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Junge Unternehmer : Schüler erfinden Brettspiel über Heimat

Heimatverbunden: „Mitarbeiter“ der Schülerfirma Regames verpacken die Brettspiele. Bild: Michael Kretzer

Für einen Wettbewerb haben Schüler aus Hessen ein Brettspiel erfunden, dessen Thema die Heimat ist. Wer im Quiz Punkte sammeln will, muss sich gut auskennen.

          Von Kriftel nach Hofheim ist es nur ein Schritt. Auf dem Spielbrett sind die beiden Orte, deren Bewohner so gerne übereinander lästern, nur ein Feld entfernt, wer eine „1“ würfelt, kommt in die Nachbarkommune. Damit bildet das Spielbrett die Realität ab, denn Hofheim und Kriftel grenzen ja tatsächlich aneinander. Auch sonst gibt das neue Brettspiel, dessen Thema der Main-Taunus-Kreis ist, ein gutes Bild von dessen Geographie. Die Wege für die Spielfiguren verlaufen wie die wichtigen Verbindungsstraßen. Eine Reihe von Feldern, die je nach Zahl der Würfelaugen begangen werden, folgt der Bundesstraße 519, von Kelkheim über Liederbach nach Hofheim und von dort weiter über Weilbach nach Flörsheim. Ein anderer Weg aus runden Spielfeldern führt wie die B 455 von Fischbach nach Eppstein. Auch die Autobahn 66 ist auf dem Spielfeld nachgezeichnet, vorbei an Eschborn, Sulzbach, Hattersheim, Weilbach und Wallau.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Spielbrett, auf dem der Landkreis mit grüner Farbe hervorgehoben ist, ist nicht von professionellen Spieleentwicklern entworfen worden, sondern von Schülern der Eichendorff-Schule in Kelkheim. 13 Jugendliche aus der zehnten Klasse haben sich entschlossen, am Wettbewerb „Junior“ teilzunehmen, der unter anderem vom Bundeswirtschaftsministerium getragen wird. Für den Wettbewerb muss jede Gruppe eine Firma gründen und Geld verdienen. Und wer Einnahmen haben will, muss etwas verkaufen. So mussten sich die Kelkheimer Jungunternehmer ein Produkt ausdenken, das sie selbst entwickeln können.

          Schülerfirma

          Die 16 Jahre alte Alina Ballach, die in der Schülerfirma „Regames“ für Produktion und Technik zuständig ist, beschreibt die Grundidee: ein Brettspiel erfinden, das man in der Familie mit den Geschwistern oder im Freundeskreis spielen kann. Thema sollte die heimatliche Gegend sein. Ihre 16 Jahre alte Schulkameradin Nicola Krug, die Vorstandsvorsitzende der Schülerfirma, begründet wie eine Unternehmensberaterin mit einer Statistik, warum diese Idee erfolgversprechend ist: „62 Prozent der Menschen spielen gerne Brettspiele, 85 Prozent bezeichnen sich als heimatverbunden.“ Ballach erklärt, warum die Schüler mit guten Verkaufszahlen gerechnet haben: „So ein Spiel eignet sich prima als Geschenk.“ Außerdem könne man, weil es um den Landkreis gehe, den Landrat und die Bürgermeister „als Multiplikatoren benutzen“: Ihnen wurde ein Spiel geschenkt – mit der Hoffnung, dass weitere Exemplare bestellt werden.

          So wurde die Karte des Landkreises zur Grundlage für das Spielbrett. Schritt für Schritt arbeiteten die Jugendlichen an den Details. So entschieden sie sich dafür, die Spielfelder nicht nur mit den Namen der Städte zu beschriften, sondern auch die Stadtteile zu nennen. „Wenn man in Wallau wohnt, würde man nicht sagen, dass man Hofheimer ist“, weiß Krug. „Und die Fischbacher sagen, sie sind Fischbacher“, ergänzt Ballach.

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