https://www.faz.net/-gzg-9spt7

„The Voice of Germany“-Talent : Das Abi steht auf der To-do-Liste oben

  • -Aktualisiert am

Stimmgewaltig: Klavierstunden nimmt Mariel Kirschall seit Jahren, das Singen hat sie sich selbst beigebracht. Bild: Wonge Bergmann

Mariel Kirschall aus Steinbach kommt ins Halbfinale von „The Voice of Germany“. Mit 16 Jahren ist sie das Nesthäkchen der Sendung. Die Schule soll unter dem Erfolg möglichst nicht leiden.

          2 Min.

          Sängerin Alice Merton hat Tränen in den Augen. „So eine Entwicklung mit 16 Jahren – how do you do that?“, ist ihr Kommentar nach dem Auftritt von Mariel Kirschall. Der Gesang der Schülerin aus Steinbach bei den „Sing Offs“ der Casting-Show „The Voice of Germany“ hat nicht nur die Jurorin berührt. Das Publikum applaudiert im Stehen. Seit Sonntagabend ist es offiziell, das Nesthäkchen der Show ist im Halbfinale. Mit ihrer tiefen Stimme und dem Song „Wicked Game“ von Chris Isaak hat sie sich durchgesetzt. Dass sie es bis in das Halbfinale schafft, „habe ich nie erwartet“, sagt die Sechzehnjährige.

          Sie ist nicht nur wegen ihres jugendlichen Alters eine Ausnahme unter den Teilnehmern. Im Gegensatz zu den meisten hatte sie zuvor wenig Erfahrung mit Gesang. Ihr bisheriger Schwerpunkt ist immer das Klavierspiel gewesen. Seit neun Jahren nimmt sie Unterricht – „früher waren es fünfmal, inzwischen dreimal in der Woche“. Die Idee bei „The Voice of Germany“ teilzunehmen, sei relativ spontan entstanden. Im Fernsehen hatte die Steinbacherin die Termine für das Casting in Frankfurt gesehen und mit der Unterstützung ihrer Mutter den Entschluss gefasst vorzusingen.

          Wirbel und Unterstützung im Schulalltag

          Die Sechzehnjährige besucht momentan die elfte Klasse der Humboldtschule in Bad Homburg. Bis zur Fernsehshow hat ihr Publikum aus Lehrern und Mitschülern bestanden. Durch Ermutigung ihrer Freundinnen hat sie öfters im Schulgottesdienst und bei anderen Veranstaltungen gesungen. Die Teilnahme an der Castingshow hat ziemlichen Wirbel in ihren Schulalltag gebracht. So musste Mariel für die Fernsehaufzeichnungen in Berlin schon um mehrere freie Tage bitten. Der Schuldirektor und ihre Lehrer hätten sie jedoch von Anfang an unterstützt, erzählt sie. Der Direktor habe ihr sogar versprochen, falls sie mal Anrufe von den Zuschauern brauche, mache er eine Ansage in der Schule.

          Die wachsende Aufmerksamkeit seit der ersten Fernsehausstrahlung ist für Mariel noch ungewohnt. Spätestens seit sie schon mehrmals von Kamerateams in die Schule begleitet wurde, ist sie über ihre Jahrgangsstufe hinaus bekannt. Ihr Freundeskreis habe sich seit „The Voice of Germany“ aber nicht geändert. Bei neuen Bekanntschaften sei sie jetzt allerdings vorsichtiger.

          Als ob Oberstufe und Musik nicht genug wären, geht Mariel nebenbei noch dreimal in der Woche Handball spielen und hilft im Taxi-Unternehmen ihrer Eltern aus. Wenn Mariel es in das Finale schaffen sollte, würde sie auf jeden Fall Teil der „The Voice of Germany“-Tour werden. Dann müsste ein Monat Schule ausfallen. Im Notfall, habe sie mit ihren Eltern besprochen, würde sie die elfte Klasse wiederholen. Das Abitur steht erst in zwei Jahren an, „das steht auf meiner To-do-Liste ganz oben“, sagt sie.

