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Lotto Hessen : Mit „Genau“ noch nicht am Ziel

Fünf Euro kostet ein Kreuzchen für „Genau“: Damit kann man Geld gewinnen und etwas für die Umwelt tun. Bild: Lotto Hessen

Die neue hessische Umweltlotterie „Genau“ ist kein Selbstläufer. Nun hofft Lotto Hessen beim Absatz der Lose auf einen guten Herbst.

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          18 877 Euro. Was gäbe es nicht alles dafür! Einen Kleinwagen. Zwei Einbauküchen. Drei Reisen in die Antarktis. Doch irgendjemand, der am 6. Mai am „Nordend-Kiosk“ an der Eckenheimer Landstraße in Frankfurt einen Lottoschein abgab, mit dem er mit einem kleinen Kreuz unten rechts zusätzlich an der neuen hessischen Umweltlotterie „Genau“ teilnahm, will offenbar auf das alles verzichten. Denn er hat sich bis heute nicht gemeldet, obwohl auf ihn bei der Umweltlotterie der Hauptgewinn entfiel.

          Manfred Köhler
          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Getippt hat der Gewinner anonym, und so weiß man nur, dass der Spielschein kurz vor 16 Uhr eingereicht wurde. Nicht einmal Aushänge dort haben geholfen. Vielleicht war der Unbekannte auf der Durchreise. Oder er hat nur die Lottozahlen abgeglichen und vergessen, sein Abschneiden bei „Genau“ zu überprüfen.

          Geld für eine Streuobstwiese

          Wie auch immer: Für Lotto Hessen war die kleine Geschichte um den nicht eingelösten Hauptgewinn am Freitag ein schöner Anlass, wieder einmal auf die neue Umweltlotterie hinzuweisen. Denn zu einem richtigen Massenprodukt sind die Lose bisher nicht geworden. Dabei war das Ziel von Lotto Hessen schon niedrig genug angesetzt, als „Genau“ im März startete: 23 000 Lose in der Woche sollten für je fünf Euro verkauft werden. Doch bisher sind es nur 15 000, wie eine Sprecherin sagt. Dabei muss man nicht einmal ein spezielles Los erwerben. Es reicht, auf dem Lottoschein ein entsprechendes Kreuz zu machen, wie es der Hauptgewinner im Mai getan hat.

          Womöglich ist „Genau“ einfach noch nicht bekannt genug. Oder die Spielregeln erscheinen zu kompliziert. Jeder Spielschein hat eine Nummer, gefragt wird man außerdem nach einer Postleitzahl, die zu einem Gebiet in Hessen gehört. Auf den eigenen Gewinn hat es keinen Einfluss, welche man angibt, die der eigenen Wohnung oder eine ganz andere, wird aber das Los gezogen, so gewinnen auch diejenigen etwas, die in dem Landkreis oder der Großstadt wohnen, zu dem die angegebene Postleitzahl gehört. Außerdem, es handelt sich ja um eine Umweltlotterie, wird im Gebiet der Postleitzahl ein Umweltprojekt finanziert.

          Die Liste der bisher geförderten Projekte zeigt immerhin die bunte Vielfalt dessen, was sich für die Umwelt tun lässt. In einem Jugendzentrum in Hattersheim wurde ein Nutzgarten angelegt, der Bienenzuchtverein in Seligenstadt wurde schon gefördert, und im Odenwaldkreis gab es Geld für eine Streuobstwiese, um den sich der BUND kümmert.

          Lehrgarten für den Landkreis Marburg-Biedenkopf

          Allzu große Sprünge lassen sich in Sachen Naturschutz allerdings nicht machen: Lediglich 5000 Euro sind jede Woche dafür reserviert. Als die Pläne für „Genau“ vorgestellt wurden, hieß es, im Jahr 2016 würden an Umweltprojekte 110 000 Euro fließen, an den Fiskus jedoch 860 000 Euro. Insofern müsste eigentlich von einer Finanzminister-Lotterie gesprochen werden, aber das macht sich nicht so gut. Lotto Hessen kommt ohnedies mit „Genau“ lediglich politischen Vorgaben der schwarz-grünen Landesregierung nach. Eine solche Lotterie war schon seit Jahren ein Lieblingsprojekt der Grünen.

          Im Falle des Lottoscheins, der im Mai in Frankfurt abgegeben wurde, hat, wenn schon nicht der Hauptgewinner, so doch aber die Umwelt längst davon profitiert. Der anonyme Spieler hatte eine Postleitzahl aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf angegeben. Dort wurde inzwischen ein ökologischer Lehrgarten finanziert.

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