https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/hessische-kriminalstatistik-aufklaerungsquote-bei-wohnungseinbruechen-gesunken-12851436.html

Hessische Kriminalstatistik : Aufklärungsquote bei Wohnungseinbrüchen gesunken

  • Aktualisiert am

Die steigende Zahl von Wohnungseinbrüchen ist der Opposition ein Dorn im Auge Bild: plainpicture/neuebildanstalt/Zim

Weniger Straftaten, mehr Aufklärung - und trotzdem Kritik bei der Kriminalitätsbekämpfung an Innenminister Beuth. Die steigende Zahl von Wohnungseinbrüchen ist der Opposition ein Dorn im Auge.

          2 Min.

          Hessen kann im Kampf gegen die Kriminalität für das vergangene Jahr zwar Rekorde vorweisen. Beim sensiblen Thema Wohnungseinbrüche muss Innenminister Peter Beuth (CDU) aber zugeben, dass die Zahl der Straftaten zugenommen hat und die Aufklärungsquote vergleichsweise schlechter geworden ist.

          „Ein Einbruch in die eigenen vier Wände ist für die Betroffenen
          eine oft traumatische Erfahrung“, sagte Beuth bei der Präsentation der Kriminalitätsstatistik in Wiesbaden. Mit Nachdruck werde deshalb weiter daran gearbeitet, diese Straftaten entschlossen zu verfolgen. Wichtig sei auch, die potenziellen Täter mit gezielten Kontrollen und Polizisten auf der Straße schon vor der geplanten Tat abzuschrecken.

          Insgesamt weniger Straftaten

          Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 386.778 Straftaten in Hessen registriert. Das sind 8847 Fälle weniger als im Jahr zuvor und der niedrigste Wert seit 1984. Die Aufklärungsquote wurde nach Angaben von Beuth gleichzeitig von 58,8 Prozent auf 59,5 Prozent ausgebaut, der höchste Wert seit 1971. „Hessen ist eines der sichersten Bundesländer“, sagte der Minister zu der Entwicklung.

          Neben einem Anstieg bei der Wirtschaftskriminalität um 1,4 Prozent und einer Zunahme der Morde um sechs auf 58 gab es auch bei den Wohnungseinbrüchen eine negative Entwicklung: Die Zahl der Fälle stieg um 225 auf 10.795 oder 2,1 Prozent. Die Aufklärungsquote sank gleichzeitig von 20,7 auf 19,4 Prozent. Grund ist laut Beuth die Zunahme von professionellen Banden aus Ost- und Südosteuropa.

          Die Innenexperten der Oppositionsfraktionen von SPD, Linken und FDP forderten die schwarz-grüne Landesregierung auf, ihre
          Präventions- und Aufklärungsarbeit zu verstärken. Bei Wohnungseinbrüchen gehe es für die Menschen nicht nur um einen finanziellen Schaden. Die  Betroffenen fühlten sich danach oft nicht mehr sicher in den eigenen vier Wänden.

          Beuth und Jürgen Frömmrich von den Grünen kündigten eine bessere länderübergreifende Zusammenarbeit beim Kampf gegen die organisierten Banden an. Die Entwicklung bei den Wohnungseinbrüchen sei aber kein spezielles hessisches Phänomen, sagte der Innenminister. Im Vergleich zu den anderen Bundesländern rangiere Hessen bei Aufklärungsquote noch im oberen Drittel.

          Ermittlungen gegen Rockergruppen

          Die Präsidentin des Landeskriminalamtes, Sabine Thurau, sagte bei der Präsentation der Kriminalitätsstatistik, auch nach dem Verbot zweier Frankfurter Ortsgruppen der Hells Angels gebe es Ermittlungen gegen Rockergruppen. Es hätten sich neue Gruppen gebildet. Es werde nun geprüft, ob diese auch verboten werden können. Beuths Vorgänger Boris Rhein (CDU) hatte das Verbot ausgesprochen. Ende vergangenen Jahres hatte das Bundesverfassungsgericht eine Beschwerde dagegen in letzter Instanz zurückgewiesen.

          In welchen Städten und Landesteilen die Kriminalitätshochburgen liegen und welche Regionen Hessens am sichersten sind, konnte der Innenminister noch nicht sagen. Die Angaben sollen nach Angaben von Landespolizeipräsident Udo Münch in Kürze von den Polizeipräsidien vorgelegt werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Großes Aufgebot
 : Die Polizei sichert den Prozess in Dresden – die Angeklagten zählen zum Remmo-Clan.

          Einbruch in Grünes Gewölbe : Ein Clan vor Gericht

          Es war ein spektakulärer Juwelendiebstahl: Vor mehr als zwei Jahren wurde das Grüne Gewölbe ausgeraubt. Nun sind sechs Männer angeklagt. Vieles an dem Fall ist kaum zu fassen.