast niemand sonst so glaubhaft verkörpern können wie er selbst. Die Moderatoren Susann Atwell („die Frau, die Kunst und Wissenschaft unter ihrer Fuchtel hat: Eva Kühne-Hörmann“) und Ingo Zamperoni („Sie haben es bald hinter sich gebracht“) passten sich dem Niveau an. Lauterbach-Laudatorin Doris Dörrie fiel damit auf, dass sie ihren einstigen Hauptdarsteller mehrfach als „wildes Tier“ titulierte. Und eine in Schüttelreimen dichtende Laudatorin Katharina Wackernagel provozierte ebenso ratlose Lacher wie Natalia Avelon, die Offenbach-Absolventin Eva Becker an die Hochschule für Gestaltung in Offenburg verfrachtete und die Zurufe aus dem Publikum mit Empörung quittierte: „Das stand so auf meinem Kärtchen! Ich hab’s auswendig gelernt!“

          Ein wenig Einfalt, scheint man sich gedacht zu haben, schadet bei einer Gala nichts - ein neues Kapitel in den Bemühungen, dem Hessischen Filmpreis, der seit fünf Jahren in der Alten Oper in Kooperation mit der Buchmesse verliehen wird, Glanzlichter aufzusetzen. Die Mischung aus verpflichteten auswärtigen Prominenten und nahezu unbekannten Sternchen nimmt sich allerdings besonders seltsam aus, wenn verdiente Akteure und originelle Filme wie jene von Veiel oder Danquart ausgezeichnet werden, während die hessengeförderte Komödie „What a man“ von Matthias Schweighöfer einen undotierten Sonderpreis bekam. Schweighöfer versprach, auch seinen nächsten Film in Hessen zu drehen. „Der fühlt sich wohl hier“, jubelte der Ministerpräsident, der munkeln hörte, auch Nicole Kidman wolle im nächsten Jahr in Hessen arbeiten.

          August Diehl, Alexander Fehling, Matthias Schweighöfer (von links).

          Die Musiker zeigten, wie fein sich Intelligenz und Unterhaltsamkeit verbinden lassen

          Mag sein, dass die Veranstalter hoffen, sie möge dem nächsten Filmpreis zu internationaler Beachtung verhelfen - für diesmal hätte es gereicht, auf den Glanz der durchaus anwesenden renommierten Regisseure und Darsteller, der Vertreter der Literaturszene, auch der Wirtschaft zu setzen, garniert mit der lokalen Prominenz aus Stadtkultur und Partyszene. Während die „VIP“ separat den Abend begingen, plauderten die anderen über Projekte und Fördergelder, Kinosorgen und Festivalpläne - eben das, was die Film- und Kinoszene hierzulande so interessiert.

          Nur gut, dass außer einigen Laudatoren, die ihre Sache und ihre Preisträger ernst nahmen, auch das Spardosen-Terzett mit dem grandiosen Querflötisten und Schauspieler August Zirner verpflichtet worden war. Die Musiker zeigten, wie fein sich Intelligenz und Unterhaltsamkeit verbinden lassen. Ihr Jazz sorgte für die subtilen Gags, die der Abend sonst so gar nicht zu bieten hatte: Das Trio dachte jedem Gast und Laudator ein eigenes Intro zu. „Sunny“ für Matthias Schweighöfer zu spielen, der den ganzen Abend über strahlte, als gäbe es dafür auch Preise, „Fly me to the moon“ für den Produzenten der „Harry Potter“-Filme, der den Preis für die beste Literaturverfilmung bekam, oder, zu Beginn, in doppelter ironischer Hommage an Kubrick und große Filmmomente „Also sprach Zarathustra“ zu verjazzen - das war in der Tat ganz großes Kino.

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