          Eine anstrengende Zeit

          Die Aufzeichnung der sogenannten „Blind Auditions“, die jetzt ausgestrahlt wurden, dem Teil, in dem die Jury den Teilnehmern beim Gesang zuhört, ohne sie zu sehen, war schon vor den Sommerferien. Im Vertrag ist allerdings festgelegt, dass die Kandidaten bis zum Sendetermin, nicht verraten dürfen, ob sie weiterkommen. Für die Steinbacherin war diese Zeit sehr anstrengend.

          Seit Anfang Oktober wissen alle, dass sie mit dem Lied „Desperado“ von den Eagles, die Juroren Mark Forster und Alice Merton begeistern konnte. Popsängerin Merton hatte vor Forster auf den „Buzzer“ gedrückt, auch darum hat sich Mariel für sie als Coach entschieden. „Ich bin Alice so dankbar, dass sie an mich geglaubt hat“, sagt die Schülerin. An Merton schätzt sie besonders deren Bodenständigkeit. „Sie nimmt sich immer viel Zeit für Gespräche“, sagt sie.

          Die Stimmung im „Team Alice“ sei überhaupt sehr gut. Über Whats-App sei man auch mit den ausgeschiedenen Mitgliedern noch im Kontakt. Durch die Teilnahme an der Show hat Mariel ihre Freunde an Country-Musik entdeckt. Nach ihrem Duett mit Patrick Rust bei den sogenannten Battles, haben ihre Fans und Coaches sie ermutigt in diese Richtung zu gehen. Miley Cyrus ist ihr deshalb gesanglich zum Vorbild geworden.

          Vor „The Voice“ hatte Mariel sich gut vorstellen können, Pianistin zu werden oder vielleicht Ernährungsberaterin. Seit der Show ist allerdings auch eine Karriere als Sängerin für sie denkbar. Welchen Weg sie einschlägt, will sie spontan entscheiden, wenn es soweit ist. Nun aber komme erst einmal das Halbfinale am 3. November.

          Weitere Themen

          Protestanten unter Spardruck

          Frühjahrssynode der EKHN : Protestanten unter Spardruck

          Mitgliederschwund und die Entwicklung der Steuern und der Ruhegehälter zwingen die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau zum drastischen Sparen. 140 Millionen Euro lautet das Sparziel für die nächsten Jahre.

          Hat das Frühwarnsystem versagt?

          Mordfall Lübcke : Hat das Frühwarnsystem versagt?

          Stephan E. ist seit den neunziger Jahren in der rechtsextremen Szene verankert. Hessens Verfassungsschutz hätte die Akte des Lübcke-Mörders nicht sperren müssen, sagt ein Gutachter im Untersuchungsausschuss.

          Topmeldungen

          Drei Nachbarländer öffnen : Viel Not, wenig Bremse

          Trotz hoher Inzidenzwerte wollen drei Nachbarländer Deutschlands Schulen, Geschäfte oder Kinos öffnen. Warum gehen Frankreich, die Niederlande und Österreich diesen Schritt?

          Pleite mit „allesdichtmachen“ : Angstmacher

          Großer Aufruhr, schnelles Ende: Die Aktion #allesdichtmachen und die Reaktionen darauf zeigen, wie man besser nicht über Corona diskutiert. Es sei denn, man ist erpicht auf Realsatire.
          CSU-Chef Markus Söder: Gibt (noch) keine Ruhe bezüglich der K-Frage in der Union.

          Nach Beschluss bei K-Frage : Söder stichelt weiter gegen Laschet

          Die Begründung für Laschets Kanzlerkandidatur habe ihn „nicht überzeugt“, sagt der CSU-Chef. Er selbst sei progressiver als der Unionsvorsitzende. Die Grünen bezeichnet Söder als den „spannenderen“ Koalitionspartner für die Union.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.