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Auf Wachstumskurs : Landesbahn fährt nun auch im Westerwald

Bahnhof Königstein: Die Verbindung dorthin gehört zu den Stammstrecken der Landesbahn. Aber sie wird 2019 ausgeschrieben. Bild: Cornelia Sick

Die Triebwagen der Hessischen Landesbahn und ihrer Beteiligungsunternehmen sind auf immer mehr Strecken unterwegs. Der Umsatz erreicht einen Rekord, der Gewinn des Unternehmens allerdings nicht.

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          Die Hessische Landesbahn bleibt auf Wachstumskurs. Das Frankfurter Unternehmen hat seinen Umsatz im vergangenen Jahr auf den Rekordwert von 160 Millionen Euro steigern können, wie Geschäftsführer Veit Salzmann berichtete. Auch die Zahl der Mitarbeiter lag im vergangenen Jahr mit 1018 so hoch wie nie. Die Höhe des Gewinns bleibt allerdings der Wermutstropfen in der Bilanz: Er wird Salzmann zufolge mit ungefähr 2,8 Millionen Euro zwar höher ausfallen als 2013, die Spitzenmarke von 2012 allerdings bei weitem verfehlen. Damals hatte die Hessische Landesbahn 5,1 Millionen Euro verdient. Gleichwohl erwartet der Geschäftsführer, dass die Landesbahn auch vom Gewinn 2014 wie in früheren Jahren eine Million an den Landeshaushalt abführen wird.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Das Unternehmen, das zu 100 Prozent dem Land Hessen gehört, ist mit seinen Triebwagen auf zahlreichen Eisenbahnstrecken unterwegs und hat seinen Radius überdies durch Beteiligungsgesellschaften noch deutlich erweitert. Zuletzt gewann die Hessische Landesbahn die Ausschreibung mehrerer Strecken um Siegen und bis in den Westerwald, von denen einige, aber nicht alle bisher von der Beteiligungsgesellschaft Vectus betrieben worden waren. Durch die Übernahme weiterer Verbindungen werden die Züge der Landesbahn und ihrer Beteiligungen in diesem Jahr zwei Millionen Kilometer mehr fahren als noch 2013. Schon damals war mit 19,6 Millionen Zug-Kilometern ein Rekord erreicht worden.

          Hessische Landesbahn und die mit ihr verbundenen Unternehmen

          Für das kleine Unternehmen, das seinen Sitz gegenüber dem Frankfurter Hauptbahnhof hat, stellen die Beteiligungen an Ausschreibungen und, im Falle des Gewinns, die Organisation des zusätzlichen Verkehrs stets einen Kraftakt dar. Allerdings haben sich aus Sicht der Landesbahn die Bedingungen bei solchen Ausschreibungen verbessert. So erstreckten sie sich vermehrt auf Leistungen für zwölf bis 15 Jahre, während bis vor einiger Zeit zehn Jahre üblich gewesen seien. Dadurch gewinne man Planungssicherheit. Außerdem seien die Aufgabenträger bei den Vorgaben für die Fahrzeuge „zur Vernunft gekommen“, sagt Salzmann. Unterschiedliche Anforderungen hinsichtlich der Standards bei den Triebwagen auf den verschiedenen Strecken hatten über Jahre die Kosten in die Höhe getrieben.

          Diverse Beteiligungsverhältnisse

          Das Unternehmen Vectus ist nun gar nicht mehr operativ tätig. Es gehört zu 74,9 Prozent der Hessischen Landesbahn und zu 25,1 Prozent dem Landkreis Altenkirchen im Westerwald. Salzmann zufolge sind nahezu alle Beschäftigten von der Hessischen Landesbahn übernommen worden.

          Gesichert ist hingegen der Betrieb der Beteiligungsgesellschaft Cantus auf Strecken in und um Kassel; das Unternehmen gewann die abermalige Ausschreibung und hat jetzt den Zuschlag bis 2031. An Cantus hält die Hessische Landesbahn 50 Prozent, die andere Hälfte liegt bei einem Unternehmen namens Benex, das seinerseits zu 51 Prozent der Hamburger Hochbahn, dem städtischen Verkehrsbetrieb der Hansestadt, gehört, und zu 49 Prozent einem britischen Investmentfonds.

          Kritik an der Kahlgrundbahn

          Gegenwärtig läuft die Ausschreibung für das Eisenbahnnetz zwischen Erfurt, Eisenach und Sonneberg, das derzeit von der Süd-Thüringen-Bahn betrieben wird, an der wiederum die Hessische Landesbahn 50 Prozent hält; die andere Hälfte liegt bei der Stadt Erfurt über deren eigenes Eisenbahnunternehmen. Salzmann hofft, dass diese Kooperation fortdauern kann.

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