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Hessische Strafverfolgungsstatistik 2010 : Mehr jugendliche Straftäter vor Gericht

Wer vor Gericht muss, will oft unerkannt bleiben. Bild: Fricke, Helmut

Mehr Jugendliche, aber weniger Erwachsene als im Vorjahr haben sich 2010 vor Gericht in Hessen verantworten müssen.

          2 Min.

          Mehr Jugendliche, aber weniger Erwachsene als im Vorjahr haben sich 2010 vor Hessens Gerichten verantworten müssen. Die Zahl der verhandelten Straßenverkehrsdelikte sank; die der Betrugsfälle stieg leicht an. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse aus der hessischen Strafverfolgungsstatistik 2010, die Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) am Donnerstag in Wiesbaden vorgestellt hat.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          „Die Bekämpfung der Jugendkriminalität bleibt für mich ein wichtiges, vielleicht sogar das wichtigste Anliegen“, sagte er. Die Zahl der verurteilten jungen Straftäter stieg 2010 gegenüber dem Vorjahr um 5,4 Prozent auf 7622. Verantwortlich für den Zuwachs sind vor allem die größere Zahl der von Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren begangenen Taten. Die Anzahl der verurteilten Heranwachsenden, das heißt der Täter zwischen 18 bis 21 Jahren, blieb dagegen stabil. 27,4 Prozent der Verurteilungen ergingen wegen Diebstahls und Unterschlagung.

          Ebenfalls zugenommen haben die Vermögens- und Eigentumsdelikte

          Deutlich angestiegen ist der Anteil der wegen Raubes und Erpressung verurteilten Jugendlichen. Er lag im Jahr 2010 mit 501 Fällen bei 6,6 Prozent, das sind 80 Fälle mehr als um Vorjahr. „In dieser Gruppe finden sich Straftaten, die man im Jugendbereich nicht erwarten würde“, sagte der Justizminister.

          Ebenfalls zugenommen haben die Vermögens- und Eigentumsdelikte. Deren Anteil stieg bei den Gerichtsurteilen gegen jugendliche Straftäter von 14,6 auf 16,7 Prozent. Ort dieser Straftaten sei meist das Internet, erläuterte Hahn. Der Minister führt die höhere Anzahl verurteilter Jugendlicher auch auf mehr Richterstellen in der Strafjustiz und intensivere Ermittlungen zurück. Die Behörden beobachteten eine Radikalisierung junger Straftäter. „Dagegen müssen wir mit Prävention und einer schnellen und konsequenten Strafverfolgung vorgehen“, sagte der Justizminister. Das Land habe auf die wachsende Jugendkriminalität schon mit Einrichtungen wie den „Häusern des Jugendrechts“ reagiert. In ihnen arbeiteten Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendhilfe zusammen, um Strafverfahren gegen kriminelle Jugendliche zu beschleunigen.

          Als erfolgreich bezeichnete der Minister die Strafverfolgung von Wirtschaftskriminalität

          Die Anzahl der nach allgemeinem Strafrecht verurteilten Erwachsenen ist seit 2007 rückläufig. 2009 waren es noch 46312 Personen, 2010 lag die Zahl bei 45772. Nur ein knappes Fünftel von ihnen, 4,7 Prozent weniger als im Vorjahr, musste eine Freiheitsstrafe antreten, 16 eine lebenslange. In nur 1,9 Prozent der Verhandlungen sprachen die Richter den Angeklagten frei. 2009 waren es 2,1 Prozent. Für Hahn ist das ein Beleg dafür, wie sorgfältig die Ermittlungsbehörden eine Anklage vorbereiteten. „Nur wenn eine Verurteilung sehr wahrscheinlich ist, wird Anklage erhoben. Da wird nicht mit Schrot geschossen.“

          Als erfolgreich bezeichnete der Minister die Strafverfolgung von Wirtschaftskriminalität. „Konsequente Strafverfolgung kann sich in diesem Bereich buchstäblich auszahlen“, sagte er. 2010 konnten die Behörden inkriminierte Vermögenswerte in Höhe von 120 Millionen Euro sichern. Von ihnen werden 100 Millionen an das Land zurückfließen.

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