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HR-Intendant Helmut Reitze : „Wir machen Hessen, Hessen, Hessen“

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Es muss alles ineinandergreifen: Helmut Reitze in seinem Büro im Sender Bild: Helmut Fricke

Seit 2003 hat der Journalist Helmut Reitze den Hessischen Rundfunk geführt. Mit Erfolg. Nun blickt er zurück. Im Interview spricht Reitze über Quoten, Qualität und die Lust der Menschen, sich zu beschweren.

          Wir spielen jetzt Rundfunkrat: Eine Politikerin beschwert sich, ein Beitrag im HR-Fernsehen sei tendenziös gewesen. Was sagen Sie?

          Dass jemandem beispielsweise ein Kommentar missfällt, kommt öfters vor. Darüber diskutieren wir dann, aber es ist während meiner Amtszeit nicht vorgekommen, dass ein Beitrag vom Rundfunkrat gerügt worden wäre.

          Beschreiben Sie doch mal in szenischer Wiedergabe so eine Debatte, gerne mit Namensnennung.

          Sie haben die Szene doch in Ihrer Frage schon beschrieben.

          Das kommt also nicht nur vor, der Rundfunkrat ist auch der legitime Ort für solche Debatten?

          Ja, es ist der Ort der Auseinandersetzung darüber, was zum Auftrag des Hessischen Rundfunks gehört. Dafür gibt es ein HR-Gesetz, dafür sind wir ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk, dafür bekommen wir auch die Beiträge von Hörern und Zuschauern.

          Dazu kommen Hinweise von außen, wenn zum Beispiel der Regierungssprecher anruft und sich beschwert.

          Das habe ich schon auch in Ihrer Zeitung gelegentlich gelesen. Mir sind allerdings Anrufe nicht bekannt, in denen ein Regierungssprecher Beiträge oder Mitarbeiter kritisiert hätte. Davon abgesehen, ist es jedermanns gutes Recht, sich über nicht zutreffende Faktendarstellungen zu beschweren. Deswegen haben wir im Internet eine Korrekturseite eingerichtet, denn ich finde, dass es sich gehört, Fehler nicht zu verschweigen.

          Im Rundfunkrat sitzen Parteipolitiker, aber auch die Vertreter anderer Gruppen sind politiknah. So ist zum Beispiel die Repräsentantin des Musikrats die frühere Oberbürgermeisterin von Bad Homburg, die der CDU angehört.

          Stimmt, aber die Diskussionen laufen im Rundfunkrat nicht so, wie Außenstehende sich das vorstellen oder wie es gerne behauptet wird. Die Gruppen, die im Rundfunkrat vertreten sind, haben zudem jeweils ihre eigenen Entsenderegeln. Zum Beispiel die Hochschulen: Da ist Universität A an der Reihe, nach einiger Zeit Fachhochschule B und dann vielleicht eine Musikhochschule. Da kann man überhaupt nicht sagen, dass es immer Anhänger oder Mitglieder einer bestimmten Partei sind. Und dann gibt es noch richtige „Erbhöfe“.

          Zum Beispiel?

          Die katholische Kirche, da ist es nahezu immer das Bistum Limburg und dann immer Frankfurt.

          Eine Rundfunkratssitzung läuft so, dass ein Drittel der Mitglieder vorbereitet ist, ein Drittel freundlich-teilnahmslos und das dritte Drittel unter dem Tisch am Smartphone spielt?

          Es ist wie in jedem Gremium. Sie haben Leute, die ausgezeichnet vorbereitet sind, mit denen zu diskutieren ist anregend und eine Freude. Dann gibt es welche, die sich vor allem zu bestimmten Lieblingsthemen oder Themen, die ihren „Entsender“ betreffen, äußern, und dann gibt es welche, die selten etwas sagen. Aber einen Mangel an Vorbereitung kann ich nicht feststellen. Die Arbeit mit den Gremien hat mir jedenfalls in zwölf Jahren ausgesprochen Freude gemacht. Sie war fast immer sehr sachlich und fast nie parteipolitisch geprägt.

          Wie läuft es, wenn sich Zuschauer beschweren?

          Das kommt darauf an. Wenn die Beschwerde an den Rundfunkrat geht, kommt sie von dort zu mir. Ich gebe sie an die Redaktion und an den zuständigen Direktor mit der Bitte um Stellungnahme. Der Beschwerdeführer bekommt eine Antwort von mir, der Rundfunkrat erhält eine Kopie. Dann geht es darum, ob die Diskussion sich damit erledigt hat oder nicht. Aber heute gibt es fast nur noch ein „Immer weiter“, weil kaum noch jemand eine Argumentation akzeptiert, die nicht die eigene ist.

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